Gotthard-Tunnel
Zweite Röhre braucht viel mehr Baufläche als angenommen

Der Bau einer zweiten Gotthard-Röhre würde für Baustelle, Unterkünfte und Deponien Hunderttausende Quadratmeter Land beanspruchen. Viel mehr als ursprünglich angenommen. Das Bundesamt für Strassen rechnet mit einer Fläche von 52 Fussballfeldern.

Antonio Fumagalli
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Der Gotthard-Tunnel muss saniert werden – umstritten ist, ob es dafür eine zweite Röhre braucht.

Der Gotthard-Tunnel muss saniert werden – umstritten ist, ob es dafür eine zweite Röhre braucht.

Reuters

Die Hauptargumente bei der Abstimmung vom 28. Februar über die zweite Gotthardröhre werden sein: die Sicherheit, die Kosten und die zukünftige Verwendung der Fahrspuren. Die Befürworter der zweiten Röhre monieren aber auch den Platzbedarf, der für den Bau von Verladestationen nötig wäre. Solche Terminals, auf denen Lastwagen und Autos umgeladen würden, müssten bei einem Volks-Nein gebaut werden.

Doch auch der Bau der zweiten Röhre würde für die Baustelle, für Unterkünfte und Deponien zusätzliche Landflächen beanspruchen. Auf eine Interpellation von SP-Nationalrat Thomas Hardegger schrieb der Bundesrat im Februar 2014, dass man in Göschenen mit einer Fläche von rund 20 000 Quadratmetern und in Airolo mit 29 000 Quadratmetern rechnen müsse. Doch gestern schrieb das «Urner Wochenblatt», diese Angaben seien viel zu niedrig: Neuerdings rechnet das Bundesamt für Strassen (Astra) mit 150 000 Quadratmetern in Uri und 220 000 Quadratmetern im Tessin – insgesamt also rund 52 Fussballfelder und mehr als siebenmal mehr als bisher angenommen.

Auf Nachfrage erklärt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach den massiven Unterschied mit dem Erkenntnisstand bei der bundesrätlichen Antwort von letztem Jahr. «Es liegt in der Natur der Sache, dass man über ein Bauprojekt am Anfang mehr weiss als bei fortgeschrittenem Stadium», sagt er. Hinzu komme, dass ein Grossteil der Flächen bereits in Bundesbesitz sei – und dass auch bei der Verladelösung weitere Bauflächen benötigt würden. Wie gross diese sind, könne man «zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beziffern», so Rohrbach.

Für die Gegner der zweiten Röhre sind die neuen Erkenntnisse ein gefundenes Fressen. «Das zeigt, wie unausgegoren das Projekt ist, über welches das Parlament hat abstimmen müssen», wird Jon Pult, Präsident des Vereins Alpeninitiative, in einer Mitteilung zitiert. Entsprechend sei auch die Abstimmungsvorlage vom Februar «mangelhaft». Die Tunnel-Gegner gehen zudem davon aus, dass wegen der grösseren Bauflächen vermehrt mit juristischen Unsicherheiten zu rechnen ist – Stichwort Enteignungen.

Hans-Ulrich Bigler, Neo-FDP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes, welcher das Lager der Befürworter anführt, lassen die neuen Erkenntnisse kalt: «Man darf nicht einfach die reinen Flächen miteinander vergleichen: Ein Quadratmeter beim Eingang des Tunnels ist weniger wert als einer im Tal, wo die Verladeterminals gebaut würden.»

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