Lengnau
Greifvögel ganz nah – streicheln durften die Kinder aber nur den Kaninchenkauz

Der Falkner Ulrich Lüthi zeigte im Rahmen des Ferienpasses Grenchen, wie man mit Greifvögeln arbeitet.

Margrit Renfer
Merken
Drucken
Teilen
Keine Berührungsangst: Die mutigeren Kinder konnten die Tiere halten.

Keine Berührungsangst: Die mutigeren Kinder konnten die Tiere halten.

Margrit Renfer

Der Ferienpass wartet immer wieder mit spannenden Kursprogrammen. Dieses Jahr gabs zum ersten Mal das Erlebnis Falknerei und Falkenflüge. «Du kannst einen Greifvogel ganz nah anschauen und beim Fliegen bestaunen» so stand es im Programm des Ferienpasses 2016. Dann gab es noch mehr Erlebnis. «Wer will einen Vogel auf die Faust nehmen» fragte Falkner Ulrich Lüthi aus Kriechenwil gleich zu Beginn der Vorführung.

Etwas zögerlich streckten die Kinder die Hände in die Höhe. Zu eindrücklich sassen Gassur der Sakerfalke, Gaia, der Wanderfalke und Muck, der Kaninchenkauz auf ihren Stangen und Lilly, die australische Hündin im Gras.

Falkner Ulrich Lüthi demonstrierte, wie man mit den Tieren arbeitet.

Falkner Ulrich Lüthi demonstrierte, wie man mit den Tieren arbeitet.

Margrit Renfer

Irgendwie geheimnisvoll; die Falken mit der Haube – der Falkner mit wehenden Haaren – die starke Bise auf dem Feld. Und schon stülpte Ulrich Lüthi den mutigsten Kindern den grossen Handschuh über und die Luftjäger sassen ganz ruhig auf der Hand. Streicheln erlaubt war jedoch nur beim Bodenbrüter, dem Kaninchenkauz. Der, wie sein Name sagt, in Kaninchengängen in Steppen im Süden Nordamerikas und Norden Südamerikas heimisch ist.

Haube gegen Stress

Abwechselnd mit den Greifvögeln auf den Armen gab es alsdann viel zu erfahren. Die Körperteile heissen Hand, Hose, Leib, Kropf und Kopf. Die Haube wird den Tieren angezogen, damit sie beim Warten für die Falknerei nicht gestresst sind. Die Augen der Tagjäger sehen scharf und kilometerweit. Wird die Haube abgenommen, macht sich die bis dahin ruhig dagesessene Gaia lautstark bemerkbar.

Bei Greifvögeln gibt es Biss- und Grifftöter. Diesem Schnabel möchte man seine Hände nicht hinhalten. Bei uns heimische Taggreifvögel sind der Milan, der Mäusebussard, der Wanderfalke, der Sperber, der Habicht, der Steinadler. Der Sakerfalke ist in Osteuropa und Asien beheimatet, der Wanderfalke ist auf allen Kontinenten heimisch.

Die Tiere für die Falknerei stammen aus Zuchten. Gefüttert werden die Greifvögel in der Gefangenschaft mit toten Eintagsküken, was die Kinder überaus gelassen erfahren. Ebenso betrachten sie interessiert die Gewölle der Vögel und den Unterschied in der Verdauung der Greifer und der Eule. Eine Wildtierhaltebewilligung ist nur mit fachspezifischer Ausbildung möglich.

Kraft und Eleganz

Und jetzt kommt der Flug. Der Falkner hat in vielen Trainingsstunden den Greifvögeln viel gelernt. Gaia fliegt vom Podest auf die Hand der Kinder und dann wird sie freigelassen. Zur Sicherheit kommt der Sender an den Fuss. Sie steigt in die Höhe, zieht eine weite Bahn. Kommt sie zurück? – Da, sie folgt dem Ruf ihres Falkners und natürlich dem «Goodie» auf der Feder, dem speziellen Leder mit Fleisch bestückt.

Diese Kraft, diese Eleganz beeindruckt. Eigentlich möchten ihr die Kinder die volle Freiheit gönnen. «Die Jagdart mit Greifvögeln fasziniert» sagt Ulrich Lüthi, der Falkner. Er suchte den passenden Hund nach der Jagdprüfung und ist dann der Faszination der Greifvögel erlegen. Stundenlang weiter zusehen und Vogel halten wollten die Kinder am Ferienpass.