Verschenken und verkaufen
Eine Wegwerfgesellschaft macht auf Facebook mobil

Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. Um dagegen zu halten, sind auf dem Sozialen Netzwerk Facebook zahlreiche Gruppen entstanden, in denen Personen aus dem Raum Solothurn Waren verschenken, verkaufen oder auch suchen können.

Lea Durrer
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Auch Tassen, die man nicht mehr braucht, finden meist einen dankbaren Abnehmer.

Auch Tassen, die man nicht mehr braucht, finden meist einen dankbaren Abnehmer.

Peter Siegrist

Der Schrank im Gästezimmer wird nicht mehr gebraucht, ein neuwertiges Sofa passt nicht mehr in die neue Wohnung oder der eigentlich funktionierende Flachbildschirm wird durch ein moderneres Gerät ersetzt.

Das ist Alltag in unserer Gesellschaft. Möbel, Alltagsegenstände oder andere Objekte kommen in unser Leben, werden ausgewechselt oder einfach ausrangiert. Doch wohin mit den Sachen, die noch funktionstauglich und zu schade sind, um in der Entsorgungsanlage zu laden? Die Brockenstuben nehmen wiederverkäufliche Waren an. Das Platzangebot ist aber begrenzt. Waren werden meist nur dann angenommen, wenn dafür Platz im Laden besteht. Und Geld gibt es dafür nicht.

Wer aber noch etwas für seinen Fernseher oder das Sofa haben will, startet eine Anzeige in einer Zeitung, beim Detailhändler oder im Internet. Nebst Portalen, auf denen Kleinanzeigen aus der ganzen Schweiz erscheinen, gibt es aber auch eigene Gruppen auf dem Sozialen Netzwerk Facebook, die ein Weitergeben der Waren möglich machen.

Alleine für die Region Solothurn sind im letzten Jahr rund ums Thema Wegwerfgesellschaft mehrere Facebook-Gruppen gegründet worden. Eine davon ist «Zu verkaufen im Raum Solothurn». Hier kann gepostet werden, was im eigenen Haushalt nicht mehr benötigt wird und wofür man gerne einen finanziellen Beitrag erhalten würde.

Ökologischer Aspekt mischt mit

Das ist aber nicht im Sinn von Mark von Gunten. Er ist Administrator der Gruppe «Zu verschenken im Raum Solothurn». «Ich bin sehr fürs Schenken», meint der 36-jährige Rüttener, denn er sei davon überzeugt, dass das Geschenk im richtigen Moment zurückkomme. Grundsätzlich ist ihm wichtig, dass man der Wegwerfgesellschaft entgegenhalten kann.

Solche Verschenken-Gruppen gibt es auf Facebook massenhaft. Meistens sind sie aber nicht definiert, was die Region betrifft. «Ich habe fast nicht geglaubt, dass es eine solche Gruppe im Solothurnischen nicht gibt», erinnert sich von Gunten zurück. Weil ihm auch der ökologische Aspekt - «man sollte nicht 100 Kilometer fahren, um ein paar Schuhe oder drei Tassen abzuholen» - wichtig ist, hat er dann im Juli 2013 eine eigene Gruppe gebildet. Diese beschränkt sich auf den Raum Solothurn und besteht aus etwas mehr als 2000 Mitgliedern.

Die Seite gibt viel zu tun. Im Schnitt nimmt sich von Gunten einmal pro Tag Zeit, Anfragen zu bearbeiten und auf der Seite zum Rechten zu schauen. Mehr Zeit investieren kann und will er nicht: «Das ist nicht mein Beruf. Ich habe auch anderes zu tun.»

Spam säubern

Mit einer Sache haben Brockenstuben ganz sicherlich kein Problem: Spam. Den Administratoren der Facebook-Gruppen hingegen, machen genau diese Beiträge viel Arbeit. Postet jemand eine Kreditanfrage oder einen anderen unangebrachten Beitrag, müssen sie aktiv werden und säubern. «Diese Einträge müssen wir mühsam wieder herauslöschen», so Mark von Gunten.

Dieses Problem kennt auch Melanie Pfeuti. Die 23-Jährige betreibt zusammen mit ihrem Kollegen Dominik Sauter die «Solothurner Pinnwand». Hier sind jegliche Art von Beiträgen willkommen, solange es ums Verschenken, Tauschen und Suchen geht. Verkäufe werden ausdrücklich nicht zugelassen. «Heutzutage geht es vielen nur um Profit, und das möchte ich nicht unterstützen», meint Pfeuti. «Beiträge, in denen etwas verkauft werden soll, werden ohne Kommentar gelöscht.» Auch alles andere Unpassende wie bspw. Kreditanfragen werde entfernt. Spamer werden verwarnt. Verstossen sie erneut gegen die Regeln, werden sie aus der Gruppe verbannt.

Doch grundsätzlich soll es bei der «Solothurner Pinnwand» darum gehen, sich gegenseitig zu helfen. Seit Juni 2014 ist die Seite online; etwas über 430 Facebook-Nutzer sind seither beigetreten. Angeboten bzw. gesucht wird Allerlei: Legos, ein spezielles Parfüm aus den 90er Jahren («schwierige Suche» meinen die anderen Nutzer) und einen Plättlileger.

An ein «sensationelles» Angebot kann sich Mark von Gunten von «Zu verschenken im Raum Solothurn» noch sehr gut erinnern. «Ein richtig gutes Teleskop wurde angeboten. Das war innerhalb einer Minute weg.»

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