Selzach
Neuer Kirchenraum aus alten Formen soll entstehen

Das Innere der Kirche Mariae Himmelfahrt in Selzach wird derzeit künstlerisch umgestaltet.

Martin Schaub
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Der Künstler Jörg Niederberger in der Kirche Selzach

Der Künstler Jörg Niederberger in der Kirche Selzach

Martin Staub

Mittendrin im Kirchenschiff hängen Pläne und Bilder des über die Jahre immer wieder veränderten Innenraums der Kirche Mariae Himmelfahrt in Selzach. Stilelemente von Romanik – die Kirche soll bereits anfangs 16. Jahrhundert entstanden sein –, Neugotik, 19. Jahrhundert bis 1976 und nachkonsiliärer Korrektur nach 1976 prägten den Raum, der damit für die Besucherinnen und Besucher nicht mehr sehr einladend wirkte.

Die katholische Kirchgemeinde Selzach beschloss vor ein paar Jahren, die Kirche von Grund auf zu renovieren und ihr eine «Neuinterpretation mit Integration des architektonischen Bestandes» zu verleihen. «Kein leichtes Unterfangen, nicht nur wegen der hohen Kosten von rund 2,5 Mio Franken», meint Künstler Jörg Niederberger und fügt an: «Da galt es, die Anliegen des Bistums, der Denkmalpflege, des Pfarrers, der Kirchenräte unter der Zugkraft von Erwin von Burg, des Architekten Pius Flury von Flury und Rudolf Architekten aus Solothurn, der die Gesamtleitung innehat und nicht zuletzt derjenigen der Kirchengänger in die Konzeptionen mit einzubeziehen.»

Ein Gesamtkunstwerk entsteht

Niederberger, der in Kleinlützel wohnhafte Künstler, Kunstpädagoge und Leiter des Seminarhauses RaumZeitStille, erhielt den Zuschlag für die künstlerische Gestaltung des Kirchenraums. Nach langer Vorbereitung, unzähligen Sitzungen mit Gesprächen und Gestaltungsvorschlägen ist Niederberger seit Ostern vor Ort und arbeitet mit Fachleuten zusammen.

Die Begeisterung ist fast körperlich spürbar, als er über die vielen Gerüsttreppen bis unmittelbar unter den Deckenboden führt. «Unser Ziel ist ein Gesamtkunstwerk zu schaffen», sagt der erfahrene Profi, der schon mehreren Kirchenräumen zu neuem ästhetischem und spirituellem Leben verholfen hatte, darunter der Dreifaltigkeitskirche in Bern.

Bis August dieses Jahres sollten Niederbergers Arbeiten abgeschlossen sein. Ein sportlicher Zeitrahmen, den er nur dank helfenden Fachleuten schafft, die er für dieses Projekt engagierte. Vor Ort arbeitet Nadine Wehrli, eine ausgebildete Theatermalerin, an den Ornamenten, welche zum Teil vorgezeichnet bereits greifbar sind. Für die Steinarbeiten – Niederberger verwendet für den Altar, den Ambo und den Tabernakel Liesberger Kalkstein – konnte er den Steinbildhauer Thomas Heini, einen alten Studienkollegen aus seiner Düsseldorfer Zeit, für das Projekt begeistern.

Sehnlichst auf die Wiedereröffnung im Spätherbst wartet Erika Burki. Seit 30 Jahren spielt sie in der Kirche Mariae Himmelfahrt die Orgel. Auch heute schaut die begeisterte Musikerin auf der Baustelle vorbei. «Ich freu mich, wenn ich an Sonntagen damit wieder aufspielen darf», sagt sie und schaut etwas wehmütig auf die Hülle, hinter der sich «ihre» Orgel versteckt.

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