Universität Bern

Uni Bern erhält mehr Autonomie

Der Regierungsrat will eine klare Trennung zwischen strategischer und operativer Führung der Uni

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Der Regierungsrat will eine klare Trennung zwischen strategischer und operativer Führung der Uni

Die strategische Führung der Universität Bern ist klar Sache des Regierungsrates, dafür erhält die Uni-Leitung mehr Autonomie und Handlungsspielraum bei der operativen Umsetzung des Leistungsauftrages. So will es die Teilrevision des Universitätsgesetzes.

Von Bruno Utz

«Wir wollen eine klare Entflechtung von strategischen und operativen Aufgaben. Die Hochschulen sollen Bereiche, die für ihren Betrieb zentral sind, selber wahrnehmen können», erklärte Erziehungsdirektor Bernhard Pulver (Grüne) die Stossrichtung der Gesetzesrevisionen, die der Regierungsrat gestern in die Vernehmlassung gegeben hat. Der Revisionsentwurf enthält auch vergleichbare Änderungen des Fachhochschulgesetzes und des Gesetzes über die deutschsprachige Pädagogische Hochschule.

Ähnlich wie bei den Spitälern erhalten die Hochschulen je einen Leistungsauftrag für vier Jahre. «Im Gegensatz zu heute werden die Direktionen jedoch stärker eingebunden», so Pulver. Um seine Führungsverantwortung auszubauen, beabsichtige der Regierungsrat jährlich Controlling-Gespräche mit den drei deutschsprachigen Hochschulen zu führen.

Leitung und Schulräte abberufen

«Die Wahl der Universitätsleitung und der Schulräte bleibt wie bisher Sache des Regierungsrates. «Neu kann er diese in begründeten Fällen aber jederzeit auch abberufen», betonte Pulver. Zur Stärkung seines Know-hows wählt der Regierungsrat einen «etwa 10- bis 15-köpfigen» Beirat für die Universität. Darin sollen Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft vertreten sein. Nach Pulvers Meinung gehören auch Ausserkantonale oder sogar Ausländer in den Beirat. «Einen Universitätsrat will der Regierungsrat jedoch explizit nicht. Sonst müssten wir die Wahl der Universitätsleitung an dieses Gremium delegieren.» Neben Unileitung und Senat eine zusätzliche Entscheidebene einzurichten, würde zudem die Abläufe komplizieren.

Professoren selber wählen

Die Universität solle jedoch im Personalbereich wesentlich mehr Autonomie erhalten. Bei der Auswahl von Professorinnen und Professoren stehe die Universität in einem harten Konkurrenzkampf. «Sie muss deshalb rasch reagieren können, wenn sie die gewünschten Kapazitäten verpflichten will.» Auch soll die Universität selber Lehrstühle schaffen oder anpassen können. Derzeit ist das Sache des Grossen Rates.

Mehr Freiheiten erhält die Universität auch durch die komplette Abkoppelung ihrer Rechnung von der Staatsrechnung. Pulver: «Die Uni kann selber entscheiden, wie sie die derzeit rund 260 Millionen Franken Kantonsbeitrag zur Erfüllung des Leistungsauftrages einsetzen will.» Das Beitragsprinzip habe sich bereits vielerorts bewährt, so auch bei der ETH Zürich.

Statut und Leitbild

Künftig könnten die Hochschulen zudem ihr Statut ohne Genehmigung durch den Regierungsrat erlassen. Neu werde der Senat auch alleine für das Leitbild der Universität und sämtliche Reglemente zuständig sein. Weiterhin vom Kanton genehmigen lassen müssten jedoch alle drei Hochschulen die Reglemente über das Studium und die Leistungskontrollen. «Damit schützen wir die Studierenden, gewährleisten Rechtssicherheit und stellen die Qualität des Bildungsangebotes sicher.»

In Kraft ab 2011

Laut Erziehungsdirektor Pulver dauert die Vernehmlassung drei Monate. Er rechne mit einer grossen Anzahl an Stellungnahmen. Wann die Gesetzesrevision in den Grossen Rat kommt, sei noch unsicher. Möglicherweise finde die erste Gesetzeslesung sogar erst nach den Wahlen 2010 statt. In Kraft treten sollen Neuerungen spätestens ab Anfang 2011.

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