WhatsApp-Gespräch
Von der direkten Demokratie bis zum Bier: Was Expats an der Schweiz wirklich nicht mögen

Die Schweiz ist bei den Expats nicht mehr ganz so beliebt wie früher. Doch was bemängeln die Expats an der Schweiz? Von der direkten Demokratie über die Frauen bis hin zum Bier doch so einiges. Ein WhatsApp-Gespräch.

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In der Umfrage, in der ausländische Fachkräfte Zielländer klassifizieren, rutscht die Schweiz immer weiter ab: 2014 lag sie noch auf Platz 4, im Jahr darauf bereits auf Platz 14 und aktuell auf Platz 31. (Symbolbild)

In der Umfrage, in der ausländische Fachkräfte Zielländer klassifizieren, rutscht die Schweiz immer weiter ab: 2014 lag sie noch auf Platz 4, im Jahr darauf bereits auf Platz 14 und aktuell auf Platz 31. (Symbolbild)

KEYSTONE/KARL MATHIS

Für einmal belegt die Schweiz in einer internationalen Studie keinen Spitzenplatz. Im Gegenteil. In der Umfrage, in der ausländische Fachkräfte Zielländer klassifizieren, rutscht die Schweiz immer weiter ab: 2014 lag sie noch auf Platz 4 (von insgesamt 61 Ländern), im Jahr darauf bereits auf Platz 14 und aktuell auf Platz 31 von insgesamt 67 Ländern.

Nun bin ich mit einigen Expats befreundet – ein paar davon zähle ich zu meinen besten Freunden. Um der Ursache der unbeliebten Schweiz auf den Grund zu gehen, habe ich einen WhatsApp-Chat eröffnet und sie dazu eingeladen, Klartext zu reden – anonym, dafür im Namen ihrer Herkunftsländer. Das Gespräch wurde in Englisch gehalten, eine deutsche Zusammenfassung der doch sehr erstaunlichen Mängelliste gibt es am Ende des Dialogs.

Hier nun aber das ungefilterte Gespräch, das eigentlich nur eines zeigt. In unserem Land gibt es ausschliesslich First World Problems:

Und hier die gesamte Mängelliste auf Deutsch. Viel Spass!

