Die vier geschlossenen Websites richteten sich zwar explizit an Schweizer Kunden, ihre Betreiber sassen aber im Ausland, wie die Leiterin Kontrolle illegale Arzneimittel bei Swissmedic, Ruth Mosimann, am Donnerstag sagte.

In dem einem Fall hätten die Betreiber sich als Schweizer Apotheker ausgegeben und rezeptpflichtige Medikamente zweifelhafter Qualität im Angebot gehabt. Die anderen hätten gefälschte Viagra- Pillen und -Nachahmer unter Fantasienamen in Umlauf gebracht.

Gesundheitsgefährdende Post

Mosimann warnte davor, sich im Internet mit Medikamenten einzudecken: «Ob rezeptpflichtig oder nicht - die meisten so besorgten Medikamente sind entweder Fälschungen, Nachahmungen und von schlechter Qualität. Deren Einnahme kann die Gesundheit gefährden», sagte sie.

Die gelte auch für legal importierte Medikamente. Legal können Kleinstmengen für den Eigenbedarf importiert werden. Der Gesetzgeber wollte es mit dieser Regel Touristen ermöglichen, ihre Medikamente in die Schweiz mitzunehmen. Dieses Schlupfloch nützten die Internethändler aus, sagte Mosimann.

Auch Kunden droht Verfahren

Um illegale Medikamente aus dem Verkehr zu ziehen, kontrollierten Swissmedic und Zollverwaltung in der Postzollstelle Zürich-Mülligen vom 5. bis zum 12. Oktober 1178 Briefpostsendungen mit Arzneimitteln. 165 Sendungen wurden beschlagnahmt und vernichtet, wie es in einer Mitteilung heisst. 

Die Kosten für diese Vernichtungsaktion und den administrativen Aufwand dafür tragen die Besteller. Pro Empfänger seien dies in der Regel 300 Franken, sagte Mosimann. Zudem prüfe der Zoll, ob er gegen einige ein Zollstrafverfahren - wegen Hinterziehung der Mehrwertsteuer - eingeleitet werde.

100'000 Arzneimittelsendungen pro Jahr

Swissmedic geht davon aus, dass Private jährlich mindestens 50'000 illegale Arzneimittelsendungen einführen. Dazu kommen weitere 50'000 gesetzlich zulässige.

Die Aktion war international koordiniert. In 44 weiteren Ländern gingen Arzneimittelbehörden und Zoll eine Woche lang gegen den illegalen Internethandel mit Arzneien vor.

Nach Angaben von Interpol wurden 76 Personen verhaftet. In der Schweiz gab es gemäss Mosimann keine Festnahmen. Insgesamt beschlagnahmten die Behörden über eine Million Tabletten, die in über 10'000 Paketen steckten und umgerechnet einen Handelswert von 2,5 Mio. Franken hatten. 290 Websites wurden geschlossen.

Die Aktion fand im Rahmen der internationalen «Operation Pangea III» statt, die seit drei Jahren läuft. Der illegale Handel mit Arzneimitteln habe inzwischen die globale Dimension des organisierten Verbrechens erreicht, schrieben Swissmedic und Oberzolldirektion.