«Sekken»
Natürlich, schweizerisch, unisex: Sie bringen Kosmetik-Produkte aus dem Thal unter die Leute

Marketing-Spezialisten aus Solothurn und Seifenmacher aus Welschenrohr haben zusammengefunden. Im Thal werden seit kurzem Linien mit hochwertigen Kosmetik-Produkten hergestellt. Entstanden ist die Idee auf einer Japanreise.

Sébastian Lavoyer
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Die Akteure der Solothurner «Seifenoper» (v.l): Christopher Waelchli, Alexander Schneider, Hans Ulrich Waelchli und Fabio Romano.

Die Akteure der Solothurner «Seifenoper» (v.l): Christopher Waelchli, Alexander Schneider, Hans Ulrich Waelchli und Fabio Romano.

Bruno Kissling

Die Gegensätze könnten kaum grösser sein. Und das liegt nicht nur am Erscheinungsbild: Hier die modischen Marketing-Männer mit üppigem Bart und dunklem Pullover, dort die ein wenig aus der Zeit gefallenen Seifen-Macher mit Krawatte und weissem Kittel. Hippes Start-up versus traditionsreiches Familienunternehmen – da prallen Kulturen aufeinander, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Doch so exotisch die Zusammenarbeit zwischen der Renkei AG aus Solothurn und der Seifen Manufacture aus Welschenrohr auch anmuten mag, sie scheint zu funktionieren. Vor wenigen Wochen kam eine erste Kollektion von Seifen, Douches und Lotionen unter dem Namen Sekken (japanisch Seife; Anm. d. Red.) auf den Markt.

Bis vor drei Jahren hatte Alexander Schneider – ausser bei der Morgen-Toilette – nichts mit Kosmetik-Produkten zu tun. Dann flog er im Frühjahr 2017 mit seiner Freundin nach Japan, erkundete das Land im Zug und zu Fuss. Tokio, Kyoto, Osaka. «In einer dieser Städte betrat ich erstmals einen Aesop-Store», erinnert sich der Mitinhaber einer Marketing-Agentur. Aesop ist ein australischer Kosmetik-Brand, quasi der Ferrari unter den Pflegeprodukten. Entsprechend kostet eine Flasche Seife denn auch so viel wie ein anständiges Mittagessen. Die Läden sind durchdesignte Erlebniswelten. «Kosmetik ist längst ein Lifestyle-Produkt, äusserst interessant zu vermarkten. Das hat mich fasziniert und war eigentlich der Anfang von Sekken», erinnert sich Schneider.

Kurze Kennenlern-Phase und dann Vollgas

Jetzt, etwas mehr als zwei Jahre später, steht er mit Geschäftspartner Fabio Romano in der Produktionsstätte in Welschenrohr. Eine Flasche mit Rosmarin-Kirschblüten-Lotion in der Hand, ein breites Lachen im Gesicht. Zu seiner Linken Hans Ulrich, zu seiner Rechten Christopher Waelchli, Vater und Sohn. «Sie haben uns kontaktiert, dann haben wir uns zwei, drei Mal getroffen und legten los», erinnert sich Waelchli Junior. 40 bis 50 Samples hätten ihnen die Waelchlis kurz nach der beschlossenen Zusammenarbeit präsentiert, so Schneider. Die unterschiedlichsten Düfte. Aber ausschliesslich natürliche Inhaltsstoffe, keine tierischen Produkte, fast alles aus der Schweiz.

In Zeiten von Klimastreiks, grüner Welle und neuem Umweltbewusstsein, so die Überzeugung der Jungunternehmer, wäre alles andere blauäugig. «Für uns war klar, dass in unseren Produkten weder Mikroplastik noch Erdöl noch sonst irgendwelche bedenklichen Inhaltsstoffe wie Weichmacher sein sollen», sagt Schneider und streicht sich durch den Bart. Es sprudelt aus ihm heraus, wenn er von ihrem gemeinsamen Produkt erzählt, der Philosophie dahinter. Erst hätten sie selbst produzieren wollen. Doch dann entdeckten sie die Seifen-Macher aus Welschenrohr, die im Auftrag produzieren.

 «Wir machen Führungen in unserem Betrieb. Am Schluss zeigen wir dann all die Produkte, die wir herstellen. Aber egal, was da auch steht, die Frauen stürzen sich jeweils auf die dunklen Glasflaschen von Sekken.»

«Wir machen Führungen in unserem Betrieb. Am Schluss zeigen wir dann all die Produkte, die wir herstellen. Aber egal, was da auch steht, die Frauen stürzen sich jeweils auf die dunklen Glasflaschen von Sekken.»

Bruno Kissling

Natürlich, schweizerisch, unisex

Hans Ulrich Waelchli war einst Landwirt, in Sachen Seifen ist er Autodidakt. Jahrelang produzierte er mit seiner Familie (vier Kinder sind im Betrieb engagiert) in der Nähe des Bahnhofs Wankdorf in Bern. Erst vor fünf Jahren zogen sie nach Welschenrohr. Haupteinnahmequelle sind Lösungsmittel auf Seifenbasis. Damit beliefern sie Maschinenbau, Metall- und Uhrenindustrie. Im Kosmetikgeschäft aber sehen sie Potenzial. Auch weil es ausser ihnen in der Schweiz unterdessen keinen anderen Hersteller mehr gibt. Und weil ein Umdenken stattgefunden hat. Die Menschen sind heute bereit, mehr zu bezahlen für ein Produkt, bei dem sie wissen, was drinsteckt. «Bei uns kommt alles aus der Schweiz – einzig Kokosfett importieren wir», sagt Waelchli Senior und blinzelt unter seinem Hut mit der Aufschrift «Maître de Savon» hervor.

Vor wenigen Wochen haben sie die ersten drei Produktlinien auf den Markt gebracht. Grüntee, Kirschblüte-Rosmarin und Vetiver. Einzig die Grüntee-Linie war als Unisex-Produkt gedacht, aber die Erfahrung habe gezeigt, dass alle Produkte bei beiden Geschlechtern Anklang fänden. Bereits sind sie bei Loeb im Sortiment, zudem in ausgewählten Läden in Solothurn, Gstaad und Zürich sowie bei brack.ch. «Wir haben schon viel entwickelt für andere Leute, die Ähnliches machen wollten», sagt Christopher Waelchli. Die meisten hätten nichts verkauft. «Aber die zwei hier, die sind rausgegangen und bringen die Ware an den Mann und die Frau», schwärmt er. Vor allem an die Frau, wenn man Waelchli Senior zuhört: «Wir machen Führungen in unserem Betrieb. Am Schluss zeigen wir dann all die Produkte, die wir herstellen. Aber egal, was da auch steht, die Frauen stürzen sich jeweils auf die dunklen Glasflaschen von Sekken.»

Hinweis
Weitere Informationen zu Entwicklungsprojekten, die Sekken unterstützt: www.sekken.ch

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