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«Unsere Stimme verdient Respekt»

Kämpfen für ein Ja: Eva Krattiger (14), Jonas Hirschi (16), Geo Taglione (28), Nadine Masshardt (25), Nicola Jorio (20) und Diego Bigger (22, v.l.). (Bild: Bruno Utz)

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Kämpfen für ein Ja: Eva Krattiger (14), Jonas Hirschi (16), Geo Taglione (28), Nadine Masshardt (25), Nicola Jorio (20) und Diego Bigger (22, v.l.). (Bild: Bruno Utz)

«16- und 17-Jährige sind reif, um an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen.» Mit solchen Argumenten will das Pro-Komitee die Berner für ein Ja am 29. November überzeugen.

Bruno Utz

Schon beim Stimmrechtsalter 18 waren die Kantone Glarus und Bern schneller als der Bund, der erst 1991 folgte. Nun, Glarus beschloss das Stimmrechtsalter 16 im Mai 2007, am 29. November soll wiederum Bern folgen. «Sagen

die Berner Ja, würde der Kanton erneut eine Pionierrolle einnehmen. Es wäre jedoch vor allem ein Vertrauensbeweis gegenüber unseren Jugendlichen», sagte gestern Kampagneleiterin Nadine Masshardt. Nach Meinung der Langenthaler SP-Grossrätin ist «eine Mehrheit der heute 16- und 17-Jährigen absolut in der Lage, das aktive Stimmrecht kompetent und verantwortungsbewusst wahrzunehmen.» Wer mitentscheiden könne, lerne die demokratischen Spielregeln kennen, lerne Verantwortung für sich und die Gesellschaft zu tragen. «Schwimmen lernt man im Wasser - Politik an der Urne», so Masshardt.

Mehr politische Verantwortung für die Jugend sei richtig, weil die kommenden Generationen zunehmend auch mehr wirtschaftliche Verantwortung und Lasten zu tragen hätten. Masshardt: «Wagen wir mehr Demokratie. Damit gewinnen wir. Schaden tut Stimmrecht 16 niemandem.» Die Bürgerlichen bräuchten sich nicht zu fürchten, Junge würden vor allem links stimmen. Eine Untersuchung in Österreich nach der Einführung des Stimmrechts 16 auf nationaler Ebene zeige auf, dass junge Personen nicht anders wählen als ältere. Auch seien keine Unterschiede bei der Stimmbeteiligung festgestellt worden.

Sie interessiere sich für Politik, denn sie betreffe viele Lebensbereiche ihres Alltags, sagte die 14-jährige Eva Krattiger (Bern), Co-Präsidentin Bernische Schülerinnen- und Schülerorganisation (BSO). Sie kenne viele Gleichaltrige, die Zeitung lesen und Zuhause mit den Eltern über das politische Geschehen diskutierten. «Aber die Politik verliert an Reiz, wenn wir bei den entscheidenden Fragen nur Zuschauer sein dürfen». Der BSO untestütze das Stimmrecht ab 16. «Denn die Schülerinnen und Schüler von heute sind die politisch engagierten Menschen von morgen», so Krattiger. Er hoffe, die Stimmberechtigten schenkten den Jugendlichen Vertrauen und stellten für einmal nicht die wenigen unanständigen Jugendlichen ins Zentrum der Jugendpolitik-Diskussion, ergänzte der 16-jährige Jonas Hirschi, seit drei Jahren Mitglied des Jugendparlaments Köniz. Er sei kein Einzelfall, der sich interessiere und gerne engagiere, «um ein ganz klein wenig mitentscheiden zu können».

Jugendliche müssten dann in die politischen und demokratischen Prozesse miteinbezogen werden, wenn sie auch ein besonders starkes Interesse dafür hätten: «Das heisst bereits ab 16 Jahren», erklärte Geo Taglioni von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände. Mit der Feststellung, Jugendparlamente seien kein Ersatz für die Senkung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre, warb Nicola Jorio, Präsident Schweizer Jugendparlamente, für ein Ja.

Übrigens: Ein Nein-Komitee ist laut Masshardt nicht in Sicht: «Das ist schade, wir könnten sonst noch besser mit unseren Argumenten werben.»

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