Grenchen
Wo bleiben die Kinder in den Ferien?

Die Tagesstrukturen Zentrum bleiben während der Schulferien zu. So wollte es der bürgerliche Block im Gemeinderat vor anderthalb Jahren. Gespart wurden damit 7500 Franken. Nun zeigt sich, dass dieser Entscheid einen Stau in den Kinderkrippen verursacht.

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Kinderkrippe

Kinderkrippe

Solothurner Zeitung

Brigit Leuenberger

«Ja, es gibt bei uns Kinder, die schon in die Schule gehen oder im Sommer in die Schule kommen», bestätigt Silf Franz, Leiterin der Kinderkrippe Märlihus. Warum diese Kinder nicht die Tagesstrukturen Zentrum (TAZ) besuchen, erklärt sie so: «Das Hauptproblem sind die Ferien der TAZ. Die Eltern haben oft keine Möglichkeit, ihre Kinder während dieser Zeit andersweitig betreuen zu lassen.» Sie setze deswegen auch keinen Druck auf in Bezug auf den Wechsel. «Solange die Kinder sich bei uns wohl fühlen, dürfen sie bleiben. Oft sind sie sieben, acht Jahre hier. Da ergeben sich starke Bindungen. Zudem geben die klaren Strukturen der Krippe auch den Eltern Halt und Sicherheit.»

Barbara Banga, Leiterin der Kinderkrippe Villa Kunterbunt, schildert eine ähnliche Situation. Sie bietet den Eltern, die für ihre Kinder einen Platz in der TAZ bezahlen, mittlerweile sogar die Möglichkeit an, die Kinder während der Schulferien wieder in die Krippe zu bringen. Denn: «Wo sollen sie denn sonst bleiben? Die Vorstellung, dass sie einfach auf der Strasse rumhängen, finde ich recht beunruhigend.»

Die Tagesstrukturen (TAZ)

Die Tagesstrukturen im Schulhaus Zentrum haben an Werktagen von 06.30 bis 18 Uhr geöffnet. Eltern, die ihr Kind betreuen lassen, können aus verschiedenen Moduleinheiten auswählen. Die erste Einheit ist der Morgentisch zwischen 06.30 und 08 Uhr. Danach befinden sich alle Kinder - gemäss den Grossen Blockzeiten - bis um 12 Uhr im Unterricht. Über Mittag wird im Lindenhaus der Mittagstisch angeboten. Von 13.30 Uhr bis 18 Uhr sind drei Betreuungseinheiten buchbar (13.30 bis 15.05 Uhr, 15.05 bis 17.00 Uhr und der Abend von 17 bis 18 Uhr). Während den ersten beiden Betreuungseinheiten hilft eine professionelle Lehrkraft den Kindern bei den Aufgaben. Eine Besichtigung der TAZ ist jederzeit möglich. Am Mittwoch, 17. Juni, öffnet die TAZ für alle Interessierten zwischen 16 bis 18 Uhr offiziell ihre Türen. (bel)

Tagesstrukturen waren unbestritten

Am 22. Mai 2007 war die Einführung der Tagesstrukturen für die Schulen der Stadt Grenchen im Gemeinderat unbestritten. «Was lange währt, wird endlich gut», sagte eine sichtlich erleichterte Marianne Rossier (SP), die jahrelang für diese Sache gekämpft hatte. Die FdP erhob die Tagesstrukturen gar zu einem freisinnigen Anliegen, «da man dadurch gute Voraussetzungen für den Arbeitsmarkt schaffen kann», begründete Christian Hetzel. Selbst die SVP war nicht Spielverderberin und betonte - trotz markiger Einwände - man wolle das Projekt nicht blockieren.

Nur in einem Punkt blieben die bürgerlichen Parteien hart und liessen sich nicht von Argumenten der Sozialdemokraten überzeugen: FdP, SVP und sogar die Familienpartei CVP, die letztlich das Zünglein an der Waage war, lehnten die Zusatzvariante, welche die Betreuung während acht der 13 Schulferienwochen vorsah, ab. Die Personalkosten von 7500 Franken für eine Betreuerin mit pädagogischer und eine ohne pädagogische Ausbildung schien ihnen zu teuer. «Ausbauen kann man immer, ein Abbau hingegen ist weit schwieriger», betonte Aldo Bigolin (FdP). Genehmigt wurde schliesslich der Bruttokredit von 48 300 Franken für 30 Vollzeitplätze - ohne die Ferienbetreuung.

Neu auch mit Morgentisch

Nun werden die TAZ bald ihren ersten Geburtstag feiern. Knapp 40 Kinder besuchen heute zu unterschiedlichen Zeiten die Einrichtung im Schulhaus Zentrum, die von Katrin Müller geleitet wird. «Am besten belegt sind die Stunden, in denen wir mit Monika Häni
eine professionelle Hausaufgabenhilfe anbieten können», erläutert Schulverwalterin Maya Karlen. Gerade für ausländische Kinder sei dieses Angebot ein grosses Plus.

Keine Nachfrage bestand vorerst für den Morgentisch, der deshalb im letzten Sommer nicht eröffnet wurde. «Jetzt haben wir allerdings Anmeldungen und erwarten bis zu den Sommerferien noch weitere. Im kommenden Schuljahr wird der Morgentisch nun angeboten», so Maya Karlen.

Petition

Im Jahr 1991 ist im Gemeinderat eine Petition mit 100 Unterschriften eingegangen mit der Forderung, Tagesstrukturen zu schaffen. Im Mai 2007 beauftragte der Gemeinderat die Geschäftsleitung der Schulen Grenchen, ein Projekt zur Schaffung von Tagesstrukturen (TAZ) auszuarbeiten. Im Sommer 2008 haben die TAZ im Schulhaus Zentrum ihre Türen geöffnet. (bel)

Professionalität durch Zentralisierung

Der Schulverwalterin ist das Ferienproblem bekannt. «Ich bekomme öfters Anrufe von besorgten Müttern, die nicht wissen, wo sie ihre Kinder in dieser Zeit unterbringen sollen.» Noch vor den Sommerferien soll sich nun eine Arbeitsgruppe bilden, die eine Strategie für die Zukunft der familienergänzende Kinderbetreuung in Grenchen ausarbeitet. Der Gruppe werden neben Maya Karlen der Sozialkreis-Chef Kurt Boner, Vertreterinnen der städtischen Kinderkrippen und der privaten Kinderkrippe Teddybär, Gemeinderäte und auch eine Vertretung aus der Wirtschaft angehören.

Krippenleiterin Barbara Banga hat bereits eine klare Vorstellung, wie sich die Situation verbessern liesse: «Neben den Geleiteten Schulen braucht es auch Geleitete Tagesstrukturen», sagt sie. Dazu würde sie eine zentrale, vollamtliche Stelle vorsehen, bei der die gesamte Organisation und Koordination für die familienexterne Kinderbetreuung liegt. «So könnte der Übertritt von der Kinderkrippe in die Tagesstrukturen professionell geregelt werden.» Silf Franz geht sogar noch einen Schritt weiter: «Ich stelle mir vor, dass die gesamte Betreuung von der Krippe über den Hort bis hin zu frühkindlicher Förderung und Elternberatung unter einem Dach zu finden wäre.»

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