Selzach
Der Bahnhof wird neu gestaltet – die Gemeinde will auch gleich «Nägel mit Köpfen» machen

Zwar soll das Ganze in Selzach erst 2026 umgesetzt werden. Aber der Gemeinderat will dennoch die Gelegenheit nicht verpassen, rechtzeitig zu planen.

Oliver Menge
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Bahnhof Selzach: Die SBB wollen ihn bis 2026 sanieren und umbauen.

Bahnhof Selzach: Die SBB wollen ihn bis 2026 sanieren und umbauen.

Oliver Menge

Bis in ein paar Jahren sollen alle Bahnhöfe auf der Strecke Biel - Olten umgestaltet und zum Teil neu gebaut werden. So auch der Bahnhof Selzach. Einerseits müssen die Perrons verlängert werden, weil die SBB offenbar in Zukunft auch Regionalzüge mit längeren Kompositionen auf dieser Strecke fahren lassen will und die jetzigen Perronanlagen nie und nimmer genügen.

Andererseits haben die SBB gemeinsam mit Procap, dem grössten Mitgliederverband von und für Menschen mit Behinderungen in der Schweiz die Bahnhöfe und Haltestellen hinsichtlich ihrer Tauglichkeit überprüft und kamen in Selzach zum Schluss, dass die aktuelle Unterführung den Ansprüchen nicht genügt. Die SBB haben mit der Einwohnergemeinde Selzach Ende Februar 2021 Kontakt aufgenommen und diese über ihre Pläne informiert, wie Gemeindepräsidentin Silvia Spycher an der letzten Gemeinderatssitzung erklärte. Ebenfalls involviert bei diesen Gesprächen war Bauverwalter Thomas Leimer.

Thomas Leimer, Bürgergemeindepräsident Bettlach.

Thomas Leimer, Bürgergemeindepräsident Bettlach.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Die Gelegenheit soll beim Schopf gepackt werden

«Die SBB können auf ihrem Gelände tun und lassen, was sie wollen», sagte dieser im Gemeinderat. «Aber es wäre schlau, wenn wir diese Gelegenheit nicht auch gleich ergreifen und das ganze Bahnhofsareal neu betrachten und gegebenenfalls den Plänen der SBB anpassen würden.» Leimer präsentierte dem Rat einen detaillierten Plan der vorgesehenen Umbauten, welche die SBB vornehmen wollen. Diesen Plan darf diese Zeitung aus rechtlichen Gründen leider nicht zeigen.

Das Perron soll in Richtung Westen verlängert werden, das Stumpengleis rechts kommt weg.

Das Perron soll in Richtung Westen verlängert werden, das Stumpengleis rechts kommt weg.

Oliver Menge

Die wesentlichsten Änderungen sind Folgende: Die Perrons werden in Richtung Westen verlängert, um wie viel ist noch nicht klar. Das Stumpengleis, wo früher die Rübenzüge beladen wurden, fällt weg. Das Bahnhofsgebäude bleibt bestehen, das Dach östlich davon ebenfalls, unter dem die jetzige Unterführung, die Billett- und Snackautomaten liegen bzw. stehen.

Die neue, behindertengerechte Unterführung nimmt wesentlich mehr Platz ein und kommt westlich des Bahnhofgebäudes hin. Die davor liegenden Parkplätze fallen weg, natürlich auch die bestehende Rampe. Die neue Unterführung liegt somit bei verlängerten Perrons wesentlich zentraler als die alte. Diese soll übrigens erst abgebrochen werden, wenn die neue fertiggestellt ist, was laut Leimer ja durchaus Sinn mache.

Ursprünglich hatte die SBB nur eine Sanierung der bestehenden Unterführung ins Auge gefasst. Was mit dem Schuppen passiert, ist offenbar nicht ganz klar, jedoch wäre dieser nur noch über die kleine Treppe erreichbar. Die SBB planen eine Umsetzung ihrer Pläne bis ca. 2026 bei Kosten von mehreren Millionen Franken.

Nicht einfach dem Zufall überlassen

Er und die Gemeindepräsidentin seien der Meinung, dass man den Bahnhofplatz nicht dem Zufall überlassen solle, erklärte der Bauverwalter. So seien beispielsweise von den SBB ein paar Veloständer östlich des Bahnhofgebäudes plus ein paar Abstellplätze für Motorräder eingezeichnet worden, «weil zufällig grad noch jemand daran gedacht hat, als man beschloss, eine neue Unterführung zu bauen».

