Nach monatelanger Trockenheit haben ausgiebige Niederschläge die Südschweiz seit gut 10 Tagen fest im Griff. In höheren Lagen hat es geschneit. Die Skipisten von Airolo und Bosco Gurin werden bereits präpariert. Die gewaltigen Regenmengen haben den Seepegel des Lago Maggiore in kürzester Zeit massiv ansteigen lassen.

Am Mittwochnachmittag wurde in Locarno gemäss Daten des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) ein Pegel von 195,34 Meter gemessen. Diese Marke liegt nur 16 Zentimeter unter der Gefahrenstufe 3, ab welcher der Zivilschutz erste Vorbereitungen gegen Hochwasser trifft.

Bis anhin ist der See einzig punktuell über die Ufer getreten, beispielsweise in Ascona im Bereich des Lido und Golfplatzes. Der Seeuferweg ist dort überschwemmt und gesperrt.

Auch in Locarno ist aus dem Parco della Pace ein grosser Teich geworden. Im südlichen Teil des Lago Maggiore, etwa in Pallanza oder Arona (Italien), trat der See ebenfalls über die Ufer.

Die Niederschläge hatten Ende Oktober begonnen und unglaubliche Wassermassen in den Langensee gespült. Vor allem die Maggia, aber auch der Tessin und der Fluss Toce im italienischen Teil führten grosse Mengen.

Diese Woche verzeichnete die Maggia in der Nacht auf Mittwoch einen Abfluss von rund 740 Kubikmetern pro Sekunde. Das schnelle Ansteigen des Seepegels erstaunte sogar Meteorologen. Denn innerhalb von vier Tagen schnellte der Pegel um zwei Meter in die Höhe. Das dürfte ein Rekord sein.

Zuvor fast ein Allzeittief

Zum Vergleich: Am 7. Oktober befand sich der Lago Maggiore auf einem Niveau von 192,30 Meter, was fast ein Allzeittief bedeutete. Wegen des niedrigen Wasserstandes hatten diverse Linienschiffe Mühe, an der Schifflände anzulegen.

Die nächsten Tage soll es weiter regnen, doch die Niederschläge werden nicht mehr so intensiv sein. Weniger ausgeprägt ist der Pegelanstieg im Übrigen beim Luganersee, der über die Tresa in den Lago Maggiore abfliesst.

Die anhaltenden Niederschläge haben auch im Strassenverkehr Spuren hinterlassen. So ist in Italien die wichtige Staatsstrasse SS34 am rechten Ufer des Langensees wegen eines Felssturzes wieder einmal zwischen Canobbio und Cannero gesperrt.

An der gleichen Stelle waren im März 2017 Felsmassen auf der Fahrbahn gelandet und hatten einen Tessiner Motorradfahrer tödlich erfasst. Dieses Mal kam niemand zu Schaden.

Bis Ende Woche wird die Strasse noch gesperrt bleiben. Die internationale Bahnverbindung zwischen Locarno und Domodossola via Centovalli und Vigezzo-Tal ist nach einem Unterbruch hingegen wieder offen.