Steuern
Die Abschaffung des Eigenmietwerts könnte zu mehr Schwarzarbeit führen

Wenn der Eigenmietwert fällt, freut das die Schattenwirtschaft. Heute Dienstag berät der Ständerat darüber.

Nina Fargahi
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Abschaffung des Eigenmietwerts könnte zu mehr Schwarzarbeit führen, befürchten die Finanzdirektoren.

Abschaffung des Eigenmietwerts könnte zu mehr Schwarzarbeit führen, befürchten die Finanzdirektoren.

Bild: Petra Orosz / Keystone

Wer eine Immobilie besitzt und in den eigenen vier Wänden wohnt, muss eine fiktive Miete als Einkommen versteuern – den Eigenmietwert. Das ist der Betrag, den Eigentümer sonst für die Miete aufwerfen müssten. So sollen Mieter und Hauseigentümerinnen gleich behandelt werden. Im Gegenzug können Eigentümer die zusätzliche steuerliche Belastung mit diversen Abzugsmöglichkeiten kompensieren, zum Beispiel können Unterhaltsarbeiten geltend gemacht werden.

Doch der Eigenmietwert ist umstritten und den bürgerlichen Parteien seit langem ein Dorn im Auge. Nach der Weltwirtschaftskrise führte der Bundesrat die Steuer 1934 ein: per Notrecht als Krisenabgabe zur Gesundung des Bundeshaushalts, befristet bis 1938. Dann wurde sie verlängert und 1958 wurde sie zum Gesetz.

Nun schlägt die Wirtschaftskommission des Ständerates einen Systemwechsel vor und möchte den Eigenmietwert abschaffen, obwohl dieses Vorhaben schon drei Mal an der Urne und mehrmals im Parlament gescheitert ist. Trotzdem: Die kleine Kammer beantragt heute, den Eigenmietwert in der Steuererklärung aufzuheben, was die Eigentümer entlasten würde. Dafür sollen bei der direkten Bundessteuer auch keine Abzüge mehr geltend gemacht werden können.

«Wer Schulden abbezahlt, wird bestraft»

Doch die kantonale Finanzdirektorenkonferenz (FDK) warnt, dass dadurch die Schwarzarbeit zunehmen könnte. Da keine Belege für den Abzug mehr benötigt werden, bestehe die Gefahr, dass Unterhaltsarbeiten am Eigenheim vermehrt als Schwarzarbeit ausgeführt werden, so die FDK. Wie gross ist diese Gefahr?

Nachfrage beim Berner Steueramt. Dort heisst es: «Ja, ein entsprechendes Risiko besteht.» Die Abschaffung des Eigenmietwerts könnte dazu führen, dass Unterhaltsarbeiten vermehrt aufgeschoben, selbst erledigt oder mit Schwarzarbeit ausgeführt würden. «Mit dem Wegfall der steuerlichen Abziehbarkeit der Unterhaltskosten entfiele die Kontrollmöglichkeit, ob die Entschädigungen vom Empfänger deklariert und versteuert werden.»

Obwohl dieser Anreiz besteht, befürwortet der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) die Abschaffung des Eigenmietwerts. «Es ist ein Unding, ein rein fiktives Einkommen zu besteuern.» Die Vermutung, dass ein Systemwechsel zu mehr Schwarzarbeit führen würde, sei rein spekulativ und unterstelle den Hausbesitzern und den Arbeitnehmenden per se kriminelle Absichten. «Das verurteilen wir», so Corinne Aeber-hard vom SGV.

Peter Mischler von der FDK widerspricht. Das sei keine Unterstellung, sondern lediglich die Einschätzung der kantonalen Steuerämter. Ständerat Pirmin Bischof (Mitte/SO), einer der Köpfe hinter der Vorlage, verneint. «Herr und Frau Schweizer/in bauen ihr Haus nicht mit Schwarzarbeit, ob mit oder ohne Steuerabzug», sagt er. Die Frage nach den Unterhaltsabzügen sei ein Nebenschauplatz. Die Kantone würden beim Systemwechsel Mindereinnahmen befürchten. «Zu Unrecht», rechnet Bischof vor. «Bei jetzigen Zinsen gibt es zwar Mindereinnahmen für Bund, Kantone und Gemeinden von total 660 Millionen, doch bei wieder ‹normalen› Zinsen von 3,5 Prozent Mehreinnahmen von 2 Milliarden.» Was ist also des Pudels Kern? «Der Schweizer Staat subventioniert heute das Schuldenmachen. Wer Schulden zurückzahlt oder spart, wird bestraft. Das ist falsch und gefährlich», so Bischof. Und der Druck nehme zu, denn die Eigentümer, welche ihre Schulden abbezahlt hätten und weiterhin ein fiktives Einkommen – den Eigenmietwert – versteuern müssten, fühlten sich ungerecht behandelt.

Die Vorlage dürfte trotzdem einen schweren Stand haben. Während etwa von linken Parteien, Kantonen oder Mieterverbänden Widerstand zu erwarten ist, stellen sich Bürgerliche, der Hauseigentümerverband oder die Baubranche wohl eher hinter das Vorhaben. Der Ständerat ist der erste Rat, der sich heute damit beschäftigt.

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