Solothurn schreibt Geschichte

40 Jahre geschwiegen

Ist es Zufall, dass sich sowohl hier beim Palais Besenval, wie am Stalden und in der Nähe des Stadtparks die drei Stadtbäder ausgegraben wurden?

Ist es Zufall, dass sich sowohl hier beim Palais Besenval, wie am Stalden und in der Nähe des Stadtparks die drei Stadtbäder ausgegraben wurden?

Solothurn Tourismus lädt Solothurner ein, von Tag zu Tag eine Kriminalgeschichte weiterzuschreiben. Aus den eingeschickten Ideen entwickelt ein Schreib-Team dann jeweils einen neuen Abschnitt. Teil 11.

Autorin: Simone Leitner

Mitwirkende: Isabel Hunziker, Zuchwil | Hans Fischer, Lüterkofen | Susanne Im Hof, Grenchen | Mathieu Im Hof, Grenchen

Alma, die nun wieder bei Bewusstsein ist, blinzelt benommen in die Kegel zweier Stirnlampen. Stöhnend hält sie ihre Hand vors Gesicht. «Was tust du hier? Bist du mir gefolgt», wollte Jeffrey wissen. «Psst! Oder willst du die ganze Stadt wecken?» Studer tupft mit einem Taschentuch das Blut von Alma's Stirn. «Es gibt sicher eine plausible Erklärung.» «Wirklich? Auf die bin ich gespannt», runzelt Jeffrey die Stirn. «Ich habe mich nochmals gründlich mit dem Fliessplan des ehemaligen Stadtbaches auseinandergesetzt und eine seltsame und zugleich gruselige Entdeckung gemacht», beginnt Alma. «Erzähl», drängt sie Jeffrey und erntet Kuno's mahnenden Blick. «Okay, okay. Ihr erinnert euch doch an all die losen Bsetzisteine?! Es kann kein Zufall sein, dass sich sowohl hier beim Palais Besenval, wie am Stalden und in der Nähe des Stadtparks die drei Stadtbäder ausgegraben wurden. Ich wollte mich vergewissern, ob auch am Stalden ein unterirdischer Gang gegraben wurde.» «Und? Was hast du entdeckt?», fällt ihr Jeffrey erneut ins Wort.

Alma erhebt sich und geht immer noch leicht benommen Richtung Ausgang. «Wenn mir die Herren bitte folgen würden …» Tatsächlich! Auch hier wurde nach dem gleichen Muster gearbeitet. Holzbretter verdecken den Eingang eines unterirdischen Gangs. «Aber das ist noch nicht alles!», erklärt Alma stolz und steigt hinab. Auch hier lässt das Gewölbe Rückschlüsse auf die ehemalige Badstube zu. Alma zeigt mit zittrigem Zeigefinger auf eine kleine Steinempore. «Der Kopf des Kosciuszko!», flüstert Kuno. «Und wo ist der Rest?», schreit Jeffrey empört. «Und wo die uralte Tonscherbe?»

Die Morgensonne scheint. Seiffert fährt in seinem Cabriolet Richtung Solothurn und telefoniert seit zehn Minuten. «Sorry, aber das ist doch kein passendes Wording für eine Medienmitteilung. So etwas wird auch vom Solothurn Journal aufgenommen.» Dr. Claudia Talbach lässt den Tourismusdirektor ausreden. «Herr Seiffert, ich verstehe ihre Einwände, aber glauben sie mir, wir wissen was wir tun, wir schreiben von morgens bis abends Medienmitteilungen und …» «Ja genau, das merkt man», wird Seiffert nun deutlicher. «Klartext Frau Dr. Talbach: Ich will, dass Solothurn back on the map ist und zwar morgen und so wie es Solothurn verdient!» Seiffert fährt ins Parkhaus, fällt aus dem Handynetz und ist erleichtert. Die Rede beim Gala-Event des Tourismus Awards in Zürich würde er mit Sicherheit selber schreiben. «Dieser Speech muss so richtig reinhauen, Solothurn ist es wert.» Zurück im Büro reisst Kommissar Studer den Tourismusdirektor aus seiner Siegerpose. «Tom, wir müssen sprechen, in deiner Stadt ist der Teufel los!» «Ach Kuno, du mit deinem Pessimismus, jetzt lass meine Stadt in Ruhe.»

«Ja, dann wünsche ich dir viel Glück. Aber sei nicht erstaunt, wenn plötzlich Dinge an die Oberfläche kommen, die deine Pläne knicken.» Seiffert verdreht die Augen und ist froh, dass Studer schon auf der Treppe ist und geht. Studer ruft Alma an. «Schön rufst du an, mein Kopfweh ist weg, aber dass mich jemand mit dem Bsetzistein angegriffen hat … das macht mir Sorgen.»

«Alma, erinnerst du dich an die Diebstähle im Frühling vor 40 Jahren?» Alma verstummt und schnappt nach Luft. «Wie könnte ich diese drei Monate vergessen haben?» Studer wird nun etwas verlegen und versucht das Gespräch auf den unheimlichen Fall von damals zu lenken. Alma erinnert sich an eine andere Geschichte. «Die gestohlenen Gemälde wurden nie gefunden», sagt Studer. Alma seufzt und klagt über plötzliches Kopfweh. «Schau meine Liebe, ich bin ganz sicher, auch wenn wir an diesem Freitag im Jahr 1980 ehrlich gewesen wären, hätten wir die Diebstahlserie von jetzt, 40 Jahre später, nicht verhindern können.» «Aber etwas anderes retten können!», sagt Alma Müller jetzt klar und deutlich. Kuno Studer schweigt lange Sekunden. «Ich erkenne die Zusammenhänge klar und deutlich, bis in wenigen Tagen haben wir beide Fälle gelöst – den von jetzt und den von damals», ist sich Studer sicher.

Alma weiss, nun wird kein Stein auf dem andern bleiben.

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