Grenchen
Im Zeitzentrum ticken jetzt 13 astronomische Uhren

In Grenchen bekommen 13 der 38 astronomischen Uhren des 2009 verstorbenen Toggenburger Uhrmachers Werner Anderegg eine neue Heimat.

Andreas Toggweiler
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Edeluhrenausstellung in Grenchen
4 Bilder
Andereggs Meisterprüfungs-Uhr von 1947
Publikum an der Vernissage in Grenchen
Regierungsrat Klaus Fischer begrüsst die Gäste

Edeluhrenausstellung in Grenchen

Hanspeter Bärtschi

Glossar

Astrolabium: Eine in die Ebene projizierte Sternkarte (Planisphärium), die durch mechanische Vorrichtungen zur Winkelmessung am Himmel ergänzt ist. Diese Geräte dienten zur Bestimmung der geografischen Länge und Breite auf der Erde vor allem in der Schiffahrt

Astronomische Uhr: Eine Uhr, die nebst der Zeitanzeige astronomische Indikationen aufweist (z. B. Stellung des Sternenhimmels).

Ekliptik: Abbildung der jährlichen Sonnenbahn am Sternenhimmel.

Mondphasen: Auf astronomischen Uhren werden die Mondphasen oft mit Hilfe einer drehenden Kugel angezeigt.

Drachenzeiger: Die Ebene der Mondbahn um die Erde ist etwa 5 Grad zur Ekliptik (vgl. oben) geneigt. An zwei Punkten überquert der Mond die Sonnenbahn. Der Drachenzeiger zeigt die Lage dieser Punkte an. Falls ein Vollmond ungefähr an einem der Knotenpunkte eintritt, entsteht eine Mondfinsternis, falls ein Neumond bei einem der beiden Knotenpunkte eintritt, kommt es zu einer Sonnenfinsternis. Gemäss alten Darstellungen aus China wird dabei die Sonne von einem Drachen verschlungen.

Planetarium/Tellurium: Kleines Modell des Sonnensystems, das manche astronomische Uhren ergänzt.

Sonnenzeiger: Zeigt die Stellung der Sonne am Sternenhimmel an.

Sternzeit: Sternzeituhren müssen etwas schneller laufen als normale Uhren. Nach einer Umdrehung der Erde um ihre Achse gegenüber dem Sternenhimmel vergehen genau 24 Stunden (nicht 23 h 56 Min. wie bei unseren «bürgerlichen» Uhren).
Quelle: Zeitzentrum Grenchen

Sie zeigt Uhren von Werner Anderegg, der in der Uhrmacherschule Solothurn seinen Beruf erlernte. Schon seine Abschlussarbeit, für die er 1941 die Bestnote erhielt, war eine astronomische Uhr.

Erfreuter Klaus Fischer

«Astronomische Uhren zu bestaunen ist das eine, sie zu verstehen ist etwas anderes», meinte Wegmüller weiter. Die in Grenchen ausgestellten Uhren zeigen anhand von Beispielen, welche Zusatzfunktionen (Komplikationen) astronomische Uhren anzeigen und wie diese abgelesen werden.

«Unter Komplikationen verstehe ich als Politiker und Nichtfachmann etwas anders als ein Uhrmacher», schmunzelte Erziehungsdirektor Klaus Fischer in seiner Grussadresse. Er zeigte sich erfreut, dass die Anderegg-Uhren in einer würdigen Umgebung gezeigt werden können. «Die Sammlung festigt die herausragende Stellung des Zeitzentrums Grenchen für die Uhrmacherkunst.» Einmal mehr werde deutlich, dass hier Meister ihres Faches ausgebildet werden.

Uhr als Modell der Erde

Laut Ludwig Oechslin, Leiter des Uhrenmuseum La Chaux-de Fonds und selber begnadeter Uhrenkonstrukteur, ist das Verstehen des astronomischen Systems die Grundlage jeder Zeitmessung. «In jeder Armbanduhr steckt ein Modell der Erde.» Werner Anderegg sei kein abgehobener Tüftler gewesen, sondern ein natur- und volksverbundener Mensch der beispielsweise auch den Saatkalender («obsigehnd» und «nidsigehnd») in seine Uhren eingebaut habe.

Es werden auch Uhren aus andern Werkstätten gezeigt, so z. B. Abschlussarbeiten von Lehrlingen des Zeitzentrums oder eine Uhr von Roland Wyss (Solothurn). Die Ausstellung in Grenchen kann nur auf Anmeldung besichtigt werden. Die grösste astronomische Uhr von Anderegg aus dem Jahr 1963 ist im Uhrenmuseum La Chaux-de Fonds zu bestaunen.

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