Polit-Karriere

SVPler wollen Blocher-Tochter ins Bundeshaus holen

Bald in der Politik? Ems-Firmenchefin Magdalena Martullo-Blocher (Archiv)

Bald in der Politik? Ems-Firmenchefin Magdalena Martullo-Blocher (Archiv)

SVP-Politiker wollen Magdalena Martullo-Blocher für eine National- und Ständeratskandidatur gewinnen. Als Chefin der erfolgreichen Ems-Chemie gibt sie Parlamentariern in Bern jetzt schon den Tarif durch.

Ein Zürcher Nationalrat will es wissen: «Es kann gut sein, dass Magdalena Martullo-Blocher für die SVP sowohl als Ständerätin als auch als Nationalrätin kandidiert.» Diese Information der „Schweiz am Sonntag“ kommt zu einem doppelt interessanten Zeitpunkt.

Erstens ist die 44-Jährige mit ihrer Ems-Chemie erfolgreicher denn je. «Einen besseren Zeitpunkt für die Lancierung der Politkarriere gibt es nicht», sagt ein Insider. Zweitens schaltete sich Martullo-Blocher diese Woche einmal mehr in die Politik ein – mit einem Brief an ausgewählte Parlamentarier.

Seit Christoph Blocher (heute 73-jährig) nach seiner Wahl in den Bundesrat Ende 2003 das Ems-Zepter an seine älteste Tochter übergab, stieg der Börsenwert des Unternehmens geradezu explosionsartig. Diese Woche durchbrach die Aktie erstmals die Marke von 400 Franken. Das Unternehmen ist jetzt 9,5 Milliarden Franken wert – und in internationalen Vergleichen, die in Dollar gemacht werden, wiegt es nun zum ersten Mal mehr als 10 Milliarden.

Ems-Chefin gibt Parlamentarieren den Tarif durch

Innerhalb von drei Jahren hat sich dessen Wert verdreifacht. Je besser es läuft, umso mehr Selbstbewusstsein hat die Unternehmerin, um sich politisch zu äussern. Nicht zum ersten Mal, aber deutlicher denn je schaltete sie sich an der jüngsten Pressekonferenz der Ems-Chemie in die Politik ein. Bei der Präsentation der Halbjahresergebnisse polterte sie, ganz im Stil ihres Vaters, gegen die EU-Bildungsprogramme.

Ems-Konzernchefin Magdalena Martullo-Blocher (Archiv)

Ems-Konzernchefin Magdalena Martullo-Blocher (Archiv)

Wie Recherchen der „Schweiz am Sonntag“ nun zeigen, nutzt Martullo-Blocher nicht nur die ihr nahestehenden Zeitungen für die Verbreitung ihrer Botschaft. Sie wandte sich in einem Brief auch direkt an Parlamentarier und schickte ihnen ihr «Plädoyer zum Forschungs- und Bildungsplatz Schweiz» zu. Die Unternehmerin schreibt: «Meine Analyse zeigt, dass der Forschungs- und Innovationsplatz Schweiz weltweit einen Spitzenplatz einnimmt und keine Konzessionen der Schweiz gegenüber der EU benötigt. Die aktuellen EU-Programme Erasmus und Horizon 2020 habe ich dabei besonders analysiert», teilt sie mit.

Es bleibt aber nicht bei der Analyse. Martullo-Blocher gibt den Parlamentariern den Tarif durch: «Ich vertraue darauf, dass Sie die für den Wirtschaftsstandort Schweiz relevanten Erkenntnisse in Ihre politische Arbeit einbringen.»

Martullo-Blocher gibt sich bedeckt

Erleben wir gerade die Anfänge einer Polit-Karriere? Magdalena Martullo-Blocher schweigt zu dieser Frage. Als sie die «Schweiz am Sonntag» gestern auf dem Handy erreichte, gab sie keine Auskunft. Vor drei Jahren machte die „Schweiz am Sonntag“ publik, dass die Bündner SVP-Sektion Martullo-Blocher für die Wahlen 2011 als National- und Ständeratskandidatin angefragt hatte. Doch Martullo sagte vorerst ab: Sie wolle sich voll auf ihre Arbeit im Unternehmen konzentrieren.

Silvia und Christoph Blocher

Silvia und Christoph Blocher sind stolz auf ihre Tochter, die Ems-Chefin.

Silvia und Christoph Blocher

Livio Zanolari, Bündner SVP-Politiker und Ex-Kommunikationschef von Christoph Blocher, sagte: «Ich hätte sie sehr gerne auf der Bündner Liste gesehen.» SVP-Präsident Toni Brunner erklärte damals: «Christoph Blocher ist überzeugt, dass sie eine gute Politikerin wäre.» Brunner ergänzte, Martullo-Blocher habe zu wenig Zeit für die Politik, aber: «Es ist gut möglich, dass sich die Situation in vier Jahren völlig anders präsentiert. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie einsteigt.»

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