Baden
«Wir können nur gewinnen»

Das Zusammenschlussprojekt Baden-Neuenhof bleibt gut auf Kurs und wird auch aus Vereinskreisen nicht bestritten. Dies ist das Fazit der dritten Infoveranstaltung dazu in Baden.

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Baden Neuenhof Fusion

Baden Neuenhof Fusion

Aargauer Zeitung

Rund 150 Personen fanden sich in der Aula Martinsberg des BBB in Baden zur dritten Infoveranstaltung zum Zusammenschluss von Baden und Neuenhof ein. Im Zentrum standen dabei die Bevölkerung, Quartiere und Vereine. Alles so genannt «weiche Faktoren», die eine wichtige Rolle spielen und letztlich entscheiden werden über das Gelingen des Projekts, wie Leiter Peter Züllig eingangs betonte. Dann war die Reihe an den Vertretern aus Bevölkerung und Vereinen, zu sagen, was sie davon halten.

«Wir bleiben, wie wir sind»

«Ich glaube, wir bleiben so, wie wir sind. Wir können ja nicht den Chlauseinzug vom alten Dorfkern in Neuenhof bis in die Stadt Baden machen. Aber die Badener können sehr gerne mal an ein Fest zu uns kommen», erklärte etwa der Vertreter der Neuenhofer Chlausgesellschaft. Jener der Schützengesellschaft betonte, dass bereits heute ein reger Austausch gepflegt werde.

So führt die Stadtpolizei Baden ihre Schiessübungen in Neuenhof durch, Neuenhofer Schützen benützen ihrerseits im Winter gerne die Luftdruckanlage im Esp fürs Training. «Die Stimmung ist auch bei uns eher pro. Ich glaube, das Ganze kommt schon gut», bilanzierte der Vertreter des ältesten Vereins in Neuenhof (seit 1873). «Wir kennen keine Berührungsängste, die Badener Jodler halten ihre Stubete ja ebenfalls bei uns ab», hob auch der Repräsentant des Neuenhofer Vereinskartells hervor und fügte noch an: «Wir können nur gewinnen.»

«Keine Sitzgarantie für Baden»

Auf Badener Seite betonten Vertreter von Stadtmusik und Stadtturnverein, dass sie sportliche Gemeinsamkeiten und eine musikalische Verstärkung mit Neuenhof sehen. Der Vertreter des Dorfvereins Rütihof bot seinerseits Neuenhof «Entwicklungshilfe» an bei der geplanten Integration in Baden. «Wir wollen den Vereinen nichts aufoktruieren und nur da Strukturen zusammenlegen, wo es nötig ist», sagte Stadtammann Stephan Attiger und hob Spitex und Feuerwehr hervor. Dort werde es örtliche Züge geben wie in Rütihof, unterstrich Attiger. Der gebürtige Dättwiler erklärte zudem, dass die Vertreter äusserer Ortsteile bisher eher übervertreten waren in Badens Exekutive und Legislative. Es sei auch für Ur-Badener kein Sitz garantiert dort, meinte Attiger auf eine Publikumsfrage.

«Nutzen auch für Baden ersichtlich»

Nachgefragt bei Stadtammann Stephan Attiger und Neuenhofs Gemeinderat Daniel Schibli:

Welche Bilanz ziehen Sie beide über die drei durchgeführten Infoveranstaltungen?
Stephan Attiger: Diese sind in allen Bereichen positiv und konstruktiv verlaufen. Die Beteiligung war heute Abend sehr gut. Auch in Neuenhof waren recht viele Leute dabei, lediglich der erste Anlass war etwas dürftig besucht. Ich spüre eine positive Grundstimmung, es ist kaum Kritik zu vernehmen.
Daniel Schibli: Ich sehe es genau so und als normal an, dass noch wenig Kritik kommt. Erst kurz vor Buffalo werden sich kritische Stimmen erheben. Wir müssen gewappnet sein dafür und dann gut kommunizieren.

Einig für Zusammenschluss Stephan Attiger (l.) und Daniel Schibli. (atp)

Einig für Zusammenschluss Stephan Attiger (l.) und Daniel Schibli. (atp)

Aargauer Zeitung

Glauben Sie, dass die Botschaft vom Nutzen des Zusammenschlusses Baden-Neuenhof schon an- oder rübergekommen ist?
Schibli: Zum Nutzen wurde tatsächlich nichts gefragt. Wir müssen diesen daher noch genauer aufzeigen, dies speziell für die Einwohner von Baden.
Attiger: Ein Nutzen ist auch für Baden offensichtlich. Wir haben eine Premium-Lage, Neuenhof ist besser erschlossen als Dättwil. Das ist eine gute Ausgangslage. Aufgabe ist nun, dieses Entwicklungspotenzial zusammen mit dem Brand Baden rüberzubringen.
Schibli: Ich kann nur betonen: Baden, die weltoffene Stadt. Wir haben bereits Anfragen von Investoren, die sofort nach Neuenhof ziehen würden, wenn wir den Brand
Baden schon hätten.

Gibt es irgendwo noch zusätzlichen Informationsbedarf?
Attiger: Wir werden noch genügend Gelegenheit haben zu informieren, wenn der Schlussbericht einmal auf dem Tisch liegt. Die Diskussion wird dann auch einfacher, wenn mehr Fleisch am Knochen ist. Derzeit fehlen schlicht noch die Facts.
Schibli: Wir werden mit dem Schlussbericht bald eine gute Grundlage haben, um die weitere Diskussion zu führen. Eine Hauptbotschaft wird dabei sein, dass es keine Steuererhöhung braucht, um den Zusammenschluss durchführen zu können.

Wie sehen Sie dem weiteren Verlauf des Zusammenschlussprozesses entgegen? Welches sind die grössten Klippen, die es dabei noch zu meistern gilt?
Attiger: Die grösste Herausforderung wird sein, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Strategie richtig ist, auch wenn diese langfristig angelegt ist. Der Zusammenschluss mit Neuenhof lohnt sich nicht heute, sondern in 5 bis 10 Jahren. Wenn dieser aber nicht zustande kommt, würde die ganze Region darunter leiden.
Schibli: Für Neuenhof ist der Fall klar: Wir wollen mit vollem Elan darangehen. Wir haben die einmalige Chance, mit Baden zu zeigen, dass das Zusammenschlussprojekt langfristig erfolgreich ist. Das Zentrum wird damit gestärkt, sodass sich auch andere Gemeinden anschliessen werden können. (atp)

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