Bundesratswahl

Seilbahnabo, Theaterloge, Weinkeller – diese kuriosen Privilegien geniesst ein Bundesrat

Kaspar Villiger, Micheline Calmy-Rey, Christoph Blocher: Sie alle kamen schon in den Genuss der Bundesratsprivilegien.

Kaspar Villiger, Micheline Calmy-Rey, Christoph Blocher: Sie alle kamen schon in den Genuss der Bundesratsprivilegien.

Die Schlüsselübergabe erfolgt am 1. November. Damit die Eingewöhnung ins neue Amt nicht allzu schwer fällt, kommt der neue Bundesrat oder die neue Bundesrätin in den Genuss zahlreicher Privilegien. Wir listen die Wichtigsten und Kuriosesten auf.

Lohn 

445'163 Franken beträgt das Brutto-Jahreseinkommen eines Bundesrats. Hinzu kommt eine Spesenpauschale von 30'000 Franken. Der Bundespräsident darf sich zusätzlich über einen Zustupf von 12'000 Franken freuen.

Repräsentationsfahrzeug

Jeder Bundesrat hat Anrecht auf ein Repräsentationsfahrzeug mit Chauffeur. Der Fuhrpark des Bundes umfasst etwa zwanzig Limousinen, die meisten davon Mercedes. Einzig Doris Leuthard (Tesla S) und Johann Schneider-Ammann (Audi A8) verzichten auf den Stern auf der Kühlerhaube. Die Repräsentationswagen dürfen auch für Privatreisen genützt werden – sogar Ferien im Ausland liegen drin. Allerdings müssen Bundesräte selber für Verpflegung und Logis des Chauffeurs aufkommen.  

CVP-Bundesrätin Doris Leuthard mit ihrem Repräsentationsfahrzeug, einem Tesla S.

CVP-Bundesrätin Doris Leuthard mit ihrem Repräsentationsfahrzeug, einem Tesla S.

Dienstwagen

Neben der Limousine hat jeder Bundesrat Anrecht auf ein persönliches Dienstfahrzeug. Marke und Ausführung können frei gewählt werden, dürfen aber den Betrag von 100'000 Franken nicht übersteigen. Tritt ein Bundesrat zurück, so kann er dem Bund das Auto zum Eurotax-Tarif abkaufen. 

Dach über dem Kopf

Weniger grosszügig zeigt sich der Bund bei der Unterkunft. Die Wohnung muss der Magistrat selber berappen, wer nicht sowieso schon in Bern oder Umgebung wohnt, der erfährt immerhin Unterstützung bei der Wohnungssuche.

1.-Klasse-GA

Grosse Aufregung herrscht jedes Mal, wenn ausländische Medien einen Bundesrat im öffentlichen Verkehr erspähen. Die Magistraten und Magistratinnen erhalten ein Generalabonnement der 1. Klasse. Dieses können sie auch nach ihrem Rücktritt kostenlos verlängern.

Was für später

In wenigen Tagen stimmen wir über die Altersvorsorge ab, es kann also nicht schaden, sich auch als Bundesrat über die eigene Rente schlau zu machen. Diese beträgt für einen alt Bundesrat die Hälfte des Gehalts eines amtierenden Regierungsmitglieds. 

Teenie-Bundesräte:

VIP-Status

Wenn's mit dem Auto oder mit dem Zug nicht schnell genug geht, dann können die Bundesräte natürlich auch auf Flugzeug zurückgreifen. Für Inlandflüge stellt der Lufttransportdienst des Bundes neben dem Bundesratsjet (Typ Dassault Falcon) eine Cessna, zwei Propellerflugzeuge und drei Helikopter zur Verfügung.

Auf Linienflügen dürfen Bundesräte First Class fliegen. Bei der Swiss geniessen die Magistraten VIP-Status. 

Telefon & TV 

Das Handy und die Abo-Kosten bekommen die Bundesräte erstattet. Auch Festnetz gibt's gratis – auch in Zweit- und Ferienwohungen. Radio, TV- und Computer-Infrastruktur ist ebenfalls inbegriffen. Hingegen müssen die Regierungsmitglieder selber für die Billag-Gebühren aufkommen.

