Kantonsschule Aarau

Sieben Klassen mehr an der alten Kanti Aarau: Neuer Run auf Matura?

Begehrte Alte Kanti: Der bisherige Rückstand bei der Maturitätsquote wird wettgemacht.

Alte Kantonsschule Aarau

Begehrte Alte Kanti: Der bisherige Rückstand bei der Maturitätsquote wird wettgemacht.

Der Kanton Aargau will mehr Jugendliche an die Mittelschulen bringen. Jetzt haben die Anmeldungen zumindest in Aarau tatsächlich enorm angezogen. Warum, kann sich aber niemand erklären.

Alois Felber

«Wir müssen die letzten Reserven aktivieren.» - Martin Burkard, der Rektor der Alten Kantonsschule Aarau, wurde dieses Jahr überrascht, wie viele Jugendliche in seine Schule drängen. Die spezielle Sportklasse eingeschlossen, beginnt im August das Gymnasium an der Alten Kantonsschule für ganze 12 Klassen.

Das sind drei Klassen mehr als vor einem Jahr. Inklusive Handels- und Informatikmittelschule werden an der Alten Kantonsschule im nächsten Schuljahr damit total 53 Klassen geführt. Das sind sogar sieben mehr als letztes Jahr. So viele Klassen gab es an der Alten Kanti zumindest in den letzten 11 Jahren überhaupt noch nie.

Das habe viel Arbeit verursacht, schmunzelt Burkard. Habe man doch etliche neue Lehrer anstellen müssen, was zum Teil schwierig gewesen sei. Und auch die Räume in Aarau reichten gerade noch so knapp für die vielen Klassen aus. «Aber es macht natürlich auch Freude, dass sich soviele Jugendliche bei uns anmelden», sagt der Rektor.

Das Phänomen konzentriert sich offenbar vor allem auf die Alte Kantonsschule Aarau. Aber auch über den ganzen Kanton gesehen haben die Anmeldungen ans Gymnasium zugenommen: Von 864 letztes Jahr auf 984. In Baden und Wohlen werden ebenfalls je eine erste Klasse mehr geführt als letztes Jahr.

Beim Kanton wird das begrüsst, wie Kathrin Hunziker, Leiterin der Abteilung Berufsbildung und Mittelschule im Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) erklärt. Denn: Der Aargau will seine gymnasiale Maturitätsquote, mit 14,3 Prozent die dritttiefste im schweizerischen Quervergleich, zumindest auf den Deutschschweizer Durchschnitt anheben. Dieser liegt etwas unter dem gesamtschweizerischen Schnitt von 19 Prozent.

Um dies zu erreichen, wurde auch bereits eine Massnahme umgesetzt. Seit letztem Jahr findet im ganzen Kanton eine neue Übertrittsregelung von der Volksschule Anwendung, die zuvor nur im Fricktal galt.

Demnach werden Kandidaten schon ein Semester vor Abschluss der Volksschule provisorisch an der Mittelschule aufgenommen, wenn sie den erforderlichen Notendurchschnitt haben. Wer diesen auch bei der Abschlussprüfung erreicht, wird definitiv aufgenommen. Wer nicht, muss eine Probezeit von einem Semester bestehen.

Keine vollständige Erklärung

Nur darauf kann man die diesjährige Entwicklung aber nicht zurückführen. «Einen eindeutigen Zusammenhang gibt es nicht», sagt Mathias Bieri von der Sektion Mittelschule des BKS, der aber auch keine andere Erklärung liefern kann. Man habe die Entwicklung bisher noch nicht vertieft analysieren können und wisse deshalb auch nicht, ob möglicherweise einfach ein regional besonders starker Jahrgang dafür verantwortlich sein könnte, so Bieri.

Auch Rektor Burkard ist in Bezug auf den Aarauer Sonderfall ratlos. «Wir wissen nicht, woher diese Entwicklung kommt.» Erklärungsansätze gibt es zwar viele: Vom guten Abschneiden der Aarauer Schule beim ETH-Ranking bis zur neuen Mensa, taugen aber alle nicht wirklich. Obwohl die alte Mensa durchaus eine grosse Hypothek gewesen sei, wie Burkard lachend erklärt.

Der Rektor glaubt eher, dass die unterschiedliche Bevölkerungsstruktur im Westen und Osten des Kantons damit zu tun haben könnte. Sei doch die Maturitätsquote in der Region Baden immer höher gewesen als im ländlicheren Raum rund um Aarau. «Diesen Rückstand haben wir jetzt wettgemacht.»

Hürde nicht herabgesetzt

Die diesjährige Zunahme der Anmeldungen an die Mittelschulen heisst noch nicht, dass dadurch auch tatsächlich die Maturitätsquote steigt. Denn diese hängt ja auch von der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung ab. Darauf weist unter anderem Kathrin Hunziker vom BKS hin. Sie will allerdings die Bedeutung der Quotendiskussion generell relativiert sehen.

Zum einen dürfe man nicht allein die gymnasiale Matur betrachten sondern müsse Berufs- und Fachmaturen in die Überlegungen einbeziehen. Zum anderen gehe es dem Kanton nicht darum, einfach eine Quote zu erhöhen. Vielmehr wolle man dazu befähigte Schüler ins Gymnasium oder zu einer Berufsmatur bringen, welche diesen Weg bisher aus verschiedenen Gründen nicht eingeschlagen hätten.

Dabei soll das Leistungsniveau klar erhalten bleiben. Deshalb habe man mit der letztjährigen Generalisierung der Fricktaler Übertrittsregelung auch nicht die Hürde herabgesetzt, sondern lediglich für mehr Planungssicherheit gesorgt.

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