Aufräumarbeiten
Der Schaden durch Sturm Burglind ist grösser als erwartet

Mehr als zwei Monate sind seit dem Sturm Burglind vergangen. Und die Aufräumarbeiten laufen immer noch auf Hochtouren. Daneben gilt es, die Borkenkäfer in Schach zu halten.

Lara Enggist
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Förster schaffen immer noch gefallene und entwurzelte Bäume aus den Wäldern

Förster schaffen immer noch gefallene und entwurzelte Bäume aus den Wäldern

Alex Spichale

Entwurzelte Bäume, abgerissene Äste und gesperrte Waldwege. Die Nacht vom 4. Januar war für so manchen Feuerwehrmann und Forstwart eine Horrornacht. Der Sturm «Burglind» fegte durch die Schweizer Wälder und hinterliess ein einziges Bild der Verwüstung. Nur wenige Tage nach dem Wintersturm spekulierte man bereits über das Ausmass des Schadens. Genau konnten die Förster dieses aber noch nicht benennen. Wie steht es zweieinhalb Monate später um die Wälder der Region?

Im Kanton Solothurn wurde das durch «Burglind» verursachte Sturmholz bis anhin auf 100'000 Kubikmeter geschätzt. Laut dem Kantonsoberförster Jürg Froelicher vom Amt für Wald, Jagd und Fischerei, ist der Schaden noch immer nicht genau bezifferbar. «Was man jetzt schon sagen kann: Es wird mehr, als erwartet».

Alleine das Gäu decke schon ein Drittel der geschätzten Holzmenge ab. Man wollte die Forstbetriebe bisher noch nicht mit Erhebungen belasten. Diese arbeiten Froelicher zufolge immer noch auf Hochtouren, um das Sturmholz so schnell wie möglich aus den Wäldern zu schaffen. «Die Arbeiten werden sicher noch bis Mitte Jahr andauern», fügt er hinzu.

Das Waldstück bei Kestenholz wurde im Januar 2018 durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.
15 Bilder
Das Waldstück bei Kestenholz wurde durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.
Im Ballypark musste eine gut 100-jährige Buche entfernt werden, die wegen Sturm «Burglind» direkt auf eines der Pfahlbauerhäuschen kippte.
Im Ballypark musste eine gut 100-jährige Buche entfernt werden, die wegen Sturm «Burglind» direkt auf eines der Pfahlbauerhäuschen kippte.
Dieser Lastwagen fiel «Burglind» zum Opfer. Er blockierte die Durchfahrt auf der Autobahn A1 Fahrtrichtung Bern zwischen Oensingen und Niederbipp.
In Biberist fiel ein Baum auf Auto in Biberist – eine Person wurde dabei leicht verletzt.
Nicht mehr dort, wo es sein sollte: Ein Trampolin statt im Garten auf der Aarauerstrasse in Obergösgen.
Heftige Gebäudeschäden an einem alten Bauernhaus an der Hauptstrasse in Neuendorf.
Sturm Burglind: Die eindrücklichsten Bilder aus dem Kanton Solothurn
In der Werkhofstrasse in Solothurn wurde ein Baum entwurzelt.
Ein anderer Baum fiel auf Leitung der Bahnlinie bei Riedholz und blockierte die Strecke des Aare-Seeland-Mobils.
Auch in Wangen bei Olten musste die Feuerwehr einen Baum von der Strasse räumen.
Wegen herabstürzender Ziegel war der Obere Winkel in Solothurn gesperrt.
Beim Solothurner Konzertsaal stürzten Bäume auf Autos.
Bei der Dorfmetzgerei in Neuendorf stürzte eine Tanne direkt vor die Ladentür.

Das Waldstück bei Kestenholz wurde im Januar 2018 durch den Sturm «Burglind» arg in Mitleidenschaft gezogen.

Christian Merz

Gäuer Wald leidet besonders stark

In den Revieren Mittleres und Oberes Gäu, besonders in den Gemeinden Oensingen, Neuendorf, Kestenholz und Niederbuchsiten, schätzt man den Schaden auf mindestens 30'000 Kubikmeter. Doch auch die Wälder in den Gebieten Riedholz, Flumenthal, Hauenstein und Niederamt haben Froelicher zufolge stark gelitten. Dort habe man schon wenige Tage nach dem Sturm erahnt, dass die Aufräumarbeiten mindestens ein halbes Jahr andauern werden.