  1. Österreich: Unsere direkte Demokratie
  2. Österreich: Das Kirchengeläut
  3. Österreich: Die fehlende Hilfsbereitschaft
  4. Italien: Unsere Zurückhaltung
  5. Italien: Unsere Diskretion
  6. Italien: Unsere Versuche Carbonara zu kochen
  7. England: Unser mangelnder Wille, Gesetze zu brechen / unser Spiessbürgertum
  8. Italien: Dass wir aufs Tram rennen
  9. Italien: Unsere Esskultur
  10. England: Unsere fehlende Trinkfreudigkeit
  11. England: Unsere Weinerlichkeit in puncto Winde / Durchzug
  12. England: Unser fehlendes Verständnis für Warteschlangen
  13. Italien: Unsere ausgeprägte Arbeitsmoral
  14. Österreich: Unsere fehlende Glace-Kultur
  15. Holland: Unsere Verschlossenheit
  16. England: Die Humorlosigkeit der meisten Schweizer (und Deutschen und Österreicher)
  17. England: Unsere Abneigung gegenüber Kindern
  18. England: Unser fehlendes Kostenbewusstsein
  19. Mexiko: Unsere passiv-aggressive Art Post-its zu schreiben bei Problemen, statt das direkte Gespräch zu suchen
  20. Holland: Dass Schweizer Frauen fremdländische Männer wie tollwütige Hunde behandeln
  21. Holland: Unsere Frisuren
  22. Österreich: Unser Wein
  23. Holland: Unser Bier
  24. Holland: Unsere Kälte
  25. Holland: Dass wir so viel rauchen.
  26. Holland: Dass wir Velofahrer nicht respektieren im Strassenverkehr
1) Berner Altstadt, BE Lange ist es her, dass betrunkene französische Soldaten in der verwinkelten Berner Altstadt den Heimweg suchten. Die farbigen Strassenschilder aus Napoleons Besatzungszeit findet man aber heute noch, wenn man durch die kilometerlangen Laubengänge bummelt. Nach dem Flanieren laden gemütliche Cafés in den Kellergewölben zum Verweilen ein. Was nur wenig Leute wissen: hinter dem eisernen Tor am Klösterlistutz befindet sich eine Tropfsteinhöhle. Sie kann morgen, 12. Juni, besichtigt werden.
11 Bilder
2) Schweizer Tektonikarena Sardona, GL Als Schweizer sollte man wissen, wie die Alpen entstanden sind. Die Spuren dieser gewaltigen Kräfte sind im Kanton Glarus gut sichtbar. Der Zusammenstoss von Afrika mit Europa hat die Alpen über Jahrmillionen aufgetürmt. Gesteinsschichten wurden übereinander geschoben, gefaltet und zerbrochen. Ein Besuch lohnt sich nicht nur für ältere Geologen. Mit dem Forscherrucksack können Kinder ab 8 Jahren die Region entdecken. Und das Martinsloch muss man sehen. Im Frühjahr und Herbst scheint die Sonne morgens durch das Loch auf den Ort Elm hinunter.
3) Pfahlbauten am Hallwilersee, AG Auf Pfahlbauten stiess man oft im oder am Wasser. Die Reste sind sehr gut erhalten und für Wissenschafter äusserst interessant. Sie lassen Einblicke in die Zeit um 5000 bis 500 v. Chr. zu. In der Schweiz gibt es insgesamt 56 Fundstellen. In Beinwil-Ägelmoos und Seengen-Risi hat man zwei prähistorische Pfahlbauten gefunden. In Seengen wurde ein Pfahlbauerhaus aus der Jungsteinzeit nachgebaut. Es liegt in der Nähe des Schiffstegs «Seengen» am Hallwilersee. Auch im Museum Burghalde in Lenzburg können Besucher in längst vergangene Zeiten zurückblicken.
4) Rhätische Bahn Albula/Bernina, GR Durch Kehrtunnels und über Viadukte schlängeln sich die roten Züge durch die wilde Natur. Es dauerte einst eine Ewigkeit, bis der Zug der Rhätischen Bahn endlich am Wintersportort hielt. Die Vorfreude auf die Skiferien liess vergessen, dass die 62 Kilometer lange Albulalinie eine Meisterleistung in Sachen Bahntechnik ist. Immer am Sonntag fahren die nostalgischen Holz- und die offenen Aussichtswagen wieder von Landquart nach Samedan. Zwischenstopp im Bahnmuseum Albula ist für Eisenbahnfans ein Muss.
5) Lavaux, Weinberg-Terrassen, VD Es heisst, im Lavaux gebe es drei Sonnen: die am Himmel, diejenige, die sich im Genfersee spiegelt, und diejenige, welche die Steinmauern während des Tages wärmt und nachts daraus abstrahlt. Alle drei Sonnen lassen die Weintrauben reifen. Schon im 11. Jahrhundert wurden im Lavaux Reben angebaut. Entlang der Rebwanderwege (im Bild: Epesses) kann man Wein degustieren, kaufen und viel über seine Herstellung lernen. Für Spontane: Morgen kann man hinter die Fassaden der Häuser in Saint-Saphorin blicken.
