Roger de Weck
Warum guckt Roger de Weck, wie er guckt?

Der Mann, der das Intrigantenstadl Leutschenbach retten soll, heisst Roger de Weck. Am profilierten Autor gibt es nur etwas, das verwirrt: Sein rechtes Auge. Es schweift vom Blick ab und geht spazieren - also ob es noch etwas anderes gäbe ausserhalb des Journalismus.

Drucken
Teilen
Roger de Weck ist neuer SRG-Generaldirektor (Archiv)

Roger de Weck ist neuer SRG-Generaldirektor (Archiv)

Keystone

Claudia Landolt

Die Kommentare zu De Wecks neuer Position könnten positiver nicht sein. Ein Deus Ex-Machina im Leutschenbach? Das freut praktisch jeden.

Was sich aber niemand zu fragen getraut: Was ist bloss mit seinem Auge los?

De Weck leidet an angeborenem Strabismus (Schielen). Als Kind wurde er drei Mal an den Augen operiert, um die Fehlstellung zu kontrollieren. Über vier Jahrzehnte lebt der Journalist und bekennende Europa-Befürworter nun mit der Gewissheit, nie so sehen zu können, wie andere ihn ansehen. Aber er hat sich daran gewöhnt. «Ich sehe nur mit dem linken Auge richtig scharf», sagte er einst. «Es heisst, man sähe dann nicht räumlich. Aber ich habe damit keine Probleme. Ein grosser Ping-Pong-Spieler bin ich aber nicht», sagte er einst in einem Interview mit einer Motorradzeitschrift.

Schweiss und Öl - Bilder und Bildung

Motorrad? Ja. Roger de Weck ist bekennender Moto Guzzi-Fan. Sein Vater hat eine besessen, er selbst hat in seiner Garage eine BMW R27, Baujahr 1957. Damit rattert er im Sommer durch das Engadin. Und ja, auch er hat schon mal eine BMW mehrere Kilometer durch den Wald gestossen. Und er hat ein Kühlrippen-Branding.

Beschleunigung, Kurven, Gerüche: Das ist die eine Seite des Roger de Wecks.

Die andere, das der Bücher, Bilder und Bildung, kennen wir aus seinen öffentlichen Auftritten. Der 56-jährige Bankierssohn kleidet sich gern elegant und hat sein Hemd mit Initialen bestickt, auch wenn es ihm manchmal im Eifer aus der Hose rutscht. Deutsch lernte der Schweizer erst mit zehn Jahren, geboren ist er in Fribourg, und er spricht es sanft, mit fein gesetzten Pausen, als leite er eine psychotherapeutische Sitzung. Besonders gern verwendet er den Konjunktiv in seiner reinen Form, im digitalen Zeitalter ein Anachronismus, anmutend wie ein Ausflug ins Retro-Zeitalter, als die Sprache Thomas Manns noch das Mass aller Dinge war.

De Weck steht zu seinem Makel

Zu seiner Fehlstellung des Auges steht er. In der «Wochenzeitung» sagte er einmal, dass sein Schielen so krass sei, dass er von jedem Wirt beim zweiten Besuch wieder erkannt werde.» Dabei ist er einer der wenigen Super-Promis dieses Landes, die sich auch ungehindert fotografieren lassen. Viele andere haben keine so eindeutige Haltung zu ihren Makeln.

Michael Ringier etwa. Dass sein linkes Auge dann und wann nicht so tut, wie es soll, hält der Verleger streng geheim - und lässt sich denn auch nie von seiner schwachen Seite fotografieren. Ebenso Unternehmer Bruno Stanek, der sich zu Zeiten seines Malheurs in Interviews stets auf die richtige Seite setzte. Selbst Erich Gysling wollte seine Verletzung an der Schläfe niemals publik machen, und wies die Kameraleute auf die richtige Einstellung hin.

Schielen ist übrigens häufiger, als man denkt. Rund 4 Prozent aller Menschen leiden unter dieser sichtbaren Behinderung.

Aktuelle Nachrichten