Grenchner Fasnacht

Umzugswagen ohne Zulassung: «Sture» MFK befolgt nur Vorschrift

Der Wagen der Froschzunft, als er noch im Bau war. (Archiv)

Der Wagen der Froschzunft, als er noch im Bau war. (Archiv)

Die Froschzunft hat für ihren Wagen mit aufwendigem Beleuchtungskonzept, mit dem sie am Nachtumzug teilnehmen will, keine Genehmigung von der Motorfahrzeugkontrolle Solothurn erhalten. Jetzt wird der Wagen von der Polizei eskortiert.

«Wir haben anlässlich unseres 60-Jahre-Jubiläums Tausende von Franken in den Wagen gesteckt. Und jetzt das...», empört sich ein Mitglied der Froschzunft am Telefon. Schwarz sei er, damit die extra montierte Beleuchtung so richtig zur Geltung komme. «Und jetzt erhalten wir keine Bewilligung für das Fahrzeug, das ist doch nicht normal!»

Rückblende: Der Donnerstagabend war schon seit längerem ein Sorgenkind der VFZ, der Vereinigten Faschingszünfte Grenchens. Beim Fackelumzug beklatschten entlang der Route eigentlich nur sehr wenige Leute das Treiben und auch bei der Proklamation blieben die Fasnächtler meist unter sich.

Dem wollte man ein Ende setzen und will nun erstmals am Donnerstag vor der Proklamation einen Nachtumzug mit allen Zünften und Guggenmusiken durchführen.

Nicht auf der langen Umzugsroute vom Sonntag, sondern auf der kurzen, wie sie schon beim Fackelumzug üblich war. Die Zünfte wurden dazu aufgefordert, sich für diesen Umzug etwas einfallen zu lassen und wirkungsvolle, beleuchtete Wagen herzustellen.

Speziell für den Nachtumzug

Die Froschzunft fährt normalerweise beim Umzug auf einem eigens dafür konstruierten Wagen, auf dem alle Musiker Platz haben. Und man wollte das auch am Nachtumzug so handhaben. Ein spezieller Wagen, ganz in Schwarz mit einem aufwendigen Beleuchtungskonzept wurde in wochenlanger Fronarbeit hergestellt.

Doch als Umzugschef Urs Rösselet auf der MFK Solothurn die Einzelzulassung einholen wollte, gab es ein klares und unmissverständliches Nein seitens der Beamten. Die Begründung: Wenn so ein Fahrzeug unterwegs ist, muss zwangsläufig die ganze Strecke vom restlichen Verkehr abgesperrt sein. Das ist am Sonntag der Fall beim grossen Umzug, nicht so am Donnerstag. «Bis jetzt hatten wir am Fackelumzug eine mobile Truppe, welche die Absperrungen jeweils vor und hinter dem Umzug wahrgenommen hat. Wir dachten, das sei auch beim Nachtumzug möglich, der sich ja auf derselben Strecke bewegt wie früher der Fackelumzug. Aber das genügt leider nicht, hat man uns gesagt.»

Nichts von Vorschrift gewusst

Thomas Meister, seines Zeichens Obernarr – eigentlicher Machthaber in Grenchen während der närrischen Zeit – und seine Mitstreiter müssen nun klein beigeben. Man habe schlicht nichts von dieser Vorschrift gewusst. Zwar versuchte man letzte Woche noch, die Sache zu retten, aber die Beamten auf der Motorfahrzeugkontrolle blieben hart und unerbittlich. Ohne Sperrung der Strecke keine Fahrerlaubnis. «3000 Leute zu Fuss dürfen, ein Fahrzeug ohne Fahrerlaubnis darf nicht, etwas unverständlich für uns», sagt Obernarr Thomas Meister. Aber Vorschrift sei halt Vorschrift.

An einer Sitzung mit Hugo Kohler und Michael Herzog von der Stadtpolizei Grenchen wurde auch klar, dass diese innert so kurzer Zeit kein Personal oder den Zivilschutz aufbieten kann, um den Sperrdienst sicherzustellen. «Aber sie haben uns versprochen, uns so gut es geht zu unterstützen, das ist doch vielversprechend», so der Obernarr.

Nun will man den Wagen der Froschzunft ohne Zulassung, unbemannt und unbeladen unter Polizeischutz mit Blaulicht von der Halle, wo er gebaut wurde, bis zum Zeitplatz bringen, wo er dann stationär eingesetzt wird. «Die Fröscheler können dann dort während des Umzugs ihre eigene Chilbi feiern, ihre Discobeleuchtung zur Geltung bringen, und wir benutzen dann nach dem Nachtumzug den Wagen für die Proklamation. So ist allen geholfen.»

Danach wird das Fahrzeug dann wieder, eskortiert von der Stadtpolizei, zurückgebracht. Sofern Solothurn die Erlaubnis dazu erteilt.

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