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SRG-Chef Roger de Weck provoziert seine Gegner – das kommt nicht gut an

Der Generaldirektor der SRG lässt im Jahresbericht seinem Frust über die private Konkurrenz freien Lauf. Sympathisanten der SRG bezeichnen die Breitseite des Generaldirektors gegen die Verlage als kommunikativ ungeschickt.

Lorenz Honegger
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SRG-Generaldirektor Roger De Weck sorgt für Unmut.

SRG-Generaldirektor Roger De Weck sorgt für Unmut.

Chris Iseli

Vorworte zu Geschäftsberichten bieten selten spannenden Lesestoff – es sei denn, der Autor heisst Roger de Weck. Im aktuellen Jahresbericht der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft lässt der Generaldirektor seinem Frust über die private Konkurrenz freien Lauf: «Die SRG-Abbauer sind zwar finanz- und lautstark, aber sie haben bisher keinen schlüssigen Gegenentwurf vorgelegt. All ihre Forderungen laufen letztlich darauf hinaus, der SRG den Publikumserfolg zu verwehren.»

Hintergrund der angriffigen Stellungnahme ist die angelaufene Debatte über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Radios und Fernsehens. Eine Mehrheit der privaten Verlage möchte die gebührenfinanzierte SRG einschränken.

Konstruktiv?

In seinem Vorwort wirft ihnen Roger de Weck vor, von Zukunftsängsten geplagt «über eine Schwächung der SRG» zu neuer Stärke finden zu wollen. «Eine Illusion», wie er findet.

Darüber hinaus habe die SRG in der Politik mit Kräften zu kämpfen, «die alle eidgenössischen Institutionen schlecht machen», denen «die Unabhängigkeit des Medienhauses SRG und sein unbequemer Journalismus» nicht ins Konzept passten – womit die SVP gemeint sein dürfte.

Ein Dorn im Auge ist ihm auch die «Ich-zahle-nur-für-das-was-ich-nutze-Schweiz»-Mentalität: «Dem Gegenteil der eidgenössischen Idee, die von der Solidarität zwischen den Landesteilen und dem Willen zum Interessenausgleich lebt.»

De Wecks Textpassage im Jahresbericht der SRG.

De Wecks Textpassage im Jahresbericht der SRG.

SRG

Die von SRG-Präsident Viktor Baumeler mitunterzeichnete Stellungnahme kommt weder bei Kritikern noch bei Sympathisanten der SRG besonders gut an. Die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, eine vehemente Unterstützerin der SRG, sagt, für sie stelle sich die Frage, ob man mit solchen Aussagen zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit den Verlegern beitrage. «Ich persönlich hätte einen anderen Ton gewählt.»

Ähnlich sieht es Regula Rytz, Präsidentin der Grünen Partei und in der Service-public-Diskussion klare Befürworterin einer starken SRG. «Wenn die Aussagen missverstanden werden können wie in diesem Fall, ist das keine geschickte Kommunikation.» Sie sei der Meinung, beide Seiten sollten jetzt aufeinander zugehen und einander «nicht auf der symbolischen Ebene» bekämpfen.

Deutlicher formulieren es die Hauptadressaten von de Wecks Kritik, die privaten Verlage, zu denen auch die AZ Medien gehören. «Die Stellungnahme lässt eine gewisse Arroganz durchblicken», sagt Andreas Häuptli, Geschäftsführer des Verbands Schweizer Medien. «Es ist erstaunlich, dass die SRG offenbar nicht nur in amerikanischen Unternehmen wie Facebook oder Google, sondern auch in der Schweizer Medienlandschaft einen Feind sieht.»

Die SRG-kritische SVP-Nationalrätin Natalie Rickli (ZH) pflichtet bei: «Die Aussagen zeugen vom Selbstverständnis der SRG: Es gibt nur sie, die anderen sind entweder fehl am Platz oder wollen sie schwächen.»

Kein Problem mit de Wecks Tonfall hat der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas. Das Vorwort zum Geschäftsbericht sei «sicher nicht sanft formuliert», sagt er. Aber angesichts der heftig geführten Service-public-Debatte müsse es auch der SRG erlaubt sein, klare Worte zu finden. «Als Generaldirektor hat man die Pflicht, für die eigene Institution einzustehen. Oder hat man den Job gemacht, wenn man immer nur den Kopf hinhält?»

«Taten statt Stilkritik»

SRG-Generaldirektor Roger de Weck betont auf Anfrage in einer schriftlichen Stellungnahme, dass der umstrittene Text im Jahresbericht 2015 auch versöhnliche Elemente enthält: «Das Vorwort bekräftigte die elf handfesten Kooperationsvorschläge der SRG an die Medienbranche, und jetzt laufen konstruktive Verhandlungen – noch wichtiger sind mir gemeinsame Taten als Stilkritik an pointierten Worten.»

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