Schweiz

Wegen Corona werden Prämien laut Bundesrat Berset «eher steigen»

Bundesrat Alain Berset (r.) und BAG-Direktor Pascal Strupler (l.) informierten die Medien am Dienstag über die Krankenkassenprämien 2021.

Bundesrat Alain Berset (r.) und BAG-Direktor Pascal Strupler (l.) informierten die Medien am Dienstag über die Krankenkassenprämien 2021.

Die Krankenkassenprämien steigen 2021 nur moderat. Schwieriger abzuschätzen ist dagegen laut Gesundheitsminister Alain Berset, welchen Einfluss die Coronapandemie auf künftige Prämien haben wird.

(dpo) Die mittlere Prämie der obligatorischen Krankenpflegeversicherung steigt im nächsten Jahr um 0,5 Prozent. Das hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag bekanntgegeben. «Zum dritten Jahr in Folge handelt es sich um einen sehr moderaten Anstieg», sagte Gesundheitsminister Alain Berset im Anschluss vor den Medien in Bern.

Am stärksten sinkt die Prämienlast 2021 im Kanton Appenzell Innerrhoden (-1,6 Prozent). Am meisten draufzahlen müssen im nächsten Jahr die Tessinerinnen und Tessiner – ihre Prämien wird im Durchschnitt um 2,1 Prozent ansteigen. Die Variation der Prämien zwischen den Kantonen sei dieses Jahr jedoch kleiner, sagte BAG-Direktor Pascal Strupler vor den Medien. Dabei seien die Unterschiede auf verschiedene Faktoren zurückzuführen wie etwa die Altersstruktur und die Dichte des Versorgungsangebots in den Kantonen.

Gemäss den Berechnungen des BAG, werden die Prämien für Erwachsene und junge Erwachsene im nächsten Jahr um 0,4 Prozent leicht anstiegen: Die mittlere Prämie beträgt für sie 375,40 Franken respektive 265,60 Franken. Die Prämie für Kinder sinkt dagegen leicht um 0,1 Prozent und beträgt 99,70 Franken.

Comparis und Konsumentenschutz warnen vor steigenden Prämienbelastung

Die Auswirkungen der Coronapandemie auf die Kosten im laufenden Jahr lassen sich gemäss dem BAG hingegen noch nicht ermitteln. Diesbezüglich bestünden noch «viele Unsicherheiten». Gesundheitsminister Alain Berset sagte vor den Medien ebenfalls, dass es derzeit schwierig abzuschätzen sei, wie sich die künftigen Prämien wegen dem Virus entwickeln werden. «Wir gehen aber davon aus, dass die Prämien wegen Corona eher steigen werden», so der Gesundheitsminister.

Der Online-Vergleichsdienst Comparis warnt wiederum am Dienstag, dass die Prämienbelastung wegen der Coronakrise für viele Versicherte steigen könnte. «Für viele Leute, die wegen der Coronakrise weniger Geld im Portemonnaie haben, steigt die Prämienbelastung massiv», zitiert Comparis ihren Krankenkassenexperten Felix Schneuwly in einer Mitteilung.

Die Stiftung für Konsumentenschutz SKS zeigt sich ebenfalls besorgt. Sie schreibt in einem Communiqué, dass die «enorme Belastung» der Konsumenten und Familien trotz des moderaten Prämienanstiegs weiter steige. Die Stiftung fordert, dass das Parlament, der Bundesrat und das BAG «die längst fälligen Kostendämpfungsmassnahmen» beschliessen.

Die Prämienlast senken möchte am Dienstag auch die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH, wie sie in einer Stellungnahme schreibt. Dazu müsse beispielsweise die «kostengünstigere ambulante Versorgung» gefördert werden. Zudem solle der Bundesrat die vom Versichererverband Curafutura und FMH eingereichte neue Tarifstruktur Tardoc für ambulante ärztliche Leistungen genehmigen.

Krankenkassen sollen «zu hohe» Reserven abbauen

Bereits im Vorfeld der Medienkonferenz am Dienstag wurde spekuliert, wie hoch die Reserven der Krankenkassen ausfallen würden. Nun steht fest: Sie überschreiten erstmals die 11-Milliarden-Franken-Grenze. Aus Sicht des Bundesrates sind die Reserven der Versicherer damit «zu hoch», wie Alain Berset am Dienstag sagte.

Deshalb hat der Bundesrat bereits vergangene Woche neue Anreize vorgeschlagen, damit die Krankenkassen ihre zu hohen Reserven zugunsten der Versicherten freiwillig abbauen. Der Vorschlag des Bundesrates befindet sich derzeit in der Vernehmlassung.

Das BAG habe zudem bereits in dieser Prämienrunde einen Ausgleich wegen zu hohen Prämieneinnahmen von 183 Millionen Franken und einen freiwilligen Reserveabbau der Krankenkassen von 28 Millionen Franken genehmigt. Das entspricht einer Gesamtsumme von 211 Millionen Franken, die an die Versicherten zurückfliessen soll, teilt das Bundesamt für Gesundheit mit.

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