Auf Patrouille
Er entschied sich vor 35 Jahren für den TCS und gegen Safaris in Botswana

Andreas Stuber ist als TCS-Patrouilleur seit über 30 Jahren im Einsatz. Das Fazit des Flumenthalers ist durch und durch positiv: «Das Schöne an meinem Beruf ist, dass die Leute immer Freude haben, wenn sie mich sehen.»

Hans Peter Schläfli
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Mit Andreas Stuber auf Patrouille
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Andreas Stuber kontrolliert zur Sicherheit eine entladene Batterie, bevor er einen Jumpstarter anschliesst.
Der Bordcomputer liefert auch noch Tipps und Tricks zu allen möglichen Automodellen
Andreas Stuber vor seinem brandneuen VW Caddy.

Mit Andreas Stuber auf Patrouille

Hans Peter Schläfli

Bevor er den Jumpstarter anschliesst, überprüft Andreas Stuber in einer Bettlacher Tiefgarage die Batterie des Hondas mit einem Messgerät. Falls diese wegen eines sogenannten Zellenschlusses defekt ist, muss er sie auswechseln. Sie ist aber nur entladen, weil der Besitzer vergessen hatte, die Innenbeleuchtung auszuschalten.

Der TCS-Patrouilleur startet den Motor. «Selbstverschulden», klickt Studer auf dem Computer an und dann «kostenlos», weil der Besitzer Mitglied beim TCS ist. «Fehler passieren jedem. Der Touringclub ist eben keine Versicherung, sondern ein Club, und wir stellen keine dummen Fragen, sondern helfen dem Mitglied.» Dann erklärt er dem jungen Mann noch, dass es etwa 45 Minuten dauert, bis die Batterie wieder genügend geladen ist und er den Motor abstellen darf.

«Ich habe einen Traumjob»

Seit 35 Jahren ist Andreas «Res» Stuber Patrouilleur beim TCS. Dabei wäre er als junger Automech beinahe ausgewandert. «Ich hatte ein Angebot, als Chauffeur und Mechaniker in Botswana auf Safari zu gehen. Aber irgendwie hatte ich wohl nicht den Mut.» Der Entscheid sei richtig gewesen. «Ich habe einen Traumjob, und der TCS ist ein ausgezeichneter Arbeitgeber.»

Die Arbeitszeit beginne vor seiner Haustür in Flumenthal, sobald er den Bordcomputer starte. «Man kann zwar am Abend den Bettel nicht einfach hinschmeissen und Feierabend machen, wenn noch ein Einsatz ansteht. Aber dafür wird jede Minute Überzeit korrekt angerechnet.»

Das sind die Pannenursachen

- 35% Batterie

- 15% Motorelektronik (Einspritzung, Zündung, Sensorik)

- 14% Schäden an Karosserie, Lenkung, Bremsen, Fahrwerk, Getriebe

- 12% Generator, Anlasser, Beleuchtung, Kabelschäden

- 7% Motorschäden

- 6% Reifenschäden

- 5% Treibstoffanlagen

- 5% Kühlung, Heizung, Auspuffanlagen

- oft wird auch einfach der Zündschlüssel im Auto vergessen.

Der knallgelbe Diesel fährt unter falscher Flagge: «Alfa Romeo» steht auf dem Lenkrad, dabei ist es VW Caddy und erst noch das neuste Modell. Die eingebauten Werkzeugkisten waren noch ein Prototyp, als Stuber das Auto übernehmen durfte. «Ich bin Fan und habe früher mit Alfa Romeo gearbeitet. Zusammen mit einem Freund habe ich neun Jahre an einem 1750er herumgeschraubt, und mein Bruder hat einen Montreal, den wir in den nächsten Jahren renovieren möchten.»

Nur zu Hause dreckige Finger

Das Improvisieren fehle ihm etwas im Beruf. Dreckige Finger gebe es fast nur noch zu Hause, wenn er an einem seiner Oldtimer, Motorräder oder Alfa Romeos schraube. «In den 35 Jahren als Patrouilleur hat sich die Technik total verändert. Damals brachte man jedes Auto auf irgendeine Art wieder zum Laufen, wenn nicht gerade die Kolben aus dem Motor herausschauten. Heute lese ich das Auto elektronisch aus und das Gerät sagt mir, welcher Sensor kaputt ist. Wenn ich nicht exakt diesen Sensor dabei habe, dann macht der Motor keinen Wank mehr, da gibt es nichts zu basteln oder improvisieren.»

Dafür liefert der Bordcomputer, der immer mit dem Internet verbunden ist, auch noch gleich Tipps und Tricks zu allen möglichen Automodellen. Aber jetzt steht da nur «nichts anstehend». Stuber hat zwei Optionen. «Ich darf das Auto gut sichtbar am Strassenrand oder noch besser auf einer Autobahnraststätte abstellen und eine Pause machen. Das Auto ist die beste Werbetafel für den TCS, findet der Chef. Den Bordcomputer muss ich aber immer im Auge behalten, denn der nächste Einsatz kommt sicher schon bald.»

Ein Unglück kommt selten allein

Der Patrouilleur wählt diesmal die andere Variante und fährt zurück nach Oensingen. Einem Mitglied war am Morgen das Benzin ausgegangen, deshalb entscheidet sich Stuber, den leeren Reservekanister in der Basis aufzufüllen. Gleichzeitig will er zwei kaputte Batterien gegen neue austauschen. Zehn verschiedene Modelle führt er im VW Caddy mit sich. «Manchmal ist es wie verhext, dann braucht es an einem Tag gleich drei, vier Batterien desselben Typs.» Murphy’s Law, nennt man das, oder auch «ein Unglück kommt selten allein».

In Wangen an der Aare beginnt der übliche Feierabendstau und Andreas Stuber entscheidet sich dafür, von der Autobahn zu fahren. «Man ist zwar nicht schneller, aber wenn ein neuer Einsatz kommt, bin ich flexibel.» Und tatsächlich: Schon wird der Patrouilleur von der Zentrale nach Alchenflüh geschickt, er kann wenden und zurück auf die A1 fahren, diesmal in Richtung Bern. «Normalerweise wird Alchenflüh durch die Berner Kollegen bedient, aber diese haben wohl gerade viel zu tun.»

Autofahrer wieder mobil gemacht

Wieder war es nur eine entladene Batterie – wie bei mehr als einem Drittel aller Einsätze. Die Bilanz am Ende eines ganz normalen Arbeitstages: zehn Liter Benzin in einen trockengelaufenen Tank gefüllt, mehrere Batterien überbrückt, zwei total kaputte Batterien ersetzt.

Andreas Stuber hat viele dankbare Autofahrer wieder mobil gemacht und sagt zum Feierabend: «Das Schöne an meinem Beruf ist, dass die Leute immer Freude haben, wenn sie mich sehen.»

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