Ernst Gisel
Architekt des Grenchner Parktheaters wurde fast 99 Jahre alt

In Zürich starb am 6. Mai der Architekt Ernst Gisel, der in Grenchen als Erbauer des Parktheaters bekannt wurde. Gisel starb im 99. Lebensjahr.

Andreas Toggweiler
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An der Sonderausstellung Parktheater Grenchen war auch das Modell von Ernst Gisel zu sehen.

An der Sonderausstellung Parktheater Grenchen war auch das Modell von Ernst Gisel zu sehen.

Michel Lüthi

Ernst Gisel wurde am 8. Juni 1922 als Sohn eines Sattlermeisters in Zürichs Vorort Adliswil geboren. Nach einer Lehre als Bauzeichner wollte er Künstler werden. An der Kunstgewerbeschule Zürich erwachte sein Interesse am Beruf des Architekten. Bald beteiligte er sich an Wettbewerben.

Ernst Gisel in einer Aufnahme von 2005.

Ernst Gisel in einer Aufnahme von 2005.

Alexandra Wey

Das Grenchner Parktheater war das erste grosse Werk des Zürcher Architekten, das ihm den Weg zu einer internationalen Karriere ebnete Mit seinem neuartigen Entwurf gewann er 1949 den nationalen Architekturwettbewerb – trotz zahlreicher und namhafter Konkurrenz (100 Mitbewerber).

Und das im Alter von erst 27 Jahren. Gisel wurde in der Folge ein international renommierter Architekt mit einem grossen Spektrum. Er baute Einfamilienhäuser, Theater, Kirchen, Siedlungen, ja ganze Stadtteile, wie etwa im Märkischen Viertel von Berlin. Sein Wirken erstreckt sich über mehr als 60 Jahre. Eine Ausstellung im Parktheater rückte 2018 das Gebäude und das Schaffen Gisels ins Zentrum.

Davon erzählt auch das Buch «Ernst Gisel Architekt», das seit 2010 im gta-Verlag in bereits mehreren Auflagen erschienen ist. Gisels erstes schweizweit bekanntes Werk stammt gemäss dem Portal swissarchitects.com aus dem Jahr 1941: Er entwickelte einen Wettbewerbsbeitrag für Wohneinheiten auf dem Areal einer Jugendherberge in Gersau. Gegen Ende seiner langen Laufbahn gestaltete er 2008 gemeinsam mit Luigi Snozzi vier Wohnhäuser in Vira im Tessin.

Das Parktheater von 1955 steht unter Denkmalschutz.

Das Parktheater von 1955 steht unter Denkmalschutz.

Oliver Menge

In der Nachkriegszeit realisierte er etliche Bauten Bauten in der Region Zürich. Auch den Erweiterungsbau des Parktheaters aus dem Jahr 1995 hat zusammen mit dem Architekten Erich Senn realisiert.

«Man sieht, was ein bedeutendes Gebäude für eine Stadt leisten kann»,

sagte Bruno Maurer, Leiter des Instituts für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH, anlässlich der Vernissage der Ausstellung von 2018 Bemerkenswert sei auch, dass vor dem Gebäude die erste öffentlich aufgestellte Plastik von Max Bill steht. Gisel selbst konnte schon damals aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nach Grenchen kommen. Sein ganzes Archiv samt Atelier hat Gisel der ETH übergeben.

«Wir hoffen, die Stadt Grenchen werde für ihren Mut, einen so grosszügigen Bau erstellt zu haben, belohnt, und dieses Theater entwickle sich bis in ein paar Jahren zu einem wirklichen Kulturzentrum, wo der Bevölkerung, vor allem der heranwachsenden Generation jene Werte vermittelt werden, die keiner Krise unterworfen sind.» Diese schon fast prophetisch klingenden Worte sagte der Parktheater-Architekt Ernst Gisel an der Eröffnung seines Baus im Jahr 1955.

Vernissage der Sonderausstellung Parktheater Grenchen.

Vernissage der Sonderausstellung Parktheater Grenchen.

Michel Lüthi

Ernst Gisel verstarb am 6. Mai 2021 in seinem Haus in Zürich – wenige Wochen nur vor seinem 99. Geburtstag.

Dr. h.c. der ETH Zürich

«Ernst Gisel war eine der markantesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Schweizer Architektur nach 1945», schreibt die ETH Zürich in ihrer Todesanzeige. Und weiter: «Ernst Gisel war der ETH Zürich und dem Departement Architektur sehr verbunden. 1968/69 war er Entwurfsdozent an der damaligen Architekturabteilung. 1993 durfte ihm das Institut für Geschichte und Theorie der Architektur gta in der Haupthalle der ETH Zürich eine grosse Werkschau ausrichten, die danach an weiteren Stationen im In- und Ausland gezeigt wurde. 1990 schenkte Ernst Gisel sein Atelierhaus an der Streulistrasse in Zürich der ETH. Teil der grosszügigen Schenkung war auch sein umfangreiches, eine mehr als fünfzigjährige Architekturpraxis dokumentierendes Archiv. Seither ist das «Blaue Atelier» das viele Jahre auch ein Ausbildungsort für  angehende oder frisch diplomierte Architektinnen und Architektenwar, ein privilegierter Ort für die Entwurfslehre und Forschung am Departement Architektur.»

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