Abo der Seilbahnen Schweiz

Wenn's hoch hinausgehen soll, auf die Berge zum Beispiel, dann kann der Bundesrat von seinem Seilbahn-Abo Gebrauch machen.

Kein Militärdienst

Aus dem Schützenpanzer ragt ein Bundesratskopf: Paul Chaudet, Vorsteher des Militärdepartements 1959.

Aus dem Schützenpanzer ragt ein Bundesratskopf: Paul Chaudet, Vorsteher des Militärdepartements 1959.

Bundesräte sind während ihrer Amtsdauer von der Militärdienstpflicht befreit. In der Praxis spielt das selten eine Rolle, die meisten amtierenden und ehemaligen Bundesräte haben das Dienstpflichts-Alter bereits überschritten.

Ehepartner am Steuer

Das Dienstfahrzeug darf vom Ehemann einer Bundesrätin oder der Ehefrau eines Bundesrats genutzt werden.

Diplomatenpass für die ganze Familie

Damit sich das Reisen einfacher gestaltet, erhalten nicht nur Bundesräte, sondern auch ihre Ehepartner und Kinder (bis zum 18. Altersjahr) einen Diplomatenpass. Diesen dürfen die Regierungsmitglieder auch nach dem Ausscheiden behalten.

Klassentreffen

Ein Mal pro Semester findet ein Treffen von amtierenden Bundesräten und Bundesrätinnen, dem Bundeskanzler oder der Bundeskanzlerin sowie ehemaligen Bundesratsmitgliedern und Bundeskanzlern statt. 

Freikarte der RhB für Fahrten durch den Vereinatunnel

 Die Strasse ins Oberengadin ist wegen Schneetreiben unbefahrbar? Kein Problem für Bundesräte: Mit der RhB-Freikarte kommen die Bundesräte gratis durch den Vereinatunnel.
Ab durch den Vereina.

Ab durch den Vereina.

Loge im Berner Stadttheater

Ein bisschen Kultur kann nicht schaden. Im Berner Stadttheater ist ist deshalb eine Loge mit sechs Plätzen für amtierende Regierungsmitglieder und die Kanzlerin oder den Kanzler reserviert. Ehemalige haben Anspruch auf zwei Plätze.

Landgut Lohn & Von-Wattenwyl-Haus

Das Landgut Lohn.

Das Landgut Lohn.

Das Landgut Lohn in Kehrsatz kann für Empfänge und Konferenzen genutzt werden. Hier waren schon Fidel Castro, Winston Churchill und die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft zu Besuch. Urbanes Pendant zum Landgut Lohn ist das Von-Wattenwyl-Haus in Bern. 

Parteipräsidenten vor den traditionellen Von-Wattenwyl-Gesprächen im gleichnamigen Haus.

Parteipräsidenten vor den traditionellen Von-Wattenwyl-Gesprächen im gleichnamigen Haus.

Weinkeller

Auf dem Landgut Lohn und im Von-Wattenwyl-Haus befinden sich die bundesrätlichen Weinkeller. Diese enthalten eine Auswahl von Flaschenweinen, die laut dem offiziellen aide-mémoire «in erster Linie für die offiziellen Einladungen bestimmt sind und einzelfallweise auch für andere dienstliche Anlässe genutzt werden können.»

Todesfall

Ein kleiner Trost, aber immerhin: Stirbt ein Regierungsmitglied im Amt, so hat er Anrecht auf eine Todesanzeige und eine Beflaggung des Bundesgebäudes. Zudem müssen der Bundesrat in corpore, der Kanzler, die Vizekanzler und zwei Weibel an der Trauerfeier teilnehmen. Der Bundespräsident, ein anderes Regierungsmitglied und der Bundeskanzler müssen überdies einen Beileidsbesuch abstatten. Die Trauerfamilie erhält einen Brief. (wst)

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