Kommentar

«Wald-Vielfalt»: Wenn der Bund zum Märchenerzähler wird

Auf den Spuren der Gebrüder Grimm: Der Bund und seine Kampagne «Wald-Vielfalt».

Auf den Spuren der Gebrüder Grimm: Der Bund und seine Kampagne «Wald-Vielfalt».

«Immer tiefer geht es in den Wald hinein. Plötzlich wird es hell, eine Lichtung liegt vor uns.» Das schrieben nicht etwa die Gebrüder Grimm oder Hans Christian Andersen, nein: Die Sätze stammen aus der Feder des Bundesamtes für Umwelt (Bafu). Es führt dieses Jahr mit Partnern die Kampagne «Wald-Vielfalt» durch, um auf die Bedeutung und Vielfalt der Wälder aufmerksam zu machen.

Das klingt dann zum Beispiel so: «Klopf, Klopf, Klopf. Was ist das für ein Tier? Unser Blick schweift umher.» Es ist, der geneigte Leser wird es erraten haben, ein Specht. «Wir gehen weiter – und entdecken einen Fliegenpilz.

Direkt unterhalb einer Birke mit der bekannten weissen Baumrinde wächst er prächtig», heisst es weiter. Dass der Fliegenpilz giftig ist, ist bekannt – das Bafu berichtet zusätzlich vom «faszinierenden Zusammenspiel zwischen Pilzen und Bäumen»: Unterirdisch, so erfährt man, leben Fliegenpilz und Birke in einer «engen Partnerschaft». Der Pilz liefert Mineralien und erhält im Gegenzug Nährstoffe.

Durchaus lehrreich also, das Ganze, ein wenig staatliche Biologie-Nachhilfe. Warum das Bafu dabei versucht, auf den Spuren der Gebrüder Grimm zu wandeln, bleibt indes ein Rätsel. Und dass das Bafu erklärt, der Wald sei «der beste Ort ist für erholsame Ausflüge», müsste auch nicht sein – für solche Tipps brauchen wir kein Bundesamt. Aber: Solange uns der Bund nur hier Märchen auftischt, ist alles in Ordnung.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1