Todesstrafe
Todesstrafe: Das Motiv des Initianten

Ist ein Mordfall in Kriens der Auslöser für die Volksinitiative zur Wiedereinführung der Todesstrafe? Initiant Marcel Graf hüllt sich in Schweigen, doch vieles deutet darauf hin.

Sven Zaugg
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Todesstrafe Demo in Bern

Todesstrafe Demo in Bern

Keystone

Marcel Graf - einzig und alleine dieser Name stand bisher für die umstrittene Volksinitiative «Todesstrafe bei Mord mit sexuellem Missbrauch». Nun werden vom unbekannten Initianten langsam Konturen und sein Motiv sichtbar. Bei Graf handelt es sich um einen selbstständigen Informatiker, der in Knonau wohnt. Bis Ende 2009 soll er noch im Sold der Grossbank UBS gestanden haben und zwar als Kadermitarbeiter.

Alles deutet darauf hin, dass die Schwester von Grafs Ehefrau ermordet wurde. Tatsächlich berichteten verschiedene Medien im April letzten Jahres von einem Gewaltverbrechen in der Luzerner Vorortsgemeinde Kriens. Das Opfer: eine KV-Angestellte namens Sou Ken Taing. Sie trägt den gleichen Familiennamen wie Grafs Ehefrau. Nachbarn des Informatikers bestätigten gegenüber Tele M1, dass es sich um einen Mord im engsten Familienkreis handle. Das Delikt liege schon längere Zeit zurück, das Strafverfahren sei aber noch nicht abgeschlossen, erklärte Graf gegenüber der «NZZ am Sonntag». Zu den genauen Umständen wollte sich der 35-Jährige nicht äussern.

Mord in Kriens

Die Luzerner Polizei fand die KV-Angestellte am 14. April 2009 tot in ihrer Wohnung. Der Freund des Opfers, ein 49-jähriger Mann aus dem Kanton Nidwalden, der sich zur Tatzeit ebenfalls in der Wohnung aufgehalten haben soll, wurde als Tatverdächtiger festgenommen. Simon Kopp von der Luzerner Strafuntersuchungsbehörde sagte damals: «Wir gehen wegen den Verletzungen von einem Gewaltverbrechen aus.» Ob die 28-Jährige von ihrem Freund sexuell missbraucht und daraufhin getötet wurde, will Kopp gegenüber a-z.ch nicht kommentieren, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Nur so viel: «Die polizeilichen Ermittlungen sind abgeschlossen. Der Angeschuldigte befindet sich immer noch in Haft.»

Der Mord im engsten Familienkreis würde Grafs Engagement für die Wiedereinführung der Todesstrafe erklären - doch das bleibt Spekulation. Auch gegenüber der «NZZ am Sonntag» wollte Graf nicht über die persönliche Beweggründe reden. Er sagt lediglich: «Ich stehe hinter dem Begehren und bin bereit, sämtliche Konsequenzen zu tragen.» Die anderen sechs Mitunterzeichner der Initiative stammen aus seinem familiären Umfeld. Es sind Grafs Ehefrau, seine Mutter sowie zwei weitere Ehepaare aus der Innerschweiz, die mit Grafs Frau, die ursprünglich aus Asien stammt, verwandt sind.

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