Schweiz

Tessiner Senioren umgehen das Einkaufsverbot und fahren nach Uri

Autos mit Tessiner Kennzeichen vor dem Lidl in Flüelen.

Autos mit Tessiner Kennzeichen vor dem Lidl in Flüelen.

Einkaufsverbot für Senioren im Tessin: Nun werden in Uri gehäuft Einkaufstouristen aus dem Tessin beobachtet. Am Gotthard werden die Kontrollen wohl verschärft.

Was in Uri nur für wenige Tage galt, setzt der Kanton Tessin wegen der Coronavirus-Ausbreitung seit gut zwei Wochen rigoros durch: Menschen über 65 dürfen nicht mehr selber einkaufen gehen. Im Eingangsbereich der Tessiner Geschäfte steht Security-Personal, das die Kunden nach ihrem Alter fragt. Wer die Grenze von 65 überschreitet, wird zurückgewiesen. Die Polizei kann sogar Ausweiskontrollen durchführen.

Die Massnahme ist hoch umstritten und wird sehr emotional diskutiert. Laut Bundesrat Alain Berset ist diese nicht mit Bundesrecht vereinbar. Der Kanton Tessin hält gleichwohl daran fest, will sie allenfalls diese Woche aber modifizieren. Spekuliert wird, ob die Geschäfte für die Gruppe der Over65 eigene Zeitfenster zum Einkauf einrichten.

Norman Gobbi ist «äusserst überrascht»

So lange wollen einige Senioren offenbar nicht warten. Zumindest scheuen manche über 65-Jährige nicht einmal längere Autofahrten, um doch zum Einkaufserlebnis zu kommen. Dies zumindest stellen Leser der «Urner Zeitung» fest, wie die Tageszeitung heute publik macht: Sie machten in den vergangenen Tagen immer wieder die Beobachtung, dass besonders viele Tessiner nun Einkaufsläden in Uri benutzen. Insbesondere Mitarbeiter machten sich nun Sorgen.

Dass nun viele Tessiner in Uri einkaufen, ist auch der Urner Polizei bekannt, wie auf Anfrage bestätigt wird. «Wir haben dies bereits unseren Tessiner Kollegen mitgeteilt», sagt Gusti Planzer, Mediensprecher der Kantonspolizei Uri. Allerdings erweist sich der Handlungsspielraum als eingeschränkt: «Dieses Verhalten ist nicht verboten aber aus unserer Sicht in höchstem Mass unangebracht», sagt Planzer.

Der Tessiner Justiz- und Polizeidirektor Norman Gobbi zeigt sich auf Anfrage von CH Media vom beschriebenen Phänomen äusserst überrascht, «auch wenn man das nicht ausschliessen kann». Die Tessiner Kantonspolizei habe dies bisher nicht verifizieren können. Man werde die Situation aber verfolgen.

Derweil machen sich die Tessiner umgekehrt grosse Sorgen, dass allen öffentlichen Empfehlungen zum Trotz viele Personen aus der Deutschschweiz für das Osterwochenende ins Tessin reisen. An einer Medienkonferenz, die auf heute Dienstagnachmittag angesetzt ist, wollen die beiden Polizeikorps von Uri und dem Tessin über «Informations- und Kontrollmassnahmen» sowie deren Umsetzung informieren. Polizeidirektor Gobbi bezeichnet die Zusammenarbeit zwischen den Korps von Uri und Tessin als «optimal.»

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