Schweiz

Viele Restaurants verzichten im Sommer auf Ferien, Theaterhäuser bleiben zu

Jährlich schliessen im Sommer viele Restaurants. Weil viele Schweizer in diesem Jahr ihre Ferien jedoch im Land verbringen dürften, verzichten einige auf Betriebsferien. (Symbolbild)

Jährlich schliessen im Sommer viele Restaurants. Weil viele Schweizer in diesem Jahr ihre Ferien jedoch im Land verbringen dürften, verzichten einige auf Betriebsferien. (Symbolbild)

Kurz nachdem Gastrobetriebe und Kulturinstitutionen wieder öffnen durften, folgen die alljährlichen Betriebsferien über den Sommer. Nicht alle nehmen diese jedoch in Anspruch.

(sku) Wegen des Coronavirus waren Gastrobetriebe für eine lange Zeit gezwungen, ihr Lokal zu schliessen. Nachdem sie am 11. Mai ihre Türen wieder öffnen durften, folgt jetzt schon die nächste Herausforderung: Denn jetzt kommt der Sommer und damit die alljährlichen Betriebsferien. Nicht alle Wirte können ihre Pläne ändern und ihr Restaurant in den Sommermonaten dennoch öffnen. Einige nutzen jetzt aber die Chance, dass viele Schweizerinnen und Schweizer zu Hause bleiben und verzichten auf die Betriebsferien.

«Wir haben uns entschieden, in diesem Jahr im Sommer offen zu haben», sagt etwa Bruno Lustenberger, Betreiber des Restaurants Krone in Aarburg. «Viele unserer Mitarbeitenden hatten im März bedingt durch die Pandemie Ferien. Die Kurzarbeit haben wir erst später eingeführt.» Das würde dem Wirt nun erlauben, sein Restaurant während den Sommerferien geöffnet zu halten, ohne dass die Angestellten weniger Ferien hätten.

In Basel-Stadt bleiben viele Restaurants geschlossen

Als Präsident des Aargauer Gastroverbands kann Lustenberger zudem einen Überblick über die Situation im Kanton Aargau geben: «Vor allem Restaurants an stark frequentierten Standorten wie beispielsweise in der Nähe von Seen haben sich dazu entschlossen, auf die Betriebsferien zu verzichten, weil sie inländische Gäste erwarten.» Lustenberger wisse aber auch von anderen Wirten, die ihre Ferien wie geplant durchführen. Trotz Corona.

«Jeder Betrieb entscheidet selbst», sagt Lustenberger. «Aber in diesem Jahr werden bestimmt mehr Restaurants geöffnet haben als sonst.» Im Kanton Aargau erwartet Lustenberger, dass rund die Hälfte aller Restaurants auf Ferien verzichten wird. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in den Kantonen Luzern, St. Gallen oder Solothurn. Auch dort würden viele Wirte im Sommer versuchen, die Verluste durch den Lockdown wettzumachen, wie Anfragen bei den lokalen Gastroverbänden zeigen.

Im Kanton Basel-Stadt dürften viele Gäste vergeblich auf eine Möglichkeit hoffen, auswärts etwas Essen zu können. «In Basel stammen normalerweise 70 Prozent der Touristen aus dem Ausland», sagt Maurus Ebneter, Präsident des Wirteverbands Basel-Stadt. «Hinzu kommt, dass auch noch frequenzbringende Anlässe wie das Basel Tattoo fehlen.» Viele Restaurants in der Stadt dürften deshalb an ihren Ferien festhalten.

Theaterhäuser sind an Verträge gebunden

Sommerpausen sind auch in Kulturinstitutionen stark verankert. Anders als Gastrobetriebe können Theaterhäuser aber nicht so spontan reagieren und auf Ferien verzichten. Hauptsächlich, weil sechs Wochen Sommerferien vertraglich festgelegt sind. «Neben der Tatsache, dass viele Mitarbeitende auch während der Coronakrise gearbeitet haben und ihnen ein Urlaub zusteht, schreiben die Tarifverträge der jeweiligen Ensembles und Gewerke die Theaterferien vor», sagt Bettina Auge vom Zürcher Opernhaus.

Zudem fände sich im Sommer während der Ferienzeit kaum ein Publikum für Vorstellungen, sagt Barbara Higgs vom Zürcher Schauspielhaus. Dafür fänden in diesem Zeitraum viele Sommerfestivals statt. Ein weiterer Grund für das Festhalten an den alljährlichen Sommerferien ist, dass Gastspielhäuser abhängig von eingekauften Produktionen und damit an fixe Verträge gebunden sind. «Wir planen unsere Saisons jeweils zwei Jahre im Voraus», sagt Edith Scott, Mediensprecherin des Stadttheaters Olten. «Wir haben nicht die Möglichkeit, einfach so spontan auf unsere Sommerpause zu verzichten.»

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