Olten-Aarau

Nach 10 Jahren Bauzeit: Hochwasserschutz und Renaturierung der Aare sind fertig umgesetzt

Mehr Sicherheit, mehr Natur, mehr Erholung – dies die Ziele des Projekts Hochwasserschutz und Revitalisierung Aare zwischen Olten und Aarau. Zum Abschluss der Arbeiten diesen Herbst blickt der Kanton zurück auf die zehn Jahre dauernden Arbeiten. 

«Mehr Sicherheit, mehr Natur, mehr Erholung.» Mit diesen Begriffen fasst der Kanton das Grossprojekt am Flussverlauf der Aare zwischen Olten und Aarau zusammen. Er erklärt die lange Bauphase von mehr als zehn Jahren für beendet. Am Freitag informierte das Amt für Umwelt in Obergösgen, auf einem den erschaffenen Seitenarmen des Flusses, die Medien.

Der Chef vom Amt für Umwelt, Gabriel Zenklusen sowie Co-Projektleiter Christoph Dietschi, fassten vor Ort die wichtigsten Errungenschaften zusammen und zeigten auf, wie in fünf Etappen die gesetzten Ziele erreicht werden konnten. Anschliessend bedankte sich Roland Fürst, Regierungsrat und Vorsteher des Bau- und Justizdepartements, bei allen Beteiligten des Projekts.

Schutz der Siedlungsgebiete

Hauptziel des Projekts war der Schutz der Siedlungsgebiete im Niederamt vor Hochwasser. Bereits vor den Überschwemmungen in den Jahren 2005 und 2007 habe man den Handlungsbedarf erkannt und auf Gefahrenkarten richtig eingeschätzt. Denn die darauffolgenden zwei Hochwasser hätten die erwarteten Gefahren bestätigt. Dietschi sagte: «Damals wurde klar, dass das System trotz Juragewässerkorrektion Grenzen hat.» Jetzt habe man neue Strukturen geschaffen, dem Fluss und der Natur mehr Raum gegeben und gleichzeitig Verbesserungen in ökologischer Hinsicht erreicht. Als drittes Ziel sei das Aareufer als Naherholungsgebiet gestaltet und der Bevölkerung zugänglich gemacht worden.

Überflutungen im Gebiet zwischen Dulliken, Däniken und Obergösgen im Jahr 2007

Überflutungen im Gebiet zwischen Dulliken, Däniken und Obergösgen im Jahr 2007

Dietschi erwähnte die kantonale Abstimmung im Juni 2009. Der Kanton habe sich damals mit einer Zustimmung von über achtzig Prozent hinter das Projekt gestellt. Trotzdem habe man dann beim Beginn der Arbeiten teilweise Widerstand und Empörung aus Bevölkerung erfahren. Manche hätten damals kein Verständnis für die auffahrenden Bagger und die Rodung von Waldbestand aufgebracht. Allein mit Plänen sei es manchmal schwierig gewesen, die Leute von der Idee – einer Aare mit natürlicherem Verlauf – zu überzeugen.

Doch nun ist die laute Phase vorbei. Die Uferböschungen sind bewachsen und die künstlich erstellten Naturräume und Ökosysteme in, auf und neben dem Wasser hätten sich längst begonnen zu entfalten. «Damit ist eine anfängliche Skepsis einer breiten Akzeptanz bei der Bevölkerung gewichen», sagt Dietschi.

«Neue Aare» als Gewinn für alle

Man zeigte sich zufrieden mit den auf einem Perimeter von 13 Kilometern erreichten baulichen Massnahmen. Zenklusen führte aus, man habe auch den ökonomischen Rahmen des Projekts gut einhalten können. Zwar sei es noch zu früh, um genaue Zahlen zu nennen, doch sei bereits heute klar: Der veranschlagte Kostenaufwand für das Gesamtprojekt von insgesamt 34 Millionen Franken werde unterschritten.

Zeitgemässer Hochwasserschutz nehme Rücksicht auf die vielfältigen Funktionen der Gewässer und suche sie, wo immer möglich, zu erhalten oder wiederherzustellen. Der Wasserbau müsse vielen Ansprüchen genügen. Neue Seitengerinne würden dem Gewässer mehr Raum geben und zudem die Abflusskapazität steigern, wie das Amt für Umwelt mitteilt. Wo notwendig würden Dämme und Mauern einem Hochwasser standhalten, wie es alle hundert Jahre vorkommen könne. Massnahmen zugunsten der Natur wie Flachufer, Kiesinseln, Hinterwasser oder die Pendelrampe beim Stegbach würden die Ökologie verbessern. Eine revitalisierte Aare im Niederamt sei Anziehungspunkt für Erholungssuchende aller Generationen, so das AVU.

Ein Buch zum Jahrhundertwerk

Der Kanton hat das Projekt in einer umfangreichen Broschüre festgehalten. Darin seien aber auch ein langer Rückblick in die Vergangenheit, ein Seitenblick über begleitendende Projekte und ein Ausblick auf auswertende Massnahmen zu finden. Mit dem Fertigstellen der Arbeiten sei nicht alles einfach beendet. Man wolle Erkenntnisse aus den umgesetzten Arbeiten gewinnen und diese auswerten. Es gelte herauszufinden, ob die Ökosysteme sich erwartungsgemäss entwickeln würden.

Zum Schluss bedankte sich Regierungsrat Fürst beim Bund, der das Projekt grosszügig mitgetragen habe. Auch der Kanton habe eine grosse Beteiligung geleistet und mit diesem Projekt eine auch für ihn grosse Aufgabe gemeistert. Schliesslich bedankte sich Fürst auch bei den betroffenen zehn Gemeinden. Alle zusammen hätten das erfreuliche Ergebnis möglich gemacht. Fürst sagte: «Ich wünsche dem Niederamt eine Hochwasserfreie Zukunft.»

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