Wie kleinkariert unsere Politik bisweilen ist, zeigt die Kontroverse um die geplante Feier für WEF-Gründer Klaus Schwab. Bundespräsident Ueli Maurer will Schwab zum 50-Jahr-Jubiläum des Weltwirtschaftsforums in Davos mit einem kleinen Festakt ehren, und es gibt die Idee, dem gebürtigen Deutschen Schwab das Bürgerrecht zu verleihen.

Die Empörung folgte auf dem Fuss. «Willkür», «unschweizerisch!», entrüsteten sich Politiker aus SP und SVP. «Diesem Deutschen den roten Pass schenken? Nie!», tönte es in Onlineforen.
Ist der Widerstand gegen die Ehrung Schwabs ein gesunder republikanischer Reflex, also keine Sonderbehandlung für niemanden? Im besten Fall ja. Der Verdacht besteht allerdings, dass er eher Ausdruck von Engstirnigkeit ist.

Öffnen wir den Blick auf die Fakten: Schwab ist 81, wohnt seit Jahrzehnten im Kanton Genf; seine Mutter war Zürcherin, sein Vater Deutscher, der im Kanton Bern zur Welt kam; Schwabs Mutter wurde, als die Familie zwischenzeitlich nach Deutschland zog, von der Gestapo verhört, weil sie mit den Kindern Schweizerdeutsch redete; Schwab ist seit 50 Jahren mit einer Schweizerin verheiratet. Kurzum: Biologisch ist Schwab schweizerischer als die meisten Schweizer. Biografisch sowieso. Er hat sein Leben «Davos» gewidmet, die Schweiz in die Welt hinausgetragen, er hat Nobelpreisträger und Staatschefs hierhergeholt, die auf bundesrätliche Einladungen bloss höflich absagen.

Nun gibt es juristisch keine Möglichkeit, jemandem das Bürgerrecht zu «schenken». Das ist okay. Doch der Fall Schwab offenbart, welch absurde Folgen unser Einbürgerungssystem hat: Es ist ein Witz, dass einer wie Schwab nicht längst den roten Pass hat.