Leimer führte aus, dass für die Gemeinde von grossem Interesse sein müsse, jetzt noch etwas weiter zu gehen und aktiv die eigene Planung des Bahnhofplatzes und der Umgebung voranzutreiben.

«Der Bahnhof soll ein Gesicht behalten und nicht dem schlechten Beispiel der Nachbargemeinde Bettlach folgen, wo man nur noch ein mehr oder weniger gutes Wartehäuschen hat.»
Anstelle der alten Unterführung haben die SBB hier Veloständer und Motorradplätze geplant - eine schlechte Lösung für die Gemeinde.

Anstelle der alten Unterführung haben die SBB hier Veloständer und Motorradplätze geplant - eine schlechte Lösung für die Gemeinde.

Oliver Menge

Man will deshalb mit demselben Planungsbüro, das auch bei der Neugestaltung des Bahnhofplatz Süd in Grenchen massgeblich beteiligt war (ssm Architekten), etwas ausarbeiten und beantragte deshalb beim Gemeinderat einen Planungskredit von 32'800 Franken für erste Studien. Gleichzeitig wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die nebst dem Bauverwalter aus Gemeindepräsidentin Silvia Spycher, FDP-Gemeinderat Simon Hugi, SP-Ersatz-Gemeinderat Stefan von Büren und CVP-Ersatz-Gemeinderat Tim von Däniken besteht. In Selzach ist im Gegensatz zu anderen Gemeinden, die über eine entsprechende Kommission verfügen, der Gemeinderat Planungsbehörde. Weiter sollen auch andere Akteure wie der BGU, die SBB und das Restaurant Bahnhof beigezogen werden.

Selzach hat die wohl einzige «Stauanlage» des Kantons

Der Lindlidamm Selzach im Winter 2018.

Der Lindlidamm Selzach im Winter 2018.

Hanspeter Bärtschi

Vorgeschichte: Im Jahr 2017 wurde der Lindlidamm vom Bundesamt für Energie – auf Veranlassung der kantonalen Fachstelle beim Amt für Umwelt – der Stauanlagenverordnung des Bundes unterstellt. Was eigentlich ursprünglich als Rückhaltebecken bei Extremhochwasser gedacht war, wurde so zu einer Stauanlage. Diese Unterstellung, die mit etlichen Unterhalts- und Überwachungspflichten verbunden ist, focht die Gemeinde Selzach beim Bundesverwaltungsgericht an – und blitzte ab. Auf einen Weiterzug ans Bundesgericht verzichtete man in der Folge und biss in den sauren Apfel.

Tobias Rüesch, ein auf Stauanlagen und entsprechende Reglemente spezialisierter Ingenieur aus St.Gallen, hat nun ein Papier ausgearbeitet – in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Umwelt Afu – das in der vorliegenden Form als Reglement vom Gemeinderat genehmigt werden sollte, bevor es an den Kanton weitergeleitet und mit dem regierungsrätlichen «Beschluss»-Stempel versehen wird.

Der Lindlidamm, die einzige Stauanlage im Kanton.

Der Lindlidamm, die einzige Stauanlage im Kanton.

Hanspeter Bärtschi

Eine Frage der Terminologie

Insbesondere die FDP-Fraktion hingegen zeigte Mühe und Christoph Scholl sagte sogar, das sei formell komplett falsch. Der Gemeinderat könne nicht ein Reglement genehmigen, dieses dann dem Kanton vorlegen, um es dann später mit eventuellen Abänderungen durch den Kanton nochmals zu genehmigen, ev. sogar durch die Gemeindeversammlung. Gemeindeverwalter Mario Caspar sagte, von der Terminologie her betrachtet handle es sich hier eher um ein Unterhaltskonzept als um ein Reglement im herkömmlichen Sinn.

Der Gemeinderat einigte sich schliesslich einstimmig auf eine Abänderung der Formulierung. Statt die Unterlagen des Ingenieurs dem Kanton «zur Genehmigung» vorzulegen, werden sie nun «zur abschliessenden Prüfung» vorgelegt. Dann kann man sich an die Ausarbeitung eines richtigen Reglements machen, sollte so eines noch nötig sein.

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