Ski-WM
Wie man sich in St. Moritz vom Tellerwäscher zum VIP-Chauffeur mausern kann

Morgen beginnt die Ski-WM in St. Moritz. Mit dabei ist auch der Aargauer Roman Würsch – nicht auf der Piste, dafür in der Küche und als Fahrer. Der Erfahrungsbericht eines Voluntari.

Roman Würsch
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Roman und Mirjam Würsch sind als freiwillige Helfer an der Ski-WM in St. Moritz. Hier im Zielraum auf Salastrains.

Roman und Mirjam Würsch sind als freiwillige Helfer an der Ski-WM in St. Moritz. Hier im Zielraum auf Salastrains.

Roman Würsch

Voluntari ist übrigens der männliche und Voluntaria der weibliche Singular für das, was wir hier in St. Moritz sind und tun. Der Plural wird jeweils mit einem angehängten «s» gebildet. Das gehört zwar nicht zum Grundwissen für Voluntaris, aber der kurzweilige Einführungskurs ins Puter, das Oberengadiner Romanisch-Idiom, ist Teil des optionalen Rahmenprogramms für die freiwilligen Helfer.

Die Aargauer sind hier allerorten. Der Transport-Disponent Sahin kommt aus Laufenburg und schon beim Kick-off in Pontresina haben wir Rolf aus Wettingen kennen gelernt. Beim Mittagessen sitzt mir Koni aus Birmenstorf gegenüber und die Chefin der Verpflegung im Haus Martinelli ist Silvia aus Gränichen. Es hilft, ein gutes Namensgedächtnis zu haben, oder mit der Mnemotechnik zu arbeiten – Sie wissen schon, den Namen im Gesicht ablegen oder eine Geschichte dazu erfinden.

Etliche Voluntaris kennen sich von früheren Engagements – bis zurück zur WM 2003 in St. Moritz. Böse Zungen würden vielleicht spötteln, dass es sich beim Volunteering um ein Senioren-Beschäftigungsprogramm handle. So weit würde ich nicht gehen, aber es ist in der Tat viel Erfahrung und viel verfügbare Zeit versammelt.

Tellerwäscherkarriere

Meine Frau und ich wurden als Fahrer eingeteilt. Zum Angewöhnen an den WM-Rhythmus durften wir jedoch zuerst drei Tage in der Verpflegung arbeiten. Der erste Tag als Casserolier in einer Grossküche, die täglich zwischen 700 und 1500 Menüs vorproduziert und produziert, war nicht ganz ohne Schweiss. Sandwiches schmieren und belegen am nächsten Tag war dagegen ein Schoggi-Job.

Nach einem halbtägigen Einführungskurs in die Tätigkeit des Fahrens oder vielmehr Gästechauffierens werden wir nun auf die Piste geschickt. Am Freitag war der Begriff «Piste» wörtlich zu nehmen. Es hatte in der Nacht Neuschnee gegeben und bei Arbeitsbeginn um 7 Uhr schneite es munter weiter. Der Weg ins Zielgebiet Salastrains kommt so einer Passfahrt mit über 200 Höhenmetern, Haarnadelkurven und satten Steigungsprozenten gleich. Doch Sorgen sind unbegründet. Die hochwertige Automobiltechnik ermöglicht ohne Zuhilfenahme von Schneeketten sichere Runden und das Motto «Chi va piano, va sano e lontano» verhilft zu weitgehend stressfreien Fahrten. Waren es bisher Medienleute und Medientechniker, werden es mit dem Beginn der Rennen VIPs sein, die wir sicher in den Zielraum bringen dürfen – eine Tellerwäscherkarriere im wahrsten Sinn des Wortes.

Wie wird man Voluntari? Am Anfang steht der Wille, sich freiwillig für etwas zu engagieren. Etwas pathetisch formuliert: sich die Freiheit für etwas schaffen und nicht «sich von etwas zu befreien». Danach sucht man sich einen Anlass oder eine Organisation, die freiwillige Helfer für einen Anlass oder die Erfüllung ihrer Tätigkeiten braucht. Etwas Affinität zum Thema sollte dabei aber schon vorhanden sein. In einem Onlineformular hinterlässt man dann sein Profil (wer bin ich und was kann ich) plus den gewünschten Einsatzbereich. Kommt man in die engere Wahl, wird man zum Interview geladen. Hilfreich ist es, wenn man sich bezüglich Zeitraum des Einsatzes und bezüglich Einsatzgebiet sehr flexibel zeigt. Noch hilfreicher ist es, wenn man bereits selber eine Übernachtungsmöglichkeit gefunden hat.

Wird man daraufhin für einsatztauglich befunden, bekommt man die Einteilung und wird für ein Kick-off-Meeting aufgeboten. Wichtigstes Traktandum dieser Meetings: «smile!» – oder hier im Oberengadin «Allegra!». Will heissen: Die Voluntari sind die Aushängeschilder. Erkennbar für alle Besucher und die Fernsehzuschauer stehen sie mit ihrer Uniform für das Image jeder Veranstaltung.

In diesem Sinne werden wir während unseres dreiwöchigen Einsatzes unser Bestes geben, damit die Alpine Ski WM 2017 in St. Moritz allen Gästen in bester Erinnerung bleibt – und wir die hochwertige Uniform auch redlich abverdient haben.

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