Versuch
Selbstfahrendes Swisscom-Auto kurvt durch Zürich – mit deutschen Kennzeichen

Der 12. Mai 2015 soll in die Schweizer Verkehrsgeschichte eingehen. An diesem Dienstag schickt Swisscom laut offizieller Ankündigung das erste selbstfahrende Auto zu Testzwecken auf die Strasse.

Daniel Schurter
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So sieht das selbstfahrende Auto von Swisscom aus
6 Bilder
So sieht das selbstfahrende Auto aus
Hände weg vom Steuer - das selbstfahrende Auto braucht keinen Fahrer mehr
So sieht das selbstfahrende Auto von innen aus
Die Kamera auf dem Auto
Das Auto wird vom Computer aus überwacht

So sieht das selbstfahrende Auto von Swisscom aus

Swisscom

Die Swisscom zeigt das erste selbstfahrende Auto auf Schweizer Strassen. Dabei handelt es sich um einen VW Passat, den das deutsche Autonomos Labs mit Sensoren, Computern und Software ausgerüstet hat. Das Auto wird zwei Wochen durch Zürich kurven.

Der Computer fährt und bremst das Fahrzeug autonom, wie die Swisscom am Dienstag vor den Medien in Zürich bekannt gab. Er erfasst andere Fahrzeuge und Passanten über Laserscanner, Radar und Videokameras. Spezielle Software analysiert die Daten, erkennt Fahrsituationen und gibt Fahrbefehle.

Vom 4. bis zum 14. Mai steuert sich das Auto für Testfahrten selbst durch die Stadt Zürich. Spezialisten hinter dem Lenkrad würden für die nötige Sicherheit sorgen, hiess es weiter. Das Verkehrsdepartement UVEK habe Tests für vorgegebene Routen bewilligt.

Der Test muss gut abgesichert sein. Der Bund schreibt vor, das für das Pilotprojekt eine Haftpflicht-Versicherung besteht, die Schäden bis zu 100 Millionen Franken abdeckt.

Wobei bei den für Dienstag angekündigten Testfahrten überhaupt keine Schäden zu befürchten sind. Zu rechnen ist mit begeisterten Journalisten, die den Roboter-Autos eine vielversprechende Zukunft vorhersagen.

Selbstfahrautos von Google bislang an elf Unfällen beteiligt

Die selbstfahrenden Autos von Google sind innerhalb des seit sechs Jahren dauernden Testprojekts in elf kleinere Unfälle verwickelt worden. "Nicht einmal war das selbstfahrende Auto der Grund für den Zwischenfall", betonte Projektchef Chris Urmson in der Nacht zum Dienstag in einem Beitrag auf der Plattform "Medium". Sieben Mal seien andere Fahrer auf die Google-Wagen aufgefahren. Ansonsten seien sie an der Seite gestreift worden und bei einem Zusammenstoss sei ein anderes Auto an einem Stoppschild vorbeigerollt. Insgesamt habe es nur leichte Schäden an den Wagen und keine Verletzten gegeben. Sensoren verhinderten weitere Unfälle"Wenn man genug Zeit auf der Strasse verbringt, werden Unfälle passieren, egal, ob man in einem Auto oder einem selbstfahrenden Fahrzeug sitzt", resümierte Urmson. Googles Flotte von mehr als 20 Roboter-Wagen sei inzwischen über 2,7 Millionen Kilometer gefahren, davon rund 1,6 Millionen im autonomen Betrieb. Aktuell legten sie etwa 16'000 Kilometer pro Woche zurück. (sda)

Passanten und andere Verkehrsteilnehmer werden hingegen kaum etwas mitbekommen. Die Testfahrten werden mit einem für den Strassenverkehr zugelassenen Auto durchgeführt, das – wenn überhaupt – nur durch seinen Dachaufbau auffällt. Und vorne links wird ein menschlicher Pilot sitzen – der notfalls ins Steuer greift.

