Sommerfahrplan

Über 30 SBB-Grossbaustellen sorgen im Sommer für Zugsausfälle: «Dieser Fahrplan wird Kunden ärgern»

SBB brauchen neuen Sommerfahrplan wegen Bauarbeiten

Auf diversen Abschnitten des SBB-Schienennetzes wird in diesem Sommer kräftig gebaut. Linus Looser, Leiter Verkehrsmanagement SBB Personenverkehr, erklärt welche Auswirkungen die Bauarbeiten auf Bahnreisende haben werden.

Das SBB-Netz gleicht im Sommer einer grossen Baustelle. Darum fahren die SBB während der Sommerferienzeit nach einem speziellen Fahrplan. Reisende müssen auf gewissen Strecken mit Einschränkungen rechnen.

Im Sommer wird schweizweit auf über 30 SBB-Grossbaustellen gearbeitet. Dabei werden rund 55 Kilometer Fahrbahn erneuert. Rund 92'000 Schwellen und 130'000 Tonnen Schotter werden verbaut. Dies entspricht rund einem Viertel der jährlich verbauten Schottermenge.

Bei einem durchschnittlichen Ladegewicht eines Schotterwagens von 50 Tonnen ergäbe die Gesamtmenge einen Zug mit 2600 Schotterwagen oder rund 39 Kilometern Länge.

Über 2000 Mitarbeitende im Einsatz

Bei den Arbeiten stehen über 2000 Mitarbeitende der SBB und spezialisierten Firmen im Einsatz. Zwischen dem 30. Juni und dem 26. August 2018 kommt es zu Teil- und Streckensperrungen, wie das nationale Bahnunternehmen am Dienstag mitteilte.

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Reisende müssten während dieses Zeitraums auf gewissen Strecken zeitweise mit angepassten Abfahrtszeiten, verlängerten Reisezeiten, Gleisänderungen, Verbindungen mit Umsteigen und Zugausfällen rechnen. Das Angebot im Fern- und Regionalverkehr bleibe auch im Sommerfahrplan sichergestellt, versichern die SBB.

Strecke Lausanne-Bern unterbrochen

Die grösste Baustelle liegt in der Westschweiz. Der Abschnitt Lausanne-Puidoux auf der Strecke Lausanne-Bern ist vom 7. Juli bis 26. August komplett gesperrt. Die SBB erneuern die Fahrbahn und zwölf Weichen auf der Strecke, sanieren die Tunnel und bauen neue Gleisentwässerungen.

Auf der Strecke Basel-Olten erneuern die SBB zwischen Gelterkinden und Tecknau auf einer Länge von 4,3 Kilometern die Fahrbahn und bauen neue Gleisentwässerungen. Deswegen ist die Strecke vom 30. Juni bis 13. August nur einspurig befahrbar.

Auch westlich von St. Gallen ist vom 7. Juli bis 13. August nur eines von zwei Gleisen befahrbar. Die SBB erneuern dort ebenfalls die Fahrbahn auf einer Länge von 6 Kilometern und passen die Abstände zwischen den Signalen an.

Weniger Pendler betroffen

Die Bauarbeiten fänden während der Sommerferien statt, damit weniger Pendler von den Fahrplananpassungen betroffen seien, begründen die Bundesbahnen ihre Massnahme. Zudem könnten die SBB während einer kompletten Sperrung eines Streckenabschnitts die Gleisbaumaschinen konzentriert und ohne Unterbruch einsetzen.

Damit könnten die Arbeiten in kürzerer Zeit erledigt werden. Kunden und Anwohner seien weniger lang von Fahrplanänderungen und Lärm betroffen. Auch könnten die Arbeiten bis zu 30 Prozent günstiger realisiert werden.

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Kritik vom Bahnexperten: «Dieser Fahrplan wird Kunden ärgern»

Wenig Begeisterung lösen die Baupläne der SBB bei Bahnexperte Walter von Andrian aus. Der Chefredakteur der Fachzeitschrift «Schweizer Eisenbahn-Revue» sagt: «Die Unterhaltsarbeiten sind ein Effort auf Kosten des Kunden. Dass man ganze Hauptstrecken stillegt, wäre früher nie vorgekommen.» Man hätte schlimmstenfalls auf einer Doppelspur ein Gleis gesperrt.

Von Andrian glaubt, dass es für die Kunden besser wäre, wenn die Unterhaltsarbeiten in der Nacht durchgeführt würden, auch wenn das kostenintensiver wäre. «Dieser Sommerfahrplan wird etliche Kunden verärgern. Zum Beispiel jene Ostschweizer, die auf ihrer Reise in die Romandie sogar mehrfach umsteigen müssen.»

Dass die SBB einen grossen Nachholbedarf an Unterhaltsarbeiten hätten, habe aber nichts mit Missmanagement zu tun, sondern mit den bisherigen Rahmenbedingungen. Die vielen Gleisschäden zeigten, dass bislang zu wenig Geld in den Unterhalt investiert wurde. Seit der Bund mehr Geld spricht, werde vorwärts gemacht, sagt von Andrian. «Deshalb wird jetzt auf einen Schlag viel erledigt, was zwangsläufig zu Einschränkungen des Angebots führt.»

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