Soberana 2
Kubas Impfstoff vor letzter Testphase: Ex-SP-Nationalrat Franco Cavalli half mit – und hat grosse Hoffnungen

Kubas Covid-Impfstoff Soberana 2 geht in die letzte Testphase. Arzt und SP-Mann Franco Cavalli ist optimistisch.

Christoph Bernet
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Ex-SP-Fraktionschef Franco Cavalli mit medizinischem Fachpersonal in Kuba (November 2020).

Ex-SP-Fraktionschef Franco Cavalli mit medizinischem Fachpersonal in Kuba (November 2020).

zVg

Im März beginnt auf der Karibikinsel die dritte Testphase des Vakzins Soberana 2 (spanisch für «souverän»). Gemäss dem Instituto Finlay de Vacunas (IVF), einer staatlichen Einrichtung zur Impfstoffentwicklung, umfasst die letzte Testphase 42'000 Teilnehmer. Soberana 2 ist der am weitesten fortgeschrittene der vier Covid-Impfstoffe, die Kuba entwickelt.

IVF-Direktor Vicente Vérez zeigte sich optimistisch, dass sich die ermutigenden Resultate aus der Phase II mit 900 Teilnehmenden dabei bestätigen lassen. Kuba plant, ein hohes Tempo anzuschlagen: Wenn die ersten Phase-III-Resultate aus der Hauptstadt Havanna positiv ausfallen, soll noch im April eine erste Tranche von 100'000 Impfdosen hergestellt werden.

Mit Spezialbewilligung nach Havanna gereist

«Kuba hat eine lange Tradition der Impfstoffentwicklung», sagt der frühere Tessiner SP-Nationalrat und Arzt Franco Cavalli. Die Insel verfüge über einen modernen und leistungsfähigen biomedizinischen Sektor. Neun der 13 Impfstoffe, die in Kuba obligatorisch sind, werden auf der Insel selber hergestellt. Das Land hatte in den 80er-Jahren als Erstes einen Impfstoff gegen Meningokokken-Erreger vom Typ B entwickelt: «Der kubanische Covid-Impfstoff ist ein ernst zu nehmender Kandidat», sagt Cavalli.

Der renommierte Onkologe und frühere Chefarzt am Spital in Bellinzona ist auch mit 78 Jahren noch viel unterwegs. Im November flog er auf einem der ersten Charterflüge nach der monatelangen, coronabedingten Selbstisolation der Insel in die Touristendestination Varadero. Mit einer Spezialbewilligung der Regierung durfte Cavalli im Gegensatz zu den Pauschaltouristen in die Hauptstadt Havanna fahren.

Forscher in Havanna arbeiten an einem Covid-Impfstoff.

Forscher in Havanna arbeiten an einem Covid-Impfstoff.

Ramon Espinosa / AP

Dort wurde er als Präsident des Hilfswerksverbunds Medicuba Europa über die Fortschritte der Impfstoffentwicklung informiert. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz leistete Cavalli seinen eigenen kleinen Beitrag an die mögliche Erfolgsgeschichte aus Kuba: Mit Medicuba half er dem IVF, kostspielige Instrumente zu beschaffen, welche die Veränderung der weissen Blutkörperchen messen, die nach der Impfung die Antikörper gegen das Virus produzieren.

Cavalli träumt von einem Impfstoff für die Dritte Welt

Der überzeugte Marxist Cavalli setzt grosse Hoffnung auf Soberana 2. Ein Vorteil sei, dass dafür im Gegensatz zu den mRNA-Vakzinen von Moderna und Pfizer keine ausgeklügelten Kühlketten nötig seien. Soberana 2 ist ein konjugierter Wirkstoff, der mithilfe der Spitze der Stacheln des Covid-Erregers eine Immunreaktion erzeugt. Cavalli erhofft sich davon eine möglichst langanhaltende Immunität, die auch gegen Mutationen wirksam ist. Er meint:

«Das sind gute Voraussetzungen für einen Einsatz in ärmeren Ländern.»

Im November sprach Cavalli in Havanna mit Vertretern der Welt- und der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation darüber: «Auch sie hatten die Hoffnung, dass Kubas Impfstoff zu erschwinglichen Preisen an ärmere Staaten verteilt wird».

Tatsächlich haben Vietnam, Iran, Venezuela, Indien, Pakistan und die Afrikanische Union bereits ihr Interesse angemeldet. Bis Ende Jahr will Kuba 100 Millionen Impfdosen produzieren – mehr als für die eigene Elf-Millionen-Bevölkerung nötig ist. Zwar wolle man mit der Weitergabe von Soberana 2 die eigene Impfstoff- und Medikamentenherstellung refinanzieren, sagte IVF-Direktor Vicente Vérez: «Wir sind aber kein multinationales Unternehmen, bei dem die Rendite im Vordergrund steht.»