Schweizer Fernsehen
So einseitig und einfältig sind die Infosendungen beim SF

Wer ein Jahr lang «Tagesschau», «Rundschau», «Börse» und «Eco» schaut und denkt, es werde ausgewogen informiert, täuscht sich. Wie eine Auswertung zeigt, berichtet das Schweizer Fernsehen immer wieder über gleiche Themen, Städte und Personen.

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Tagesschau-Moderatorin Katja Stauber.

Tagesschau-Moderatorin Katja Stauber.

www.sf.tv

Das Schweizer Fernsehen muss «umfassend, vielseitig und sachgerecht» informieren. So schreibt es das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) vor. Wie eine kontinuierliche Auswertung des Schweizer Medienforschungsinstitut Media Tenor in der aktuellen «Weltwoche» zeigt, ist dies bei den Infosendungen «Tagesschau», «Rundschau», «Börse» und «Eco» aber nicht immer der Fall.

Das Institut hat jeden einzelnen Beitrag der vier Sendungen nach Thema, Quellen, regionalem Bezug und den Kommentierungen erfasst. Die Ergebnisse zeigen: Es kommen immer wieder die gleichen Parteien zu Wort, Bundesräte, die einmal in die Kritik sind kommen kaum aus dem Tief raus und über Kleinkantone wird kaum berichtet. Folgend eine Übersicht.

Auftreten von Parteien im SF: Ein Vergleich der Statements von Politikern im Jahr 2010 zeigt: Mit 30 Prozent Sendezeit kommen SP-Mitglieder am häufigsten zu Wort. Gefolgt von den SVP-Vertretern und den Damen und Herren der FDP mit jeweils 23 Prozent. Die CVP liegt abgeschlagen mit 15 Prozent auf dem vierten Platz. Relativ häufig im Vergleich zu ihrer Stärke im Nationalrat kommt die BDP zu Statements: 5 Prozent Sendezeit. Die Grünen haben zwar mehr Sitze im Nationalrat - im Schweizer Fernsehen haben sie mit nur 3 Prozent Sendezeit das Nachsehen.

Bewertung der Bundesräte: Die positiven und negativen Äusserungen in Infosendungen über die Bundesräte im letzten Jahr bringen zum Vorschein: Ist ein Bundesrat, beziehungsweise eine Bundesrätin mal in der Kritik, bleibt es dabei - genauso wie beim Lob. Der SVP-Bundesrat Ueli Maurer erhielt durchs Band schlechte Noten. Ähnlich wie Eveline-Widmer Schlumpf, über die mehrheitlich negativ berichtet wurde - abgesehen von wenigen neutralen Phasen. Weder positiv noch negativ wird über CVP-Bundesrätin Doris Leuthard berichtet. Statements über die Aargauerin lagen im letzten Jahr konstant im neutralen Bereich. Positiv oder neutral wurde Didier Burkhalter (FDP) bewertet. Neuling Johann Schneider-Ammann scheint beim Schweizer Fernsehen noch einen Bonus zu haben, denn negativ geäussert hat sich das SF bisher nicht. Hochgejubelt wurde Simonetta Sommaruga (SP). Im Juli 2010 stellte sie mit einem Durchschnitt von 60 Prozent wohlwollenden Äusserung den Rekord auf.

Aufmerksamkeit für Kantone: Bern und Zürich - dies sind die Kantone, über die SF-Infosendungen mehrheitlich berichten. Graubünden schafft es gemäss «Weltwoche» nur dann ins Fernsehen, wenn das WEF tagt, Verbrechen begangen oder Bären gejagt werden. Auch der Kanton Aargau scheint mit rund 25 Berichten nicht von grossem Interesse für die TV-Macher zu sein.

Meldungen über Unternehmen: Klar ist: Horrormeldungen über Banken dominierten im letzten Jahr die Berichterstattung. UBS und CS führen damit das Ranking der Unternehmen an - dabei wird die UBS von allen Firmen am stärksten kritisiert. Auffallend häufig ist auch die Rede vom Mutterhaus SRG. Dabei fällt kaum ein negatives Wort. Migros hingegen ist selten ein Thema, genauso wie Holcim oder Clariant.

Gegenüber der «Weltwoche» wollte sich SF nicht zu Ergebnissen der Analyse äussern. (jep)