Gemeinderatsschiessen
Von Boccia, Kartoffeln und Tierkadavern

Den Sorgenkratten leeren: Nach Spielen, die zum Lachen animieren, kommen nach dem Abendessen auch ernsthafte Probleme auf den Tisch. Die Gemeinderäte aus den sieben Obersuhrentaler Gemeinden treffen sich einmal im Jahr zum Gemeinderatsschiessen.

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GRSchiessen Attelwil

GRSchiessen Attelwil

Aargauer Zeitung

Peter Weingartner

Glücksspiele sind Trumpf am Freitagabend beim Schulhaus Attelwil: Boccia, Dart und Frisbee. Der Attelwiler Ammann Ernst Baumann sagt, man habe die sanftere Tour gewählt, weil die Frauen «göissen, wenns chlöpft». Ein Spruch, der leisen Protest hervorruft. Eine Gemeinderätin habe einmal beinahe auf eine Kuh geschossen, weiss Trudi Rössler, Attelwiler Finanzverwalterin.

Probewürfe erschnorren

Roger Lehner, der zukünftige Attelwiler Ammann, leitet das Bocciaspiel. Es gilt, fünf Kugeln in einem Sechseck mit sechs Sektoren zu platzieren. «Es ist geheim, wo es am meisten Punkte gibt», sagt Lehner. Glücksfaktor.

Da müssten nicht Politiker am Werk sein, wenn es ihnen nicht gelänge, Probewürfe zu erschnorren. Bei Cilly Humbel beim Frisbee-Zielwurf liegt sogar ein Probedurchgang mit fünf Würfen drin. Ist auch nötig, denn die fünf Frisbees unterschiedlicher Grösse, von der Schiedsrichterin selber angefertigt, lassen sich nur schwer steuern. Von «kritischen Windverhältnissen» ist die Rede. Man denkt positiv, nimmts als Spiel, doch Erich Hunziker aus Kirchleerau zöge den Schiessstand vor: «Da bin ich sicher, dass es keine Härdöpfu gibt.»

Reden statt Briefe schreiben

Kartoffeln gibt es auch nicht beim Nachtessen im Gemeindesaal: Das Menü aus dem Hause Squindo in Moosleerau (Salat, Rahmschnitzel, Dessert) mundet. Dann ist Gelegenheit für den Gedankenaustausch. Ernst Baumann stellt die Gretchenfrage: Wie habt ihrs mit dem Weiterbestehen der Tradition des Obersuhrentaler Gemeinderatsschiessens? Als Walburga Müller, Ammann aus Kirchleerau, dem nächsten Austragungsort, sich für die Fortsetzung ausspricht, macht Applaus eine Abstimmung überflüssig.

Die informelle Talschaftsratssitzung erspart Portokosten, denn in diesem Rahmen, gesättigt und unter sich, kann Klartext gesprochen werden. Hätte man von Anfang kommuniziert, dass etwas vergessen worden sei, hätte vielleicht auch die Zentrumsgemeinde ihren Anteil (gut 300 Franken) an die administrativen Kosten für zwei Arbeitsgruppen, die für die Umsetzung des Pflegegesetzes eingesetzt wurden, anstandslos bezahlt.

Doch habe man den Betrag nicht budgetiert, was nicht angehe. Immerhin: Die Schöftler Gemeinderäte stecken die Köpfe zusammen. Ein letztes Mal kommt es zu Sticheleien zwischen den Ammännern der Nachbarn Attelwil und Reitnau in Sachen Schule.

Ein anderes heisses Thema ist die Kadaversammelstelle in Schöftland. Sie überquillt offenbar. Der Wiliberger Ammann Stephan Müller bangt um die Abgabemöglichkeit in Schöftland. Hans Müller macht klar, dass ein neuer Finanzierungsschlüssel gefunden werden müsse. Nicht mehr über Personeneinheiten, sonst bezahlt Schöftland mit 3700 Einwohnern und bloss zwei Bauern neunmal mehr als eine Gemeinde mit 400 Einwohnern und 20 Bauern.

Die beiden Müller nehmen die Gelegenheit wahr, miteinander zu reden. Man müsse halt manchmal einen Punkt machen, sagt Hans Müller. Und dann zusammensitzen und eine Lösung suchen.

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