Treibhausgas-Reduktion
Business-Class-Passagiere zahlen mehr: Jetzt ist klar, was die Flugticketabgabe die Schweizerinnen und Schweizer kosten wird

Die Ferien werden teurer: 30 Franken CO2-Zuschlag sollen Schweizer künftig zahlen, wenn sie ins europäische Ausland fliegen. 60 Franken sind es bei der Türkei. Langstreckenflüge kosten 90 Franken mehr, aber nur in der Economy-Klasse.

Lucien Fluri
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Die CO2-Abgabe auf Flugtickets will die Treibhausgasemissionen senken.

Die CO2-Abgabe auf Flugtickets will die Treibhausgasemissionen senken.

Ennio Leanza (Keystone)

Wenn Schweizerinnen und Schweizer ins Ausland fliegen, sollen sie künftig eine CO2-Abgabe auf jedes Flugticket bezahlen müssen. So will es das neue CO2-Gesetz, über das am 13. Juni abgestimmt wird.

Seit Mittwoch ist nun klar, um wie viel die Flugtickets mit der Abgabe teurer werden sollen. Der Bundesrat hat erstmals genaue Beträge pro Flugdestination genannt. Drei Kategorien gibt es: Kurz-, Mittel- und Langstreckenflüge.

Europa kostet 30 Franken - Economy

30 Franken kostet die Abgabe für Kurzstrecken, aber nur in der günstigsten Flugklasse, was meist Economy ist. Business- und First Class-Passagiere zahlen nämlich 60 Franken. Als Kurzstrecken gelten grundsätzlich alle Destinationen in Europa, von Norwegen bis Italien, vom Vereinigten Königreich bis nach Litauen und Lettland. Auch Flüge nach Bosnien, Kroatien, Serbien, in den Kosovo oder nach Albanien gelten als Kurzstreckenflüge.

Das ist die genaue Länderliste

30 Franken für die tiefste Flugklasse (Economy), 60 Franken für alle anderen Klassen (Business und First Class) sind für folgende Destinationen zu bezahlen:

Belgien, Bulgarien, Dänemark (ohne Grönland und Färöer), Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich (ohne Überseeinseln, und -gebiete), Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande (ohne Karibikinseln), Österreich, Polen, Portugal (ohne Azoren und Madeira), Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien (ohne Kanaren), Tschechien, Ungarn, Lichtenstein, Norwegen (ohne Spitzbergen und Jan Mayen), Vereinigtes Königreich mit den Kanalinseln Guernsey, Isle of Man, Jersey, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Serbien, Kosovo, Nordmazedonien.

60 Franken die günstigste Flugklasse (Economy),  90 Franken für alle anderen Beförderungsklassen fallen bei diesen Destinationen an: 

Island, Zypern, Kanaren, Azoren, Madeira, Färöer, Jan Mayen, Marokko (inkl. Westsahara), Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Israel, Jordanien, Libanon, Syrien, Irak, Türkei, Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Moldawien, Ukraine, Weissrussland, Russische Föderation westlich des Urals.

90 Franken für die tiefste Flugklasse (Economy) und 120 Franken für alle anderen Klassen (Business und First Class) gelten in allen anderen Ländern. 

Die Kanaren kosten mehr als europäische Destinationen

Nicht in den Kurzstreckenbereich fallen Flüge nach Grönland oder Island. Sie gelten als Mittelstreckenflüge. Auch die bei Feriengästen beliebten kanarischen Inseln gelten als Mittelstrecke. Hier kostet die Abgabe 60 Franken für die günstigste Klasse und 90 Franken für alle höheren Flugklassen. In diese Kategorie fallen auch Teile Russlands sowie beliebte Feriendestinationen, etwa die Türkei, Israel, Ägypten oder Marokko und Zypern.

Für alle Langstreckenflüge betragen die Kosten 90 Franken in der Economy-Klasse und 120 Franken in der Business oder First Class.

Allerdings können Fluggesellschaften die Abgabe noch senken: Sie wird um 20 Prozent gesenkt, wenn statt Kerosin auch biogene Treibstoffe (aus Abfällen) getankt wird und die Fluggesellschaften so mindestens 8 Prozent CO2 pro Jahr einsparen.

Die Bevölkerung kann sich einen Teil der Abgabe wieder zurückholen

Die Flugticketabgabe ist ein wichtiger Bestandteil des CO2-Gesetzes, das das Parlament im Herbst beschlossen hat. Es will den CO2-Ausstoss in der Schweiz bis 2050 auf netto null senken. Zum Gesetz gehören auch Vorschriften für die CO2-Reduktion in Gebäuden sowie ein Zuschläge auf Treibstoffe, etwa Benzin oder Heizöl.

Die Abgaben werden zu einem gewissen Teil wieder ans Volk zurückgegeben, und zwar über die Krankenkassenprämie. Wer gar nicht fliegt, kaum Auto fährt oder ohne Öl heizt, der erhält also Geld. Eine Durchschnittsfamilie zahle 2030 100 Franken mehr als heute, sagte Bundesrätin Simonetta Sommaruga kürzlich.

Aus dem Klimafonds sollen Bahnanbieter zudem bis zu 30 Millionen Franken pro Jahr erhalten, wenn sie internationale Reisen anbieten, etwa Nachtzüge.

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