Förderpreise 2020
Fünf Geförderte zeigen ihre Arbeiten in einem Haus

Die Förderpreisträger 2020 des Kantons für Bildende Kunst und Fotografie zeigen im Künstlerhaus S11 Arbeiten.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Dolografie-Aufnahmen von Stefanie Affolter.
3 Bilder
«In-Stasis» das nicht so gemütliche Esszimmer von Bessire/Winter.
Jakob F. Rieder vor einem seiner raumgreifenden Gemälde.

Die Dolografie-Aufnahmen von Stefanie Affolter.

Solothurner Zeitung

Martin Rohde, Vorstandsmitglied des Künstlerhauses S11 in Solothurn ist ziemlich zufrieden. «Die Kunstschaffenden, die wir in dieser Ausstellung präsentieren, sind für uns im Künstlerhaus keine Unbekannten. Schon früher sind wir auf einige von ihnen aufmerksam geworden und das beweist uns, dass wir mit unserem Programm auf der richtigen Spur sind.»

Es sind fünf Kunstschaffende, der Bereiche Bildende Kunst und Fotografie, welche der Kanton Solothurn in diesem Jahr ausgezeichnet hat. In ihrer Auszeichnung ist nämlich enthalten, dass sie m Künstlerhaus an einer Gruppenausstellung teilzunehmen können. So teilen sich Sabine Affolter, Céline Bessire und Matthias Winter, Sybill Häusermann und Jakob F. Rieder je eine Etage im Künstlerhaus an der Schmiedgasse 11, und präsentieren ihre Arbeit.

Jakob F. Rieder und seine Malerei

Da ist einmal der Bildende Künstler Jakob F. Rieder (*1987) aus Solothurn. Er wurde einem breiteren Publikum im «Freispiel» des Kunstvereins Solothurn anlässlich der Jahresausstellung 2018 näher bekannt gemacht. Auch im Künstlerhaus war er in diesem Sommer schon einmal präsent. Ein Förderpreis, wie jener des Kantons Solothurn, mache sich vor allem im Lebenslauf eines Künstler gut, meint Rieder.

Sehr wichtig ist ihm, dass das Publikum Zugang zu seinen Bildern findet. «Ich interessiere mich stark für die Räumlichkeit, für das Verhältnis des Betrachters zum Bild.» Er recherchiere im Vorfeld philosophische und physikalische Fragen, bevor er seine Bilder, die eine ganz eigene Tiefe aufweisen, malt. «Es ist eine sehr intelektuelle Herangehensweise ans Bild», sagt er selbst.

Eine Technik, die eher an den Akt des Programmierens, als des reinen Malens denken lässt. Und doch ist die haptische Arbeitsweise, der dünne oder breite Pinselstrich erkenn- und spürbar. Ähnlich verhält es sich bei seiner Farbwahl. «Es ist mir wichtig eine Balance zwischen dem intellektuellem und dem malerischen Prozess herzustellen», sagt er.

Schmerzen mit Fotografien sichtbar machen

Ein Stockwerk weiter sind die Fotoarbeiten der Kommunikationsdesignerin Sabine Affolter (*1968) zu sehen. In Lüterkofen geboren, lebt und arbeitet sie inzwischen in Bern. Zusammen mit Katja Rüfenacht lancierte sie das Projekt Dolografie. Eine mehrfach ausgezeichnete Visualisierung von Schmerzen. Anhand von Bildkarten wird versucht, ein gezieltes und differenziertes «Bild» eines Schmerzes bei einem Patienten zu erfragen. Bereits rund 500 Ärzte und Therapeuten verwenden dieses aussergewöhnliche Kommunikationsinstrument.

Das Architektur- und Künstlerduo Céline Bessire (*1987) und Mathias Winter (*1986) leben und arbeitet in Feldbrunnen. Ihre Arbeit «In-Stasis» zeigt ein auf den ersten Blick, ansprechend eingerichtetes Esszimmer. Doch bei näherem Hinsehen zeigen sich Brüche, Ungereimtheiten und Brutales. Die ganze Welt ist aus den Fugen, doch im häuslichen Umfeld soll alles seinen gewohnten Gang gehen, fragt das Künstlerduo. Eben nicht, ist ihre Antwort.

Sybill Häusermann (*1982), bildende Künstlerin, in Flüh aufgewachsen und derzeit in Bern lebend, zeigt eine multmediale Arbeit. Auf drei Bildschirmen ist sie selbst zu sehen, wie sie den Mythos «Die Büchse der Pandora» interpretiert. Es sei ein Versuch, Muster und frauenfeindliche Werte in der Geschichtsschreibung aufzubrechen, sagt die Künstlerin. Kuratiert wurde diese Ausstellung von Stefanie Steinmann (*1984), Mitarbeiterin im Künstlerhaus S11, die 2020 einen Preis für Kulturvermittlung des Kantons Solothurn erhalten hatte.

Bis 20. Dezember.

Kulturförderung SO: Ausschreibung zur Vergabe der Förderpreise 2021

Seit 2012 vergibt das Kantonale Kuratorium für Kulturförderung im Sinne der Nachwuchsförderung bis zu zwölf Förderpreise von je 15000 Franken. Junge Kunst- und Kulturschaffende aller Disziplinen, die Wohnsitz im oder einen engen Bezug zum Kanton Solothurn haben, können sich für einen Förderpreis 2021 bewerben.
Gleichzeitig läuft die Bewerbungsfrist für zwei Aufenthalte im Künstleratelier in der «Cité Internationale des Arts» in Paris für das Jahr 2022. Kunstschaffende jeden Alters und aller Disziplinen mit Wohnsitz im oder engem Bezug zum Kanton Solothurn erhalten die Möglichkeit, während eines halben Jahres (Januar bis Juni oder Juli bis Dezember) in Paris frei arbeiten zu können. Die Zusprechung der Atelierwohnung ist mit einem Beitrag an die Lebenshaltungskosten in der Höhe von 18 000 Franken für sechs Monate verbunden.
Aussagekräftige Dossiers einreichen

Wer sich für einen Atelieraufenthalt respektive einen Förderpreis bewerben will, kann entsprechende Bewerbungsunterlagen einreichen. Die Dossiers werden durch die Mitglieder der Fachkommissionen des Kuratoriums bewertet. Beurteilt werden die Qualität der gemachten Aussagen, die Kontinuität des bisherigen Schaffens, Entwicklungsmöglichkeiten sowie Innovation und Professionalität.

Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 11. Januar 2021, der Auswahlentscheid wird im April 2021 bekanntgegeben.

So bewirbt man sich: Das Bewerbungsformular kann im Internet unter aks.so.ch bezogen oder unter folgender Adresse angefordert werden: Kantonales Kuratorium für Kulturförderung «Förderpreis 2021 / Atelierstipendium Paris 2022», Schloss Waldegg, Waldeggstrasse 1, 4532 Feldbrunnen - St. Niklaus Telefon: 032 627 63 63, E-Mail: aks@dbk.so.ch
Die Anmeldeunterlagen für Förderpreise und Künstleratelier müssen nebst dem Bewerbungsformular einen Projektbeschrieb und/oder Aussagen zu den künstlerischen Plänen, einen Lebenslauf mit Porträtfoto sowie eine Dokumentation des bisherigen Schaffens (max. 15 A4-Seiten) enthalten. Die Bewerbungen sind bis spätestens Montag, 11. Januar 2021 (Poststempel) einzureichen. (mgt)

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