Bevölkerungsstatistik
Die Rangliste der beliebtesten Gemeinden im Kanton Solothurn

Welche Gemeinde ist für Zuzüger besonders attraktiv, welcher kehren die Einwohner den Rücken? Wohin zieht es Ausländer, und welche Gemeinde bürgert diese oft ein?

Stefan Frech
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Alois Winiger

Erstmals liegen für die 118 Solothurner Gemeinden Bevölkerungszahlen vor, die auf genannte Fragen fürs Jahr 2011 detaillierte Antworten ermöglichen. Die vom Bundesamt für Statistik (BFS) zusammengetragenen Daten aus den Einwohnerregistern zeigen, dass 2011 vor allem die kleinen, abgelegenen Gemeinden Einwohnerinnen und Einwohner verloren haben (sie hatten mehr Wegzüger als Zuzüger oder auch mehr Todesfälle als Geburten).

Die 300-Seelen-Gemeinde Beinwil am Passwang hat 5,3% ihrer Wohnbevölkerung eingebüsst, gefolgt von Heinrichswil-Winistorf (heute Drei Höfe) im äusseren Wasseramt (-4,5%) und Biezwil im Bucheggberg (-3,7%). In diesen drei Gemeinden ist auch in den früheren Jahren die Einwohnerzahl zurückgegangen.

Bucheggberger ziehen weg

Solothurn verzeichnete 2011 mit 242 Personen den grössten Wanderungsgewinn aller Bezirke. Mehr Zu- als Wegzüger hatten auch die Bezirke Gäu und Olten sowie etwas geringer Lebern und Dorneck. Den grössten Wanderungsverlust weist der Bucheggberg aus. Aus jenem Bezirk zogen im Jahr 2011 506 Personen weg, nur 444 kamen gleichzeitig neu hinzu (Wanderungssaldo: -62). Die Wegzüger verlegten ihren Wohnsitz vor allem in andere Solothurner Gemeinden. Einen Wanderungsverlust weisen auch die anderen ländlich geprägten Bezirke Thal und Thierstein auf. (sff)

Raumplanung verhindert Wachstum

In Heinrichswil-Winistorf sind im Jahr 2011 49 Personen weggezogen und nur 24 liessen sich neu im Dorf nieder. Gemeindepräsident Thomas Fischer hat keine klare Begründung: «Wenn in einer kleinen Gemeinde ein paar Familien wegziehen, sinkt die Bevölkerungszahl sofort rapid.» Jedenfalls hat Fischer wenig Hoffnung auf Besserung: «Wir können schon froh sein, wenn wir in den nächsten Jahren unsere Einwohnerzahl stabil halten können.» Die neuen Bestimmungen in der Raumplanung würden die Einzonung neuer Wohnzonen praktisch verhindern. «Immerhin haben wir im Moment noch sechs Bauplätze.»

Wenig beliebter Kanton

Im ganzen Kanton Solothurn hat die ständige Wohnbevölkerung 2011 um 0,7 Prozent zugenommen. Mit diesem Wert liegt unser Kanton unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von 1,1 Prozent. Unterdurchschnittlich war das Bevölkerungswachstum auch in den vorderen Jahren: 2008 0,6 Prozent (Schweiz 1,4 Prozent), 2009 0,4 Prozent (1,1 Prozent) und 2010 0,8 Prozent (1,0 Prozent). Im Jahr 2011 betrug der Wanderungssaldo kantonsweit +1059 Personen. Davon kamen 835 aus dem Ausland und 224 aus anderen Kantonen. (sff)

Am anderen Ende der Bevölkerungsstatistik liegt Oensingen: Diese Gäuer Gemeinde mit Zentrumsfunktion wies Ende 2011 4,7% mehr Einwohnerinnen und Einwohner auf als noch zu Beginn des Jahres (+248 auf 5477). Dieser Spitzenwert ist kein einmaliger Ausreisser: Auch in den Vorjahren 2009 und 2010 wuchs die Bevölkerung Oensingens um insgesamt 394 Personen.

Im Gegensatz zu Heinrichswil-Winistorf hat Oensingen viel Land eingezont, das in den vergangenen Jahren mit grossen Wohnparks überbaut wurde («Leuenfeld», «Mühlefeld»). Eine andere Gemeinde, die - gemessen an ihrer Gesamtbevölkerung - seit 2009 besonders viele Zuzüger hatte, ist Hubersdorf. Anfang 2009 lebten 667 Personen im Dorf, drei Jahre später, Ende 2011, waren es bereits 727.

Balm verlor viele Einwohner

Betrachtet man nur die Wanderungsbilanz (also die Differenz von Zu- und Wegzügen ohne Todesfälle und Geburten), lässt sich die Frage nach der beliebtesten und der unbeliebtesten Gemeinde in der Region Solothurn beantworten. Am meisten Zuwanderer hatten 2011 - gemessen an ihrer Gesamtbevölkerung - Oensingen (566 Personen), Solothurn (1607) sowie Feldbrunnen-St. Niklaus (90) und Härkingen (128).

In Solothurn und Härkingen befanden sich besonders viele Ausländer unter den Zuzügern, in Feldbrunnen viele Neuankömmlinge aus anderen Kantonen und Härkingen zog vor allem bereits im Kanton lebende Personen an. Aus welchen Ländern und Kantonen die Zuzüger stammten, geht aus den vorliegenden STATPOP-Daten des BFS (noch) nicht hervor.

Städte bürgern oft ein

Dass vor allem kleine Gemeinden 2011 keine Ausländer eingebürgert haben, ist nicht überraschend. Aber auch Obergerlafingen, Günsberg und Schnottwil, die mehr als 1000 Einwohner aufweisen, haben keine einzige Einbürgerung zu verzeichnen. Am meisten Einbürgerungen gab es in den Städten und grossen Agglomerationsgemeinden: Olten (232), Grenchen (160), Solothurn (132), Trimbach (130), Zuchwil (121) und Gerlafingen (111). Den Rekord unter den kleinsten Gemeinden halten Boningen und Hubersdorf mit je 8 Einbürgerungen. (sff)

Beim Kanton Solothurn ist man daran, ein Auswertungstool zu entwickeln, mit dem die von den Gemeinden vierteljährlich gemeldeten Einwohnerdaten statistisch ausgewertet werden können. «Dann können wir Aussagen darüber machen, aus welchen Ländern, Kantonen und Gemeinden besonders viele Menschen einwandern oder dorthin wegziehen», erklärt Peter Rytz vom kantonalen Statistikdienst.

Und wo lagen 2011 die «unbeliebtesten Gemeinden» in der Region Solothurn? Gemessen an ihrer Bevölkerungszahl «flohen» die meisten Personen aus Balm bei Günsberg (29), Oberbuchsiten (233), Tscheppach (21) und - überraschenderweise auch - aus Feldbrunnen-St. Niklaus (100).

Quelle: STATPOP, 2011, Bundesamt für Statistik (BFS)

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