Kickboxen
100 Prozent Arbeiten – 100 Prozent Sport: Sie boxt sich überall durch

Das Training besteht aus Technik, Kraft, Kondition und Sparring, aber Kickboxen ist auch Kopfsache, wie die Solothurner Sportlerin weiss. Seit sie einen Muay-Thai-Kampf gesehen hat, war für sie klar: Sie will einmal im Ring stehen.

Beatrice Kaufmann
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Stefanie Probst posiert im Trainingslokal extra für die Kamera.

Stefanie Probst posiert im Trainingslokal extra für die Kamera.

Tina Dauwalder/Thomas Ulrich

«Wenn man hundert Prozent arbeitet und hundert Prozent Sport treibt, macht man nebenbei nicht mehr viel.» Ein Lebensstil, den nicht viele auf sich nehmen würden. Die Frau, aus deren Mund diese Worte stammen, widerlegt nicht nur Vorstellungen über Freizeitbeschäftigungen junger Menschen, sondern auch manches Klischee über Sportkarrieren und Kampfsportler.

Stefanie Probst ist 27 Jahre alt, hat Kommunikations- und Medienwissenschaften studiert und wirkt vom ersten Moment an sehr sympathisch. Die Solothurnerin mit den braunen Locken hat vor zwölf Jahren mit TaeBo begonnen («vorher war ich ein Sportmuffel») und vor drei Jahren zum Kickboxen gewechselt, steht seit zwei Jahren im Ring und ist seit einem Monat Schweizer Meisterin in ihrer Gewichtsklasse. Was sie tut, tut sie offenbar mit vollem Einsatz. Hundert Prozent Arbeit – hundert Prozent Sport.

Begonnen hat die steile Sportkarriere in Thailand, wo Probst einem Muay-Thai-Kampf beigewohnt hat. «Ich war fasziniert. In dem Moment wurde mir klar: Ich will auch einmal im Ring stehen», weshalb sie noch in Thailand mit dem Kickbox-Training begonnen habe.

Zu Hause gings dann weiter: Probst trainierte bei Trainer Levent Liechti und besuchte von Beginn an jede Trainingsstunde. Vor zwei Jahren eröffnete sie mit fünf weiteren Kickboxern zusammen das Raion Dojo in Wangen an der Aare, wo sie oft auf der Matte steht: «Wenn keine Wettkämpfe anstehen, trainiere ich drei bis vier Mal pro Woche. Vor den Wettkämpfen sechs bis sieben Mal inklusive Jogging und individuellem Krafttraining.»

Das Training bestehe aus Technik, Kraft, Kondition und Sparring, «aber Kickboxen ist auch mega Kopfsache.» Wenn ihr die Kraft ausgehe, brauche es viel Disziplin, um weiterzumachen.

«Ich finde das faszinierend und es ist ein gutes Gefühl, wenn man es geschafft hat.» Dabei seien die Trainer sowie die weiteren Mitglieder wichtige Stützen, da man einander gegenseitig anfeuere – im Training wie im Kampf.

Überhaupt sei der Zusammenhalt sehr gross, «grösser als in manchen Teamsportarten». Zudem werde ab der ersten Minute eines jeden Trainings Disziplin verlangt: in Form von Pünktlichkeit, dem Gruss vor dem Betreten der Matte oder dem Schweigen während des Trainings. «Das mag für manche am Anfang etwas komisch sein», für sie gehöre Disziplin jedoch dazu.

Im Verlauf des Gesprächs bleibt es schwer vorstellbar, dass die junge und scheinbar zierliche Frau regelmässig Gewalt gegen andere Menschen anwendet. «Beim ersten Kampf hatte ich schon ein komisches Gefühl.

Es geht schliesslich darum, anderen Menschen wehzutun, das ist zunächst mal gegen die eigene Natur.» Aber man gewöhne sich daran, zumal man keine persönlichen Auseinandersetzungen austrage: «Es ist ein Messen in einer sportlichen Disziplin.»

Ein kurzes und heftiges Messen, verglichen mit den Stunden, die Kickboxerin Probst im Dojo, wie der Trainingsraum traditionell bezeichnet wird, verbringt: «Ein Kampf dauert drei mal zwei Minuten. Das klingt nach wenig, in dieser Zeit gibt man aber alles.»

Weshalb neben der Technik vor allem Schnelligkeit und Kondition gefragt seien: «Ich muss schnelle und harte Kombinationen schlagen und schnell ausweichen können.» Da bleibt keine Zeit, um sich Gedanken zu machen – etwa über einen Schweizer-Meister-Titel, der in greifbarer Nähe liegt. «Den Titel hatte ich im Hinterkopf. Aber nicht während des Kampfes. Da habe ich immer nur ein Ziel: Ich will gewinnen und am Schluss mit mir selbst zufrieden sein.»

Ein Ziel, das Probst mit dem Gewinn des weiss-rot-goldenen Siegergurts mehr als erreicht hat. Und wie gehts jetzt weiter? «Momentan steht kein konkreter Kampf an.» Nach dem Titelkampf ist die «Saison» für die Solothurnerin vorüber.

Nun trainiere sie weiter, um für die Kämpfe im nächsten Jahr fit zu sein. Auch die Teilnahme an internationalen Turnieren könne sie sich gut vorstellen. Wo genau sie 2016 im Ring steht, sei jedoch noch offen.

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