Kein Wunder, können manche FDP-Aushängeschilder ihre Präsidentin Petra Gössi derzeit nur schwer verstehen: Ausgerechnet jetzt, wo doch die Parteispitze uneins ist über die umweltpolitische Ausrichtung des Freisinns, will sie die Basis befragen. Und damit riskieren, dass sich der Zustand innerer Zerrissenheit so kurz vor den Wahlen noch verschärft. Die 120 000 FDP-Mitglieder sollen sich dazu äussern können, wie die künftige Umweltpolitik ihrer Partei aussehen soll. Gössi selbst vollzieht eine atemberaubende Kehrtwende, nachdem die FDP massiv in die Kritik geraten war. Plötzlich stellt sie sich hinter ein Inlandziel für die CO2-Reduktion und will Hand bieten für eine Flugticketabgabe – im Dezember hatte die FDP-Fraktion im Nationalrat genau das noch verhindert.

Gössi muss sich zu Recht vorwerfen lassen, ihr Schwenk sei opportunistisch motiviert. Doch ihr zu unterstellen, sie ziehe sich jetzt flugs ein grünes Mäntelchen über, greift zu kurz. Denn die Uneinigkeit in Umweltfragen gehört quasi zum FDP-Markenkern. Die Partei verfügt schon lange über einen mal grösseren und mal kleineren Öko-Flügel, geprägt von Leuten wie René Rhinow, Cornelia Füeg oder Kurt Fluri. Wie gut abgestützt dieser aktuell ist, bleibt vorderhand offen. Dass eine Lenkungsabgabe auf Benzin von freisinnigen Kantonspolitikern positiv aufgenommen wird, wie nun publik wird, deutet jedoch auf einen ordentlichen Rückhalt hin. So oder so: Auf Dauer reicht es nicht, einfach ein breites Meinungsspektrum aufzutischen und bei Bedarf irgendwie ökologisch zu sein. Die Mitgliederbefragung ist deshalb richtig und wichtig. Wofür stehst Du, FDP?

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