Laut Bewilligung des Bundes darf nur auf vorgegebenen Strecken ohne Hände am Steuer gefahren werden. Zunächst sogar nur auf einer, vorab festgelegten, Strecke. Welche ist noch nicht bekannt.

Noch gibt es keine Fotos. Offiziell bestätigt ist, dass es sich um ein Fahrzeug der Freien Universität Berlin handelt.

Das «Autonomos Labs»-Team der deutschen Universität forscht seit Jahren an selbstfahrenden Autos und hat bereits zahlreiche Testfahrten durchgeführt. In Berlin und anderen Städten.

Der Verkehrsclub der Schweiz hat den Mitsubishi i-MiEV früher im Jahr zu einem der umweltfreundlichsten Autos gekürt.

Die Swisscom besitzt bereits eine Mini-Flotte solcher Elektroautos. Die umweltschonenden Fahrzeuge werden Mitarbeitern vorübergehend für Dienstfahrten zur Verfügung gestellt.

Dank eines Pressebildes aus dem Jahr 2011 können wir darum auch zeigen, wie der Mitsubishi i-MiEV im Look des Schweizer Unternehmens aussieht. Man muss sich nur den Dachaufbau mit den Kameras hinzudenken.

Ein Elektro-Mitsubishi von Swisscom. Dazu muss man sich noch die Kamera auf dem Dach dazudenken.

Ein Elektro-Mitsubishi von Swisscom. Dazu muss man sich noch die Kamera auf dem Dach dazudenken.

Zur Verfügung gestellt

Der halbstaatliche Telekom-Konzern will Elektroautos hierzulande populärer machen. Im Februar wurde bekannt, dass sich das Unternehmen mit Alpiq, Siemens und Zurich zusammengetan hat. Gemeinsam will man ein schweizweites Elektro-Tankstellennetz entwickeln.

Konzern-Chef Urs Schäppi wurde bei der Ankündigung der Kooperation mit den Worten zitiert: «Swisscom sieht in der Elektromobilität Wachstumspotenzial und Chancen, sich in diesem Umfeld als Partner zu positionieren». Da liegt es eigentlich auf der Hand, dass auch bei einem zukunftsweisenden Projekt wie dem ersten selbstfahrenden Auto auf Elektroantrieb gesetzt wird.

Noch hält sich das Unternehmen bedeckt, offizielle Informationen gibt es am Dienstag. Unternehmenssprecher Carsten Roetz liess sich entlocken, dass es seinem Arbeitgeber nicht darum gehe, ein eigenes Auto zu entwickeln. Vielmehr wolle man «die Potenziale des autonomen Verkehrs abschätzen und die Vernetzung des Verkehrs vorantreiben».

Beim Bund erhofft man sich von den Testfahrten praktische Erkenntnisse im Hinblick auf Zulassungsgesuche, wenn autonome Fahrzeuge in den nächsten Jahren serienmässig hergestellt werden. Das Pilotprojekt soll laut Bundesamt für Strassen dazu beitragen, Probleme und Risiken und deren Lösung aufzuzeigen.

Blumenwiesen anstelle von Parkplätzen, weniger Lärm und viel mehr frische Luft in der Innenstadt: Das sind nur einige Vorteile, wenn wir in Zukunft auf umweltschonende, selbstfahrende Fahrzeuge setzen – und diese auch mit unseren Mitmenschen teilen.

Im «Sharing» von Elektroauto-Flotten und der Nutzung von fahrerlosen Taxis liegt ein gewaltiges Potenzial. Dank der selbstfahrenden Autos wird laut Wissenschaftlern die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Verkehr aufgehoben. Das International Transport Forum (ITF) zeigt die Verkehrs-Revolution am Beispiel der portugiesischen Hauptstadt Lissabon auf. Dort würden unglaubliche 1,5 Millionen Quadratkilometer Fläche «autofrei», respektive neu nutzbar. (sda/watson)