Bettlacher Fasnacht
Das Gwösch beweist, dass einfache Ideen oft die besten sind

Heuer war das Bettle-Gwösch mehrheitlich eine Show von Alleinunterhaltern. Dank der erfahrenen Entertainer in Bettlach zahlte sich die Risikostrategie aus.

Daniela Deck
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Schnitzelbank mit Philipp Schluep
18 Bilder
Bettle-Gwösch 2014
Zaubershow mit Ron Bertolla
Zaubershow mit Ron Bertolla
Roman Weber
Netz Natur mit Reini Seeberger
Moderation mit Philipp Schluep
Marco Christen
Marco Christen
Krachwanzen Bettlach
Krachwanzen Bettlach
Krachwanzen Bettlach
Krachwanzen Bettlach
Ramon Zumstein, mitte, trieb Schabernack mit Leonz Walker und Barbara Leibundgut
Schlussnummer mit Philipp Schluep, Marco Christen und Reini Seeberger

Schnitzelbank mit Philipp Schluep

Hanspeter Bärtschi

Wozu dienen Lokalpolitiker? Vor dem Bettlacher Gwösch hätte jeder gesagt: als Zielscheiben an der Fasnacht. Es geht auch anders. Das haben die Organisatoren am Donnerstag in der Büelenhalle bewiesen. Barbara Leibundgut, Leonz Walker und Joël Mussilier waren die Stars des Abends.

Ramon Zumstein und Thomas Christen holten die ersten zwei als Bauchredner auf die Bühne. «Vor dem Auftritt muss man in die Maske», beschied Zumstein der Gemeindepräsidentin und dem SVP-Urgestein. Der Erfolg der «Verschönerung» war eine sichere Sache. Besonders, als Christen versteckt anfing, an den Schnüren der markanten Kiefer zu ziehen. Dass er Walkers Maske mit einer Frauenstimme sprechen liess und Leibundguts mit einem brummigen Bass ausstattete, machte die Sache perfekt. Das Publikum, zahlreich wie immer, wischte sich die Lachtränen aus den Augen. Vizepräsi Mussilier musste als Schwinger in die Hosen. Da er auch nach dem Untergang der Babeli Gugger standhaft in Rock und blondem Zopf zum Gwösch erscheint, ergab sich die Situationskomik von selbst.

Allein auf weiter Bühne

Heuer war das Gwösch mehrheitlich eine Show von Alleinunterhaltern. Die Ausnahmen waren das biestige Altherrentrio Flickoree und Zumstein mit seinem wortkargen «Hausbären» Bruno (Thomas Christen). Dank der erfahrenen Entertainer in Bettlach zahlte sich die Risikostrategie aus. Diese Herren haben längst eine Ausstrahlung erreicht, die grosse Bühnen füllt und sogar ein verwöhntes Publikum in den Bann schlägt.

Copin (Marco Christen) wurde zum «Coop»-in. Als lahmer Verkäufer erntete er ebenso Jubel wie für die Kassensturz-Einlage aus dem Coop Bettlach. Als Trainer der Schweizer Fussball-Nati verriet Copin, warum Valentin Stocker vom Tierschutzverein verklagt worden war: Er stand 90 Minuten auf demselben Regenwurm. Neben den Sketchen mit Politikern gab es natürlich auch Witze über Politiker. Dass diese besonders gut auf Kosten Fremder gelingen, weiss jeder Fasnächtler. Copin setzte mit sicherem Instinkt auf das Ehepaar Banga.

Nach der Volksweisheit «les absents ont toujours tort» bekam aber auch die eigene Bürgergemeinde an diesem Abend einiges ab.

Rötli und Schnitzelbänke

Roman Weber, in Schale und mit einer Prise Dünkel, schwadronierte über Gott und die Welt. Ausgehend von einer Studie aus den 50er-Jahren lavierte er geschickt ober- und unterhalb der Gürtellinie und zeigte, wie stark das Spassbarometer in einem Jahr steigen kann und sein Talent zum Tragen kommt.

Reini Seeberger sendete Netz Natur aus der Ostschweiz auf die grosse Leinwand. Gekonnt «klamüsierte» der die Spezies der Rötli auseinander - vom Bundes- über Gemeinde- bis zu Kantons-Rötli. Als Bettlacher Lehrer und höchster Solothurner gab Peter Brotschi mit seiner Leidenschaft für die Fliegerei eine dankbare Zielscheibe ab.

Moderator Philipp Schluep erfüllte gar den Wunsch nach Schnitzelbänken. Der Mooreball inspirierte ihn besonders. Eine Kostprobe: «Isch är nid chic dä Klemenzsaau / Vui z’schön und z’neu fürne Moorebau / D’Narre hätte dört wahrschinlech gstört / Eh villicht isch jetzt de d’MIA dört.» Sein letzter Bank hingegen beinhaltete eine deutliche Warnung, die im Gelächter möglicherweise unterging: die gereimte Bitte um Nachwuchs fürs Gwösch. Wenn der beliebte Anlass nicht schnell Blutauffrischung bekommt, sind seine Tage gezählt.

Poesie und Musik

Die Krachwanzä machten als Kreuzritter eine tolle Figur und noch bessere Musik. Komplett mit Kettenhemden und Kampfspuren, zeigten sie ihre zwei Seiten: das Bettlacher Kreuz, das für den guten Zweck etwas aus dem Leim gegangen war, auf der einen Hälfte des Gesichts, die verlorene Schlacht als schauerlich grinsendes Skelett auf der anderen.

Ron Bertolla bezauberte das Publikum restlos. Poesie und verblüffende Tricks gingen Hand in Hand - natürlich so, dass es aussah, als wüsste die linke nicht, was die rechte tut.

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