Amtsgericht

Guido S. tut der Dreifachmord heute «von Herzen leid»

Die Angeklagten: Guido S., Patric S. und Ruth S.

Die Angeklagten: Guido S., Patric S. und Ruth S.

Vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern hat der Prozess zum Dreifachmord von Grenchen begonnen. Zwei der drei Angeklagten schilderten dem Gericht ihre Versionen des Tötungsdeliktes vom Juni 2009. Sie legten erneut ein Geständnis ab.

Die dritte Angeklagte - eine 51-jährige Schweizerin - wird am Dienstag befragt werden. Sie gilt als mutmassliche Drahtzieherin. Bereits einvernommen wurden ein 27-jähriger Schweizer und ein knapp 35-jähriger, ehemaliger Schweizer Spitzensportler.

Den drei Beschuldigten werden als zentrale Anklagepunkte mehrfacher Mord, qualifizierter Raub sowie strafbare Vorbereitungshandlungen zu Mord und Raub vorgeworfen. Der Staatsanwalt gibt die Strafanträge erst im Verlauf des Prozesses bekannt.

So berichtete TeleM1 über den Prozessauftakt

So berichtete TeleM1 über den Prozessauftakt

Die TeleM1-Reporterin aus Solothurn

Die TeleM1-Reporterin aus Solothurn

Angeklagte erhofften sich fette Beute

Bei den sogenannten Schenkkreis-Morden wurden am 5. Juni 2009 ein 60-jähriger Mann, dessen 55-jährige Frau sowie die 35-jährige Tochter in Grenchen umgebracht. Der Mann wurde erschossen, die beiden Frauen gewürgt und mit Plastiksäcken erstickt.

Die Angeklagten erhofften sich eine fette Beute. Das Trio ging davon aus, dass die Familie wegen ihrer Beteiligung an Schenkkreisen über sehr viel Bargeld verfügte. Alle drei Angeklagten waren selber in diese Kreise verwickelt.

Schenkkreise sind verboten und funktionieren nach dem Schneeballsystem. Dabei «schenken» neue Teilnehmer Geld an Mitglieder, die länger dabei sind. Sie hoffen, später von neuen Mitgliedern selbst «beschenkt» zu werden.

Sie wollten Geldschulden tilgen

Am ersten Prozesstag sagten die beiden Männer aus, dass sie mit dem Überfall Schulden bei der angeklagten Frau tilgen wollten. In der Wohnung fand das Duo jedoch lediglich 5000 Franken, 600 Euro, vier Uhren und Modeschmuck.

Der Prozess fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Besucher und Medienschaffende mussten eine Metallschranke passieren. Den beiden angeklagten Männern wurden die Fussfesseln auch im Gericht nicht abgenommen.

Angeklagte sehen sich als «Befehlsempfänger»

Der 27-jährige Angeklagte legte erneut ein Geständnis ab - er las dabei von einem 56-seitigen Text ab. Er sprach rund zwei Stunden und gab zu, die Tochter mit einem Kehrichtsack erstickt zu haben.

Er schilderte auch seine Lebensgeschichte: Schwach in der Schule, keine Berufslehre beendet und danach mehrheitlich arbeitslos. Er betonte, dass die Tat ihm «von Herzen leid» tue und «unentschuldbar» sei.

Er sei «naiv» gewesen und habe der angeklagten Frau «blind vertraut». Die Frau kennt er seit seiner Kindheit. Ihr Verhältnis sei mit «Mutter und Sohn» zu vergleichen, sagte er. Sie hatte ihm Geld geliehen, damit er sich selbstständig machen konnte.

Die Idee und Planung des Tötungsdelikts schrieb er der Angeklagten zu. Diese habe die beiden Männer angewiesen, die Opfer mit Chloroform zu betäuben und mit Plastiksäcken zu ersticken.

Mord an Tochter nicht angeordnet

Auch der zweite Angeklagte, ein knapp 35-jähriger ehemaliger Spitzensportler, legte zu Beginn seiner Befragung ein Geständnis ab. Er gab zu, den 60-jährigen Mann erschossen und die 55-jährige Frau erstickt zu haben. Er bestritt jedoch, den Mord an der 35-jährige Tochter angeordnet zu haben. Er sagte ebenfalls, dass die Idee zum Raub von der angeklagten Frau gekommen sei.

Sie hätten gewusst, dass es sich bei den illegalen Schenkkreisen um Schwarzgeld gehandelt habe. Deshalb hätten sie damit gerechnet, dass die Opfer keine Anzeige erstatten würden.

Er entschuldigte sich bei den Angehörigen der Opfer für das Tötungsdelikt. Dabei blieb er gefasst und sprach über die Morde weitgehend emotionslos. Zur Tatzeit hatte er Schulden in der Höhe von 75'000 Franken. Allein für Anabolika gab er monatlich 3000 Franken aus.

Besonders grausam vorgegangen

Er wurde auch zu einer Wahrsagerin befragt, welche sie vor der Tat konsultiert hatten. Diese sei wie eine zweite Mutterperson für ihn gewesen. Vor der Tat hätten sie in die Karten geschaut um zu prüfen, ob wirklich soviel Geld da sei.

Der ehemalige Spitzensportler gab zu, dass er und der zweite Angeklagte besonders grausam vorgegangen seien. Sie hätten nach dem ersten Mord nicht aufgehört, da sie nicht mit leeren Händen hätten zurückkehren wollen.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Die Verhandlungen dauern voraussichtlich bis Freitag. Die Urteile werden am 11. Mai eröffnet.

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