Gripen

Schon 90 Beschwerden gegen den «Rundschau»-Beitrag zum Gripen

Der Bundesrat will den Gripen - die "Rundschau" offenbar nicht.

Bundesrat Ueli Maurer in der Rundschau

Der Bundesrat will den Gripen - die "Rundschau" offenbar nicht.

Der Beitrag der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens SRF zum Kampfjet Gripen hat bei den Zuschauern und Zuschauerinnen äusserst heftige Reaktionen ausgelöst. Bei der SRG-Ombudsstelle trafen bis am Montagnachmittag per Mail 90 Beanstandungen ein.

Ob hinter der grossen Zahl eine orchestrierte Aktion stecke, konnte Ombudsmann Achille Casanova nicht bestätigen. Die vielen Beschwerden würden aber darauf hinweisen, dass dies der Fall sein könnte.

Der Grossteil der Beanstandungen richtet sich laut Casanova gegen den "Rundschau"-Beitrag. Die Zuschauer kritisierten, der Beitrag sei einseitig gegen den Gripen gewesen, die Moderation der Sendung schlecht und aggressiv, es seien falsche Vergleiche gemacht und falsche Experten eingeladen worden. Rund zehn Beschwerden kritisieren das Verhalten von Maurer.

Tristan Brenn, Chefredaktor TV von SRF, wies den Vorwurf der einseitigen Berichterstattung klar zurück. "Beitrag und Interview sind immer als Einheit zu betrachten, das gehört zum journalistischen Konzept der Rundschau", teilte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda am Freitag mit. "Bundesrat Ueli Maurer konnte in einem neunminütigen Interview die Kritik am Gripen, welche im Beitrag geäussert wird, widerlegen."

Vergleich Schweiz-Österreich

Das Politmagazin des Deutschschweizer Fernsehens hatte die Schweizer Flotte mit jener Österreichs sowie Tschechien und Ungarn verglichen, weil alle drei Länder eine mit der Schweiz vergleichbare Grösse haben. Österreichs Flotte besteht aus 15 Eurofightern, jene von Tschechien und Ungarn aus je 14 geleasten Gripen.

Der Schwerpunkt des Berichts lag auf Österreich. Zu Wort kamen in dem Beitrag ein Testpilot der Schweizer Luftwaffe, der Chef der österreichischen Luftwaffe und ein deutscher "Rüstungsexperte". Letzterer kritisierte die Gripen-Beschaffung als zu teuer und unnötig.
"Schwache Leistung"

Anschliessend strahlte die "Rundschau" ein Interview mit Verteidigungsminister Ueli Maurer aus, worin dieser den Beitrag als einseitig, tendenziös und schwache journalistische Leistung abkanzelte. "Ich finde das relativ tendenziös für ein Fernsehen, das von öffentlichen Geldern lebt", sagte Maurer.

Die Sendung habe nur Länder herangezogen zum Vergleich, die über weniger Kampfjets verfügten, nicht jedoch Länder wie Belgien oder die Niederlande, die weit mehr Flugzeuge besässen.

Die "Rundschau" erklärte zu diesem Vorwurf, man habe den Fokus auf Österreich gelegt, weil es ein Nachbarland sei, es ebenfalls nicht der Militärallianz NATO angehöre und auch Sicherheitsexperten die Schweiz und Österreich miteinander vergleichen würden.

(Quelle: SRF)

Rundschau: Gespräch mit Ueli Maurer

Einen Monat vor der Abstimmung

Das Stimmvolk entscheidet in einem Monat, am 18. Mai, indirekt über den Kauf von 22 Gripen-Kampfjets des schwedischen Herstellers Saab. Zur Abstimmung gestellt wird mit dem Gripen-Fonds-Gesetz die Finanzierung des Kaufs.

Die Ombudsstelle der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wird die Beteiligten spätestens 40 Tage nach Eintreffen der Beschwerden über ihre Schlussfolgerungen und Empfehlungen informieren. Entscheidungs- oder Weisungsbefugnis hat Ombudsmann Casanova aber nicht.

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