6) Stiftsbezirk St. Gallen Die meisten von uns haben zu Schulzeiten die Stiftsbibliothek in St. Gallen besucht. Aber das ist bei den meisten schon länger her. Gibt es hierzulande einen schöneren Rokokosaal als diesen? In der sogenannten «Seelenapotheke» lagert ein Schatz von 170 000 Büchern und 2000 Originalhandschriften aus dem Mittelalter. Und über 400 Bände sind mehr als 1 000 Jahre alt. Neidlos muss man zugeben, St. Gallen verfügt mit seiner Kathedrale über ein prachtvolles Wahrzeichen. Hopp, nach Sangallä!
7) Monte San Giorgio, TI Der Monte San Giorgio ist der beste Zeuge des Meereslebens der Trias-Zeit. Die einzigartigen und perfekt erhaltenen Fossilien erzählen die Geschichte von Meeresreptilien, Fischen, Wirbellosen und Pflanzen, die vor über 240 Millionen Jahren lebten. Das kleinste Fossil, das von den Paläontologen präpariert wurde, ist die Spore einer Pflanze mit einem Durchmesser von 0,03 mm. Ein Besuch lohnt sich vor allem auch, weil das Museum von unserem Tessiner Stararchitekten Mario Botta umgebaut wurde.
8) Kloster St. Johann in Müstair, GR Die Klosteranlage wurde im 8. Jahrhundert von Karl dem Grossen gegründet. Sie vereint Baustile und Kunstschätze aus über 12 Jahrhunderten. Das Kloster wird seit 1241 Jahren von Benediktinerinnen bewohnt. Die benediktinische Tradition wird mit «ora et labora» (Bete und arbeite) umschrieben. In Mustair hat man die Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und bei den Nonnen zu schlafen. Im Gästehaus oder noch abgelegener im Maiensäss mit Blick auf das benachbarte Vinschgau im Südtirol.
9) Schweizer Alpen – Jungfrau-Aletsch, BE/VS Jahr für Jahr zieht es unzählige Asiaten in die Region Jungfrau-Aletsch mit den imposanten Bergketten und dem grössten zusammenhängend vergletscherten Gebiet der Alpen. Zum Vergleich: Würde man den Grossen Aletschgletscher abschmelzen, hätte jeder Mensch auf der Erde fünf Jahre lang jeden Tag einen Liter Wasser. Im September wird in Naters VS das Besucherzentrum «World Nature Forum» eröffnet – eine interaktive Ausstellung über die vielseitige und spannende Welt der Alpen.
10) Die Burgen von Bellinzona, TI Gestern Talsperre zu den Alpen, heute Welterbe: Die drei imposanten Burgen von Bellinzona gehören zu den bedeutendsten Zeugen der mittelalterlichen Befestigungsbaukunst. Die drei Burgen – Castelgrande, Montebello und Sasso Corbaro – haben noch heute einen Schlossherr. Luciano Rossi ist seit 1987 Hausmeister und lebt mit seiner Familie im Castelgrande. Vom obersten Schloss (Sasso Corbaro) hat man ein bombastisches Rundumpanorama und ein gutes Restaurant zum Stärken. Buon appetito!
11) La Chaux-de-Fonds / Le Locle, NE Le Locle und La Chaux-de-Fonds sind Zeugen einer ganzen Industrieepoche. In beiden Städten verschmilzt Urbanes mit Uhrenindustrie. 1990 wurden über die Hälfte der weltweit produzierten Uhren in den beiden Neuenburger Städten hergestellt. Der Aufbau der Stadt zeigt, dass die Uhrmacherei seit je in die Entwicklung der Stadtlandschaft eingebunden wurde. In La Chaux-de-Fonds befindet sich zudem das grösste Uhrenmuseum der Welt: 4000 Exponate sind dort ausgestellt.

1) Berner Altstadt, BE Lange ist es her, dass betrunkene französische Soldaten in der verwinkelten Berner Altstadt den Heimweg suchten. Die farbigen Strassenschilder aus Napoleons Besatzungszeit findet man aber heute noch, wenn man durch die kilometerlangen Laubengänge bummelt. Nach dem Flanieren laden gemütliche Cafés in den Kellergewölben zum Verweilen ein. Was nur wenig Leute wissen: hinter dem eisernen Tor am Klösterlistutz befindet sich eine Tropfsteinhöhle. Sie kann morgen, 12. Juni, besichtigt werden.

Keystone

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