Heute: Tag des Waldes

Der Wald ist Erholungsort, Lebensraum, Klimaschützer und Holzlieferant in einem – nicht umsonst wird er auch «grüne Lunge» genannt. Weil er für Mensch und Umwelt so wichtig ist, hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) den Tag des Waldes geschaffen.

Seit 1971 ist der 21. März deshalb nicht mehr nur der astronomische Frühlingsanfang, sondern auch der Internationale Tag des Waldes. Ein Ziel des Tages ist, auf die grosse Bedeutung des Waldes für das Klima aufmerksam zu machen und gegen grossflächige Abholzungen und für eine nachhaltige Waldwirtschaft ein Zeichen zu setzen.

Die Menge des Sturmholzes im Revier Leberberg wurde ursprünglich auf 8000 bis 10'000 Kubikmeter geschätzt. Nun ist laut Hans Haas vom Forstbetrieb Leberberg mit bis zu 12'000 Kubikmeter Holz zu rechnen. Aber die Arbeiten dauern mindestens noch bis Anfang der Sommerferien, bis dahin könne sich diese Zahl noch ändern. «Wir haben Streuschäden, also nur einzelne gefallene Bäume, aber auch Flächenschäden», sagt Haas. Deshalb sei es so schwierig, die effektive Holzmenge einzuschätzen.

Besonders der Wald im unteren Leberberg litt unter den Windböen. 1967 sei nach einem Sturm eine ganze Fläche neu bepflanzt worden. Laut Haas konnten diese Bäume «Vivian» und «Lothar» trotzen, nicht aber «Burglind». Es habe nicht nur kranke und faule Bäume erwischt, sondern auch kerngesunde. «Es handelt sich um die Holzmenge, welche wir normalerweise in einem Jahr aus dem Wald nehmen», sagt Haas. Unter diesen Umständen werde man im Revier Leberberg in diesem Jahr natürlich nicht mehr viele noch stehende Bäume fällen. Da es sich um lokale Sturmschäden handle, entstehe dadurch kein Holzüberschuss. Der Preis sei daher nicht gesunken und das Holz kann wie gewohnt an die Abnehmer verkauft werden.

Andere Reviere im Kanton litten weitaus weniger. Im Bezirk Bucheggberg musste der Forstbetrieb im öffentlichen Wald «nur» rund 4500 Kubikmeter Sturmholz aufrüsten. Damit hat Revierförster Mark Hunninghaus gerechnet, die Aufräumarbeiten seien Ende dieses Monats bereits beendet. «Schade ist einfach, dass wir daran keinen Rappen verdienen», fügt er hinzu. Einzelne Bäume aus dem Wald zu schaffen, sei sehr aufwendig und bringe kaum Ertrag ein.

Kampf der Borkenkäferplage

Kann man den Sturm «Burglind» in einigen Bezirken also schon fast vergessen? Nicht ganz. Nun gelte es, die Borkenkäfer in Schach zu halten. Die liegenden Bäume bieten sich für die Insekten nämlich optimal als Brutstätte an und würden früher oder später auch die gesunden Bäume befallen. «Verhindern kann man das nur, indem man den Wald wirklich sauber aufräumt», betont Hunninghaus. Konkret bedeutet dies, dass auch die Baumkronen des Sturmholzes aus dem Wald entfernt werden müssen, welche im Normalfall liegen bleiben. Da der Borkenkäfer trockenes Klima bevorzuge, sei zu hoffen, dass Frühling und Sommer eher nass ausfallen. «Sonst werden einige Förster mit chemischen Mitteln gegen die Käfer vorgehen müssen».

Ab nächster Woche wird das Amt für Wald, Jagd und Fischerei mit einer Datenerhebung der effektiven Sturmschäden beginnen. Wie viel Holz tatsächlich aus den Wäldern befördert werden muss, wird man wohl erst im Sommer erfahren.

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