Vimentis und Foraus

Wenn die Jungen in den politischen Debatten plötzlich mitmischen

Politik soll für alle verständlich sein. (Symbolbild)

Politik soll für alle verständlich sein. (Symbolbild)

Am Wochenende hat Vimentis mit einem überraschenden Resultat einer Online-Umfrage für Schlagzeilen gesorgt. Plattformen wie Vimentis und Foraus wollen mit ihren Beiträgen die Politik verständlicher machen.

Mit ihrer Online-Umfrage hat die Plattform Vimentis am Wochenende für Schlagzeilen gesorgt: Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung sei bereit, die Bilateralen zugunsten der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative aufs Spiel zu setzen, lautete das überraschende Ergebnis – medialer Zündstoff, hiess es bis anhin doch immer, das Gegenteil sei der Fall. In einer Umfrage des Forschungsinstituts GFS Bern Anfang Februar hatten sich 58 Prozent für die Bilateralen und gegen Zuwanderungsbeschränkungen ausgesprochen. Demnach hätten bloss 35 Prozent eine strikte Umsetzung bevorzugt.

Spätestens seit dem Wochenende fragt sich deshalb: Wer und was steckt hinter Vimentis? Die Antwort: in erster Linie Freiwilligenarbeit. Der Verein wird von rund 60 Studenten ehrenamtlich geführt, mehrheitlich solchen der Universität St. Gallen (HSG). Verschiedene Teams kümmern sich um ihre drei Informationsquellen: Umfragen, politische Information und Wahlhilfe. Auch ein politischer Blog wird betrieben. Finanziert wird ihre Arbeit über Sponsoring von Firmen und Gönnerbeiträge.

«Wir haben uns aber bezüglich der Sponsorengelder völlige Unabhängigkeit aushandeln können», sagt Fabian Akeret, Leiter des Umfrageteams. Der Verein wurde vor über zehn Jahren mit dem Ziel gegründet, die Bevölkerung auf einfache und verständliche Art über Politik zu informieren. «Unsere Umfragen sollen zeigen, welche Interessen das Volk hat und welche Themen es beschäftigt», sagt Akeret. Wegen der über 20'000 Teilnehmenden redet Vimentis auch von «repräsentativen» Umfragen, welche Tendenzen aufzeigen würden.

Gute Vermarktungstaktik

Von Jahr zu Jahr gewinnt Vimentis an Aufmerksamkeit. Das ist auch der Politologenszene nicht entgangen. Michael Hermann von der Forschungsstelle Sotomo attestiert Vimentis eine «gute Vermarktungstaktik». Mit nur einer Umfrage habe es die Plattform geschafft, gleich mehrere Aspekte medial aufzugleisen.

Der Politgeograf gibt sich aber skeptisch, was die Umfragen betrifft: «Es gilt die Politologen-Weisheit: Hohe Teilnehmerzahlen sagen noch nicht viel über die Qualität der Umfrage aus.» Dennoch hält Hermann fest, dass es «herausragend» sei, dass Vimentis mit der Struktur der Freiwilligenarbeit sein Ziel so nachhaltig verfolgen könne. «Es ist begrüssenswert, dass sich die Jungen in politischen Fragen engagieren.» Auch beim GFS Bern heisst es, dass man die Arbeit von Vimentis mit Interesse beobachte. Mit der Online-Umfrage wende man aber ein neues Verfahren an, das noch nicht erprobt sei. Support erhält Vimentis von der Politik.

Medial immer wieder präsent ist der Think-Tank Foraus – Forum Aussenpolitik. Beinahe zu jedem politischen Thema publiziert er kreative Ideen und Lösungsvorschläge und bringt sich ein. Selbsternanntes Ziel des Think-Tanks ist es, «eine Brücke zwischen Wissenschaft und Politik» zu bilden. Auch Foraus zählt auf den ehrenamtlichen Einsatz von schweizweit 80 Akademikern und jungen Berufstätigen. Gegründet wurde der Think-Tank 2009 in Bern.

«Mit inhaltlichen Akzenten hat Foraus etwas Neues geschaffen», sagt Hermann. Auch von anderen Experten aus Hochschulkreisen wird die Bewegung geschätzt. Kürzlich ist der Think-Tank Foraus zum Ritterschlag gekommen: Der ehemalige IKRK-Präsident Jakob Kellenberger hat sich über das «Forum Aussenpolitik» in seinem im vergangenen Oktober erschienenen Buch «Wo liegt die Schweiz? – Gedanken zum Verhältnis CH–EU» positiv geäussert.

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