Integration

Sind Secondos die besseren Schweizer?

Die Armee hat nachweislich eine Integrationsfunktion für Ausländer.

Die Armee hat nachweislich eine Integrationsfunktion für Ausländer.

In der Armee sind Schweizer mit ausländischen Wurzeln eher bereit, weiterzumachen. In der Politik sind Doppelbürger mindestens genauso aktiv wie Schweizer mit nur einem Pass.

In der Armee dienen immer mehr Doppelbürger. Eine Befragung von 1200 Rekruten, die der „Schweiz am Sonntag“ vorliegt, zeigt, dass die Secondos im Militär eher weitermachen: 17 Prozent der Rekruten mit Migrationshintergrund sind bereit, die Unteroffiziersschule zu besuchen, verglichen mit 13 Prozent bei gebürtigen Schweizern.

Und nicht nur in der Armee, auch bei der politischen Beteiligung sind die Secondos Spitze. Die Politologin Andrea Schlenker, die an der Universität Luzern forscht, hat erstmals die Einstellungen von Doppelbürgern in der Schweiz untersucht. In ihrer vom Nationalfonds finanzierten Studie, die in diesen Tagen in der «European Political Science Review» erscheint und der Zeitung "Schweiz am Sonntag" vorliegt, kommt sie zum Schluss: Schweizer, die mehr als einen Pass haben, fühlen sich dem Land nicht weniger verbunden als Personen, die nur den roten Pass haben.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Befragten ursprünglich Deutsche, Italiener oder Kosovaren waren. Die Identifikation mit der neuen Heimat erweist sich auch dann als stark, wenn die emotionale Verbindung zum Herkunftsland intakt ist.

Untersucht hat Schlenker, die mit Forschungskollegen insgesamt 1764 Personen befragen liess, auch die politische Teilnahme. Dabei zeigte sich, dass sich Doppelbürger kaum von Schweizern mit einem Pass unterscheiden. 66 Prozent der Befragten gaben an, sich an den letzten nationalen Wahlen beteiligt zu haben – bei Schweizer Einfachbürgern waren es 61 Prozent.

Auch wenn solche Selbsteinschätzungen mit Vorsicht zu geniessen sind, scheint das politische Interesse an der Schweiz bei vielen Ausländern eine Rolle zu spielen, besonders bei den Deutschen: 81 Prozent von ihnen gaben den Wunsch nach politischer Teilnahme als Grund an, weshalb sie sich einbürgern lassen wollten.

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