Pandemie
Warum es in der Schweiz an Impfstoff mangelt

Die Schweiz zögerte bei der Bestellung von Impfdosen. Das sorgt für Kritik: Die Impfstoffknappheit sei primär selbstverschuldet.

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Mehrere Länder klagen über Lieferengpässe.

Mehrere Länder klagen über Lieferengpässe.

Marijan Murat / dpa

Der Kanton Luzern hat bereits mit der Impfung begonnen. In vielen weiteren Kantonen, wie beispielsweise im bevölkerungsreichen Zürich, wird die Bevölkerung ab morgen Montag geimpft. Doch die bestellten Impfdosen von Pfizer/Biontech reichen bei weitem nicht aus, um die gesamte Schweizer Bevölkerung zu impfen.

Im Kanton Zürich erwartet man bis Ende Januar 36'000 Impfdosen. Weil jede Person zweimal geimpft werden muss, reichen diese für 18'000 Menschen. Schätzungen zufolge leben in Zürich aber über 230'000 Personen, die besonders gefährdet sind. Der Impfstoff ist aber nicht nur in Zürich ein rares Gut: In Solothurn können vorerst nur 50 Personen pro Tag geimpft werden, in Graubünden werden im Januar bloss 4500 Personen von der Impfung profitieren.

Zwar ist die Schweiz nicht das einzige Land, das über Lieferengpässe klagt. Doch die Impfstoffknappheit sei primär selbstverschuldet, sagen Kritiker. «Die Schweiz hätte ein gewisses Risiko eingehen müssen, indem sie bei jedem Hersteller eine ausreichende Menge für die Gesamtbevölkerung bestellt», so Andreas Faller gegenüber der «Sonntagszeitung». Faller ist Anwalt und war bis 2012 Vizedirektor des Bundesamts für Gesundheit (BAG). Er sagt:

Menschen sterben, die Wirtschaft nimmt Schaden, jede Minute ist kostbar. Es ist unverständlich, warum das BAG beim Einkauf der Vakzine so zögerlich vorging.

Obwohl der US-Pharmariese Pfizer bereits im Sommer bekannt gab, dass der Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung eine Rolle bei der Auslieferung des Vakzins spiele, zögerte die Schweiz mit der Unterschrift. Der Vertrag über eine Lieferung von drei Millionen Impfdosen mit Pfizer wurde von der Schweiz erst Anfang Dezember unterzeichnet. Damit steht die Schweiz in der Lieferkette noch hinter der EU, die bereits im November unterzeichnete.

Einzige Hoffnung bleiben die Zulassungen der weiteren Impfstoffe von Moderna und Astra-Zeneca. Der Impfstoff des US-Pharmakonzerns Moderna wird unter anderem von der Basler Pharmafirma Lonza in Visp (VS) hergestellt. Kurz vor dem Jahreswechsel erteilte Swissmedic dem Lonza-Werk die Erlaubnis, mit der Produktion des Vakzins zu beginnen. Wie der Sonntagsblick berichtet, will Lonza bereits in den nächsten Tagen mit der Produktion beginnen. «Bis Ende 2021 sollen in Visp 300 Millionen Dosen produziert werden», so Renzo Cicillini, Direktor des Lonza-Werks. Mit 200 Mitarbeitenden will man in Visp 800'000 Impfdosen pro Tag herstellen.

Doch die Mehrheit der Dosen wird direkt ins Ausland verschickt. Die Schweiz hat sich lediglich 7,5 Millionen Dosen gesichert, mit denen 3,75 Millionen Schweizerinnen und Schweizer geimpft werden können. Bei Astra-Zeneca hat die Schweiz 5,3 Millionen Dosen bestellt. Wann letzterer Impfstoff jedoch zugelassen wird, ist noch unklar. (ohe)