Solothurner Spitäler
Busse für Bagatell-Notfälle ist «nur auf den ersten Blick eine gute Idee»

FDP-Sprecherin Verena Meyer räumte an der Kantonsratssitzung ein, dass die Einführung von Bagatell-Zuschlägen für Patienten, die ohne echte Not die Notfallstation aufsuchen, wohl doch keine so gute Idee sei.

Drucken
Teilen
Die Zunahme der Patientenzahl in den Notfallstationen und der hohe Anteil eben solcher «Bagatellfälle» gebe zu denken, so FDP-Sprecherin Verena Meyer.

Die Zunahme der Patientenzahl in den Notfallstationen und der hohe Anteil eben solcher «Bagatellfälle» gebe zu denken, so FDP-Sprecherin Verena Meyer.

Solothurner Spitäler

Das kommt im Politbetrieb nicht alle Tage vor: FDP-Sprecherin Verena Meyer (Mühledorf) räumte ein, dass die von ihrer eigenen Fraktion angeregte Einführung eines «Bagatellzuschlags» von 100 bis 200 Franken für Patienten, die ohne echte Not die Notfallstation eines Spitals beanspruchen, wohl nur auf den ersten Blick eine gute Idee war.

Wohl gebe die Zunahme der Patientenzahl in den Notfallstationen und der hohe Anteil eben solcher «Bagatellfälle» zu denken. Aber es könnten auch hohe Kosten durch Klagen gegen zu Unrecht erhobene «Bagatellzuschläge» entstehen, so Meyer. Sie zeigte sich von der Beantwortung der FDP-Interpellation durch den Regierungsrat zufrieden. Und in dieser Beantwortung hatte die Regierung eben dargelegt, weshalb sie nun gar nichts von der Einführung eines «Bagatellzuschlags» hält.

Zum einen würde das ohnehin in der Kompetenz des Bundes und nicht des Kantons liegen. Zum anderen würden auch verschiedene sachlicher Gründe gegen die Idee sprechen. So stelle sich bei näherer ärztlicher Untersuchung scheinbar harmloser Beschwerden nicht selten heraus, dass durchaus ein ernsthaftes medizinisches Problem vorliegt.

Droht ein «Bagatellzuschlag», könnte das zur Folge haben, dass die Notfallstation nicht aufgesucht wird und dann nachträglich erheblich höhere Behandlungskosten anfallen als dies bei einer sofortigen Intervention der Fall gewesen wäre. Weiter wurde darauf verwiesen, dass am Bürgerspital Solothurn und am Kantonsspital Olten seit Jahren vorgelagerte Notfallstationen mit einem hausarztpraxis-ähnlichen Equipment betrieben werden. Es findet eine Triage statt: Einfachere medizinische Behandlungen werden den gemeinsam mit Hausärzten geführten, vorgelagerten Notfallstationen zugewiesen. Diese Patienten werden so behandelt, wie wenn sie eine Hausarztpraxis aufgesucht hätten.

Das System trägt nicht zuletzt dem Umstand Rechnung, dass die Zunahme der Konsultationen in Notfallstationen auch auf den der Hausärztemangel zurückzuführen ist und zunehmend weniger Grundversorger Nacht- und Wochenenddienste leisten. (mou)

Aktuelle Nachrichten